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26.01.05 , 10:57 Uhr
B 90/Grüne

Karl-Martin Hentschel zur Entwicklungszusammenarbeit

PRESSEDIENST Fraktion im Landtag Schleswig-Holstein Pressesprecherin Es gilt das gesprochene Wort! Claudia Jacob Landeshaus TOP 27 - Entwicklungszusammenarbeit Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel
Durchwahl: 0431/988-1503 Zentrale: 0431/988-1500 Dazu sagt der Fraktionsvorsitzende Telefax: 0431/988-1501 von Bündnis 90/Die Grünen, Mobil: 0172/541 83 53 Karl-Martin Hentschel: E-Mail: presse@gruene.ltsh.de Internet: www.sh-gruene.de

Nr. 016.05 / 26.01.2005
Wir sind Teil der Einen Welt
1883 explodierte die Vulkaninsel Krakatau nördlich von Australien – eine 30 m hohe Flutwel- le verwüstete die Küsten von Nordaustralien, Indonesien und Neuguinea. Es wurde soviel Asche in die Atmosphäre geschleudert, dass zwei Tage später sich der Himmel in Europa verdunkelte und tagelang grüne und violette Sonnenuntergänge beobachtet wurden.
Die Wissenschaftler in Europa konnten sich das nicht erklären. Es dauerte Monate, bis der Zusammenhang mit dem Vulkanausbruch am anderen Ende der Welt begriffen wurde. In dem Jugendbuch, in dem ich als Schüler zum erstenmal darüber gelesen habe, standen er- staunliche Berichte darüber. Ein Schiff soll in Australien durch die Flutwelle einen Kilometer landeinwärts gespült worden sein. Aber was den Menschen an den betroffenen Küsten pas- siert ist, darüber steht nirgends etwas.
Ich glaube, der Vergleich mit der Wahrnehmung des Tsunami über Weihnachten vor Indo- nesien macht deutlich, wie sehr sich die Welt geändert hat.
Innerhalb von Stunden waren die Nachrichten und ersten Bilder bei uns im Fernsehen. Hilfsaktionen der ganzen Welt wurden gestartet. Die Welt ist zusammengewachsen. Wir füh- len uns verantwortlich für das, was anderswo geschieht, und wir sind auch verantwortlich. Und dies nicht nur, weil Tausende von Landsleuten von uns dort Urlaub machten und ver- mutlich Hunderte sogar gestorben sind.
Und ich bedanke mich auch im Namen meiner Fraktion für die unzähligen Aktionen und das große Engagement von zigtausenden von Menschen, die einfach helfen wollten und sicher auch in vielfacher Hinsicht geholfen haben.
1/2 Natürlich handelte es sich diesmal um eine Naturkatastrophe, die nicht von Menschen her- vorgerufen wurde. Aber macht es einen Unterschied, ob die Menschen durch einen Tsunami betroffen sind, oder ob es ein Taifun war, der möglicherweise durch die Klimaerwärmung in- duziert ist?
Natürlich macht es keinen Unterschied. Die Welt ist zu einer Welt geworden – und zwar schneller, als wir es realisiert haben. Wir bekommen mit, was am anderen Ende der Welt geschieht, wie können helfen und wir müssen helfen.
Und Hilfe bedeutet nicht nur Hilfe bei Unglücken und Naturkatastrophen. Hilfe bedeutet Hilfe beim Wiederaufbau. Hilfe muss aber auch bedeuten, dass wir in Zukunft stärker als bisher Verantwortung übernehmen, damit die Spaltung der Welt in reiche und arme Länder über- wunden wird.
Ich gebe zu, mich hat die Reaktion auf meinen Brief an alle Fraktionsvorsitzenden, einen gemeinsamen Antrag für den Landtag zu formulieren, positiv überrascht. Waren wir doch in der Vergangenheit immer wieder wegen unserer Entwicklungspolitik in Schleswig-Holstein gescholten worden, weil das angeblich keine Aufgabe des Landes sei.
In diesem Antrag wird jetzt formuliert, dass Schleswig-Holstein nicht nur Mitverantwortung für die betroffenen Regionen übernimmt, sondern sich auch für nachhaltige Hilfen im Rah- men von Entwicklungszusammenarbeit in anderen besonders betroffenen Regionen einset- zen soll.
Die Landesregierung soll mit einer auszuwählenden Region einen Partnervertrag abschlie- ßen. Patenschaften von Gemeinden, Städten, Kreisen und dem Land werden begrüßt.
Damit wird eine grundlegende Wende in der Haltung zur Entwicklungspolitik formuliert. Ent- wicklungspolitik von unten wird damit zum selbstverständlichen Teil von Landes- und Kom- munalpolitik.
Das Modell, dass in diesem Antrag formuliert wird, ist trotzdem nicht neu. Es ist das Modell, das in Europa in den letzten 50 Jahren dazu geführt hat, dass die Völker zusammenge- wachsen sind, dass die armen Länder und Regionen erheblich aufholen konnten und dass aus ehemaligen Krisengebieten und Erzfeinden Freunde geworden sind. Auch in Europa hat dieser Weg mit zahlreichen bilateralen Partnerschaften von Gemeinden, Städten und Regi- onen begonnen, bis er heute zu einer gemeinsamen Verfassung geführt hat.
Mit dem vorliegenden Antrag machen wir einen ersten Schritt, diesen Prozess auf die ganze eine Welt zu übertragen. Ich freue mich darüber sehr. Wir wissen, dass es ein langer Weg ist – aber es ist der Weg zu einer gemeinsamen, solidarischen und friedlichen Welt. Deshalb lohnt sich der Marsch. Ich bedanke mich für die Gesellschaft bei allen, die mitgehen.
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