Diese Webseite verwendet ausschließlich für die Funktionen der Website zwingend erforderliche Cookies.

Datenschutzerklärung

16.12.04 , 15:11 Uhr
SPD

Wilhelm Malerius zu TOP 71: Ideale Lösung für eine nachhaltige Energie- und Kreislaufwirtschaft

Sozialdemokratischer Informationsbrief

Kiel, 16.12.2004 Landtag Es gilt das gesprochene Wort! Sperrfrist: Redebeginn aktuell
TOP 71 – Bioenergie: Der Landwirt als Energiewirt

Wilhelm Malerius:

Ideale Lösung für eine nachhaltige Energie- und Kreislaufwirtschaft

Der Landwirt als Energiewirt; damit wird einem deutschen Sprichwort nahezu unverhofft zu sprichwörtlicher Wahrheit verholfen. Und ich bitte den volkstümlichen Charakter der Sprachwahl zu entschuldigen, aber hier trifft es den Nagel auf den Kopf. Damit kann man in der Tat – in Anführungszeichen – „Scheiße zu Gold“ machen.

Die Umwandlung von Biomasse zu Energie ist ein neuer und nicht zu unterschätzender Ertragszweig für Landwirte und er beschränkt sich natürlich nicht nur auf Silage. Im Vergleich der erneuerbaren Energieträger gilt die Biomasse als der Energieträger mit den höchsten und den bisher am wenigsten ausgeschöpften Potenzialen. In Schleswig- Holstein kann Biomasse gemäß aktuellen Schätzungen der technisch-wirtschaftlichen Potenziale bis zu 13 % des Energieverbrauches decken.

Die Rahmenbedingungen für die energetische Biomassenutzung wurden erheblich ver- bessert. Die erste Biomasseinitiative dieser Landesregierung lief von 1996 – 2000 und es wurden mit ca. 13,2 Mio. DM Holz-, Stroh- und Biogasprojekte mit insgesamt ca. 23 Mio. thermischer Leistung gefördert. Die Bundesregierung hat mit dem Marktanreizpro- gramm und dem Erneuerbare-Energiengesetz ein breites Maßnahmenbündel für die Förderung der erneuerbaren Energien auf den Weg gebracht. Zum anderen hat die Landesregierung mit EU-Kofinanzierung das Förderprogramm „Biomasse und Energie“
Schleswig- Holstein

Herausgeber: SPD-Landtagsfraktion Verantwortlich: Petra Bräutigam Landeshaus Postfach 7121, 24171 Kiel Tel: 0431/ 988-1305/1307 Fax: 0431/ 988-1308 E-Mail: pressestelle@spd.ltsh.de Internet: www.spd.ltsh.de SPD -2-



für den Zeitraum 2001 – 2006 aufgelegt. Durch das Zusammenwirken dieser Instrumen- te wird die Wirtschaftlichkeit der energetischen Biomassenutzung für die Anlagenbetrei- ber deutlich verbessert.

Finanzielle Vorteile aus der Biomassenutzung ergeben sich für die Landwirtschaft ent- weder durch direkte Erlöse oder in Form von Kostenersparnissen. Direkte Einkünfte werden durch die Einbindung bei der Brennstoffversorgung mit landwirtschaftlichen Roh- und Reststoffen erzielt. Eine weitere Einnahmequelle stellt die Kapitalbeteiligung von Landwirten an Betreibergesellschaften für Biomasseenergieanlagen dar. Ein bestes Beispiel ist dafür die in Bau befindliche RME-Anlage der Marina Biodiesel GmbH in Brunsbüttel. Die Anlage hat eine Kapazität von 140.000 t/Jahr und wurde initiiert und getragen von den Maschinenringen und Landwirten des Landes Schleswig-Holstein. Ca. 700 Gesellschafter aus dem Agrarsektor haben dafür ein Eigenkapital von rund 5,5 Mio. € aufgebracht.

Die erneuerbaren Energien sind bereits heute ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, der weiter ausgebaut werden kann und auf Grund seines Potenzials auch muss. Als Pionier im Bereich der erneuerbaren Energien wird Deutschland, wird Schleswig-Holstein zu- dem zum Schaufenster für andere Länder und erwirbt sich hervorragende Exportmög- lichkeiten. Das Potenzial für neue Arbeitsplätze im Bereich der erneuerbaren Energien ist enorm. Bis zum Jahr 2020 können 500.000 Menschen im Bereich erneuerbaren E- nergien beschäftigt werden. Die dezentrale Struktur der erneuerbaren Energien bewirkt ferner eine breite regionale Verteilung dieser Arbeitsplätze, die insbesondere den struk- turschwachen Regionen zu Gute kommen.

Das erhebliche Potenzial der Bioenergie ist erst zu einem geringen Teil ausgeschöpft. Neben der Produktion von Strom bietet insbesondere die Erzeugung von Wärme und Biotreibstoffen eine hervorragende Chance für die Entwicklung der ländlichen Räume. Hier gilt es zudem, im Bereich der Forschung und Entwicklung in Zusammenarbeit mit -3-



unseren Universitäten verfeinerte Methoden zur Gewinnung und Verwertung zu erarbei- ten, die den Effizienzgrad nochmals steigern.

Die Nutzung von Biomasse zur Erzeugung von Strom und Wärme ist eine besonders unter Klimagesichtspunkten attraktive Form der Energieumwandlung. Biomasse ist weitgehend CO2-neutral und trägt dadurch zum Klimaschutz bei. Biomasse liefert Ener- gie, die für jede Endnutzungsform geeignet ist (Wärme, Strom, Kraftstoffe). Durch die Speicherbarkeit kann die zeitliche Nutzung gesteuert werden. Die energetische Biomas- senutzung verringert die Importabhängigkeit von fossilen Energierohstoffen. Biomasse ist ein heimischer erneuerbarer Energieträger.

Die Bioenergie zeichnet sich dabei durch einen geschlossenen CO2-Kreislauf aus und bietet eine ideale Lösung für eine nachhaltige Energie- und Kreislaufwirtschaft. Zudem setzt die Bioenergie entscheidende Akzente für eine innovative Wirtschaftspolitik. Gera- de für mittelständische Unternehmen und den ländlichen Raum, insbesondere für die Land- und Forstwirtschaft, bietet die energetische Biomassenutzung neue Einkommens- und Beschäftigungschancen. Die erneuerbaren Energien zeichnen sich durch eine Viel- falt von Akteuren aus. Ob Produzent, Anlagenbauer, Investor – in allen Bereichen be- steht gerade auch für den Klein- und Mittelständler, für den Privatinvestor, für den Landwirt die Chance, an der Entwicklung der erneuerbaren Energien zu partizipieren. Das sind mehr als nur gute Argumente, sich diesem Zweig intensiv zuzuwenden.

Download PDF

Pressefilter

Zurücksetzen