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16.12.04 , 10:15 Uhr
SPD

Andreas Beran zu TOP 26: Aktive Seniorenpolitik für geänderte Bedürfnisse weiterentwickeln

Sozialdemokratischer Informationsbrief

Kiel, 16.12.2004 Landtag Es gilt das gesprochene Wort! Sperrfrist: Redebeginn aktuell
TOP 26 – Älter werden in Schleswig-Holstein

Andreas Beran:

Aktive Seniorenpolitik für geänderte Bedürfnisse weiterentwickeln

Im Namen meiner Fraktion möchte ich mich bei allen bedanken, denen ich durch die Große Anfrage der SPD-Landtagsfraktion Arbeit gemacht habe. Dies waren nicht we- nige, da an der Beantwortung mehrere Ministerien beteiligt waren. Seniorenpolitik ist eben – wie sich hier zeigt – eine Querschnittsaufgabe.

Im Großen und Ganzen sage ich: Es lebt sich gut als Senior in Schleswig-Holstein. Blicke ich in die Zukunft und betrachte mich als kommenden Senioren, so brauche ich keine Angst um meine Sicherheit zu haben; ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich pflegebedürftig werde, relativ gering; habe ich Chancen, ein hohes Alter zu erlangen und zu den Hochbetagten zu gehören; dürfte ich ausreichend Geld zur Verfügung haben; werde ich ein Konto bei meiner Kreissparkasse vor Ort haben; besitze ich Wohnungseigentum und lebe in einem 2-Personen-Haushalt; werde ich ein ausreichendes Angebot an medizinischer und pflegerischer Ver- sorgung in diesem Lande haben; werde ich mehrmals im Jahr auf Kurzurlaub, auf Städte- und Vitalreisen sein; werde ich Gasthörer an der Philosophischen Fakultät der Uni sein;

Schleswig- Holstein

Herausgeber: SPD-Landtagsfraktion Verantwortlich: Petra Bräutigam Landeshaus Postfach 7121, 24171 Kiel Tel: 0431/ 988-1305/1307 Fax: 0431/ 988-1308 E-Mail: Internet: pressestelle@spd.ltsh.de www.spd.ltsh.de SPD -2-



engagiere ich mich ehrenamtlich in einem Sportverein und werde regelmäßig Sport treiben. Und sollte es dann eines Tages mit mir zu Ende gehen, so kann ich in Würde sterben und auf eine vielfältige flächendeckende Angebotsstruktur stationärer und ambulanter Hospize zurückgreifen.

Ja, meine Damen und Herren, es lebt sich nicht nur heute gut als Senior in Schleswig- Holstein, das sind auch gute Zukunftsperspektiven für die Gruppe der künftigen Senio- ren unter dieser Landesregierung. Stillstand ist jedoch Rückstand. Daher können wir uns auf dem Erreichten nicht ausruhen. Mit Hilfe der Angaben aus der Antwort zur Großen Anfrage möchte ich dieses Bild untermauern: Die Älteren stellen 24,2% der Wohnbevölkerung, aber lediglich 5% der Opfer von Straftaten. Die Seniorinnen und Senioren leben in Schleswig-Holstein si- cherer als in anderen Bundesländern. Im Bundesdurchschnitt liegt dieser Wert bei 5,3%. Die Wahrscheinlichkeit, dass Seniorinnen und Senioren in Schleswig- Holstein Opfer einer Straftat werden, ist damit relativ gering.

Nur 2,7% der Bevölkerung ist pflegebedürftig. Dies hat sich seit 1999 nicht ver- ändert. 1% wird stationär, 0,5% ambulant und 1,2% durch Angehörige gepflegt. Trotz höheren Anteils Älterer an der Gesamtbevölkerung in Schleswig-Holstein steigt die Zahl Pflegebedürftiger kaum.

Die Anzahl und der Anteil Älterer an der Gesellschaft ist deutlich gewachsen. Es wird damit gerechnet, dass der Anteil der „alten Alten“, 70 Jahre und älter, zu- nimmt. 2012 soll deren Anteil bei 16% liegen.

Gegenüber den Jüngeren gibt es überproportional viele Ältere mit höherem Ein- kommen. Der Anteil der über 65jährigen ohne Einkommen ist mit 2,6% verhält- nismäßig klein. 62% der über 65jährigen haben monatlich über 900 Euro zur -3-



Verfügung, bei den unter 65jährigen sind es nur 47%.

Bei den Kreditinstituten erweist sich die Filiale vor Ort als bedeutender Ver- triebsweg. 2002 waren 59% der 60-70jährigen Kunde bei einer Kreissparkasse. Das sind 4% mehr gegenüber 1997.

Es ist das Bestreben Älterer, Wohnungseigentum bis ins hohe Alter zu bewoh- nen. Dadurch wird der finanzielle monatliche Aufwand um 519 bis 613 Euro durch Ersparnis der Miete entlastet.

Statistisch gesehen gibt es keine Wartezeiten für eine Aufnahme in stationäre Pflegeeinrichtungen. So gab es 2001 590 Einrichtungen mit rund 33.100 Plät- zen. Es gibt 428 ambulante Pflegedienste und immer mehr Ärzte, die Fort- und sogar Weiterbildung im Bereich „klinische Geriatrie“ besuchen.

An dieser Stelle will ich aufhören mit der Untermauerung meiner aufgezeigten Lebens- situation der Älteren in Schleswig-Holstein. Ihnen allen liegt die Antwort der Landesre- gierung vor und ich kann nur empfehlen, sich auch mit ihr auseinander zu setzen.

Doch wir können uns auf dem Erreichten nicht ausruhen, denn Stillstand ist Rück- schritt. Die Antwort auf die Große Anfrage bietet eine Vielzahl von Informationen. Sie dienen uns, der Politik, dazu, politische Entscheidungen auf einer soliden Basis zu tref- fen. Ich sehe für die Zukunft Handlungsbedarf in folgenden Feldern: Durch einen höheren Anteil Älterer an der Bevölkerung in Schleswig-Holstein nehmen die absoluten Zahlen Demenzkranker zu. Wir sind gefordert, Zu- kunftsmodelle zu entwickeln, so dass auch Demenzkranke möglichst lange selbst bestimmt und dabei sicher leben können. Die Pflege und Unterstützung alter Migrantinnen und Migranten wird an Bedeu- tung gewinnen. Die Seniorenpolitik für Migrantinnen und Migranten wird im Hin- -4-



blick auf ihre Sprache, Kultur und Religion besonderen Anforderungen entspre- chen müssen. Hierfür müssen wir Konzepte entwickeln.

Ältere Menschen sind unsicherer bei der Bewertung angebotener Dienstleistun- gen und Waren. Wir müssen unsere Verbraucherpolitik darauf ausrichten, diese Unsicherheit zu beseitigen. Ein Instrument hierfür ist der Erhalt von Verbrau- cherzentralen. Auch müssen die Produkte verstärkt an die Bedürfnisse Älterer angepasst werden, wie z.B. Handy für Senioren.

Nur 5% der Senioren leben in Wohnungen, die spezifisch altersgerecht sind. 20% der Älteren leben in Wohnungen, die ihnen zu groß und zu unangepasst an altersgerechte Wohnformen sind. Das kann die gewünschte Eigenständigkeit im Alter einschränken. Grundsätzlich müssen Wohnungen so gestaltet werden, dass sie durch wenige Veränderungen jederzeit barrierefrei hergerichtet werden können.

Auch wenn die medizinische und pflegerische Versorgung flächendeckend aus- reichend ist, so fehlt es an Angeboten im Umfeld, z.B. Hilfen im Haushalt oder beim Einkaufen, Fahrdienste oder soziale Betreuungsangebote. Hier sind auch die Wohnorte, also Kommunen gefordert, für diese Infrastrukturen zu sorgen. Vielleicht können hier auch die so genannten 1-Euro-Jobs helfen?

Der Anteil Älterer als Opfer im Straßenverkehr ist verhältnismäßig hoch. Dies obwohl es ein vielfältiges Angebot an Aufklärung speziell für Seniorinnen und Senioren gibt. Vielleicht liegt dies auch an der mit zunehmendem Alter abneh- menden Reaktionsfähigkeit. Die Älteren müssen noch mehr ermuntert werden, zu ihrer eigenen Sicherheit, an Trainingsprogrammen teilzunehmen. -5-



Dieser Katalog an Handlungsbedarf hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das Stu- dium der Antwort auf die Große Anfrage hat mir gezeigt, dass es immer wieder neue Aspekte und Ideen gibt, die ein Potenzial für politisches Handeln beinhalten.

Noch etwas hat mir die Auswertung der Informationen deutlich gemacht: Es gibt keine Allgemeingültigkeit, nach der sich Seniorinnen und Senioren ihre Lebensumstände, ihr Lebensumfeld, ihre Lebensbedingungen und Lebensgestaltung vorschreiben lassen wollen. Individuelle Lösungen für die bzw. den Einzelnen sind gefragt. So mag es heu- te eine ausreichende Anzahl an stationären Einrichtungen geben, aber ihre strukturelle Gestaltung und ihre teilweise ungünstigen Lagen, die eine Möglichkeit der gesell- schaftlichen Teilhabe nicht zulassen, wird von den kommenden Generationen Älterer nicht mehr akzeptiert werden. Hierauf werden sich die Politik und die Anbieter von Leistungen einzustellen haben.

Zum Schluss möchte ich noch einmal auf die eigentlichen Ziele einer aktiven Senio- renpolitik hinweisen: eine möglichst selbständige und selbst bestimmte Lebensführung im Alter und die Verbesserung der Teilhabe der Seniorinnen und Senioren an unserer Ge- sellschaft, von der sie einen erheblichen Teil darstellen!

Wir, die Sozialdemokraten, werden die Seniorenpolitik der Landesregierung weiter un- terstützen, damit es sich auch in Zukunft als älterer Mensch gut in unserem Schleswig- Holstein leben lässt.

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