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17.12.04 , 15:45 Uhr
SSW

Ausbildungssituation: SSW fordert eine bessere Vorbereitung auf das Berufsleben

Presseinformation
Kiel, den 17.12.2004 Es gilt das gesprochene Wort



Lars Harms
TOP 70 Ausbildungssituation in Schleswig-Holstein Drs. 15/3643

Der SSW hatte sich am Anfang des Jahres gegen eine Ausbildungsplatzabgabe ausgespro- chen, weil wir der Auffassung waren, dass dieses Instrument zu bürokratisch und ineffizient ist. – und auch der besonderen Ausbildungssituation in Schleswig-Holstein nicht gerecht wird. Denn Schleswig-Holstein war im Jahre 2003 das einzige Bundesland mit einen Zuwachs an Ausbildungsplätzen. Eine Ausbildungsplatzabgabe hätte sich auf die Bereitschaft des schles- wig-holsteinisches Handwerks und der Industrie neue Ausbildungsplätze zu schaffen, sehr negativ ausgewirkt.

Obwohl der Bundestag letztendlich die Ausbildungsplatzabgabe schon beschlossen hatte, ist diese nicht in Kraft getreten, weil die Vernunft doch noch gesiegt hat. Denn die Bundesregie- rung und die Spitzen der Wirtschaft einigten sich in letzter Minute darauf, mit einer gemeinsa- men Anstrengung genügend Ausbildungsplätze zu schaffen. Jetzt ist es Zeit, über den im Sommer geschlossenen Ausbildungspakt zwischen dem Bund der Wirtschaft auch hier in Schleswig-Holstein eine Bilanz ziehen.

Denn um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Die Ausbildungssituation der Ju- gendlichen liegt dem SSW sehr an Herzen. Es muss das Ziel aller Anstrengungen von Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften sein, ausreichend Ausbildungsplätze für alle anzubieten. Und wir müssen eingestehen, dass dieses in den letzten Jahren ein großes Problem war – trotz aller positiven Ergebnisse gerade hier in Schleswig-Holstein. Es gibt ja seit vielen Jahren das Bündnis für Ausbildung in Schleswig-Holstein, wo die Wirt- schaftverbände, Gewerkschaften und Landesregierung an einem Strang ziehen. Aus Sicht des SSW hat sich dieses Bündnis bewährt und wir begrüßen daher, dass es auch in den nächsten Jahren weitergeführt wird.

Nun zu den Zahlen, die mir vorliegen. Der Bericht der Landesregierung wurde ja mündlich gegeben. Die Deutsche- Industrie und Handelskammer hat Anfang Dezember bekannt gege- ben, dass zum 30.9.2004 in ihrem Bereich mit 322.759 neuen Ausbildungsverträgen ein An- stieg von 4,6% im Verhältnis zum Vorjahr erreicht wurde. Auch für Schleswig-Holstein sieht das Ergebnis nicht schlecht aus. So konnten die drei Industrie- und Handelskammern des Landes einen Anstieg der neuen Ausbildungsverträge von 4,14% auf 9.576 vermelden. Ange- sichts des schwierigen konjunkturellen Situation und des angespannten Arbeitsmarktes ist das aus unserer Sicht ein akzeptables Ergebnis. Dazu hat nicht zuletzt, das „Sofortprogramm der Landesregierung für Ausbildung“ von Anfang des Jahres beigetragen.

Nun ist aber nicht alles Gold was glänzt und der Deutsche Gewerkschaftsbund hat ja nicht ganz unrecht, wenn er trotz dieser positiven Zahlen darauf verweist, dass die Zahl der Jugend- lichen, die sich in sogenannten Warteschleifen befinden, weiter angestiegen ist. So gab es im vergangenen Schuljahr fast 500 Jugendliche mehr, die ein Ausbildungsvorbereitungsjahr absolvierten. Auch die Zahl der Jugendlichen an staatlichen Berufsfachschulen ist laut DGB weiter angestiegen.

Deshalb muss auch klar und deutlich gesagt werden: Trotz der guten Ausbildungsbilanz kön- nen wir seitens der Politik keine Entwarnung geben. Alle Beteiligten müssen sich daher auch in den nächsten Jahren weiterhin sehr anstrengen, um allen Jugendlichen eine vernünftige Berufsperspektive zu geben.

Und im diesem Zusammenhang bleibt der SSW bei seiner langfristigen Forderung nach einer grundlegenden Reform des dualen Ausbildungssystems. Denn man muss sich überlegen, ob nicht kürzere modulaufgebaute Ausbildungssysteme mit flexiblen Ausbildungsangeboten – wie beispielsweise in Dänemark – zukunftsfähiger sind, weil sie auf neue Entwicklungen schneller reagieren können und auch den Jugendlichen passgenauere Ausbildungsverläufe bieten.

Eine solche Reform des Ausbildungssystems wird sich aber nur in einem längeren Prozess verwirklichen lassen können. Deshalb muss das Land kurzfristig seine Anstrengungen verstär- ken, um die Ausbildungsreife der Schülerinnen und Schüler in Schleswig-Holstein zu verbes- sern. Dazu fordert der SSW, dass die Schülerinnen und Schüler rechtzeitig auf das Berufsle- ben vorbereitet werden, u.a. durch mehr Praktiken in den Betrieben und eine grundsätzlich enge Zusammenarbeit zwischen Schulen und freier Wirtschaft.

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