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27.01.05 , 10:42 Uhr
B 90/Grüne

Karl-Martin Hentschel zu Konsequenzen aus PISA II

PRESSEDIENST Fraktion im Landtag Schleswig-Holstein Pressesprecherin Es gilt das gesprochene Wort! Claudia Jacob Landeshaus TOP 29 – Konsequenzen aus PISA II Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel
Durchwahl: 0431/988-1503 Zentrale: 0431/988-1500 Dazu sagt der Fraktionsvorsitzende Telefax: 0431/988-1501 von Bündnis 90/Die Grünen, Mobil: 0172/541 83 53 Karl-Martin Hentschel: E-Mail: presse@gruene.ltsh.de Internet: www.sh-gruene.de

Nr. 024.05 / 27.01.2005

Schaffen wir eins, zwei drei, viele Fehmarns
Sehr geehrter Herr Präsident , sehr geehrte Damen und Herren,
ich finde, es ist gut für die demokratische Kultur in unserem Land, wenn man den Wähle- rInnen vor der Wahl sagt, was man vor hat und worüber sie bei der Wahl einer neuen Regierung abstimmen.
Das ist der Grund, warum wir hier einen Antrag vorlegen, der in vier Punkten knapp - a- ber sehr deutlich darlegt, was das gemeinsame Vorhaben von SPD und Grünen beim Umbau des Schulsystems ist.
Ich glaube, es war aber auch nötig, diesen Antrag vorzulegen, weil wir uns ganz klar ab- grenzen wollen gegenüber der Kampagne der Opposition, die versucht, unter dem pole- mischen Stichwort „Einheitsschule“ Debatten von vor mindestens 30 Jahren wieder aufzuwärmen.
Meine Damen und Herren, wenn wir heute über die Schule der Zukunft reden, dann sollten wir erst mal konstatieren, dass wir alle gemeinsam etwas gelernt haben.
Es gab Zeiten in Deutschland, als für die konservativen Parteien die Ganztagsschule und der Kindergarten als Bildungseinrichtung zu den sozialistischen Schreckgespenstern gehörte. Noch in den 90-er Jahren organisierte die CDU in Hamburg Proteste gegen die verlässliche Halbtagsgrundschule nach dem Motto, die Linken wollen die Erziehung un- serer Kinder übernehmen.
All das in seit PISA vergessen – wir reden längst darüber, wie Ganztagsschulen optimal gestaltet werden können.
1/2 Aber auch die Linke hat zugelernt! Wir wissen heute, dass das Projekt einer Gesamt- schule, die versucht, das dreigliedrige Schulsystem in sich erneut abzubilden ohne die Dreigliedrigkeit wirklich zu überwinden und zu einer neuen Form der Schule und des Un- terrichts insgesamt zu kommen – das dieses Projekt halbherzig war und in der Umset- zung zu erheblichen Problemen geführt hat.
Wenn wir also heute über eine neue Schule reden, dann sollten wir die alten Schützen- gräben verlassen und kreativ über die Schule der Zukunft reden.
Wir alle wollen eine Schule, die Kinder optimal fördert und fordert, die Kinder individuell unterschiedlich behandelt – also genau keine Einheitsschule. Deswegen läuft die altba- ckene Kampagne der Opposition ins Leere.
Es geht aber um mehr. Wir brauchen vor allem selbständige Schulen, denn PISA II hat noch mal mit großer Klarheit bestätigt: Das deutsche Schulsystem ist bürokratisch und überreguliert. Gerade Reformen in Inhalt und Pädagogik können nicht von oben verord- net werden, sondern sie müssen von unten, von den Schulen selbst, durch kreativen Wettbewerb ausgelöst werden.
Wir erleben zur Zeit anhand des Ganztagsschulinvestitionsprogramms der Bundesregie- rung, welche Dynamik ausgelöst werden kann. Hunderten von Schulen in Schleswig- Holstein haben sich mit Konzepten beworben, an Dutzenden von Schulen sind Mensen und Aufenthaltsräume für Mittagessen und Ganztagsbetreuung in Planung.
Kommunen beginnen zu begreifen, welche Chancen in der Öffnung der Schule liegen. In Timmendorf legt die Gemeinde drei Schulen zusammen und legt das Jugendzentrum und die Gemeindebibliothek in die Schule. Die Schule wird so zum ganztätig geöffneten Jugend-, Kultur- und Bildungszentrum der Gemeinde.
In Fehmarn schlägt ein konservativer Bürgermeister vor, die finnische Gemeinschafts- schule einzuführen. Warum? Nun – Fehmarn hat Probleme die Oberstufe zu halten. Der Bürgermeister denkt nun ganz praktisch. Bisher hat Fehmarn nur 25 Prozent der Schüle- rInnen in der Oberstufe, Finnland aber 50 Prozent. Wenn wir in Fehmarn auch 50 Pro- zent der SchülerInnen in die Oberstufe bekommen, dann können wir auf der Insel die ei- gene Oberstufe behalten.
Das auf diese Weise die Begabungsreserven von zahlreichen Kindern optimal gefördert werden, fällt dann nebenbei ab.
Liebe KollegInnen, mein Schluss-Appell für heute lautet: Versenken wir die dummen Debatten und Kampag- nen der Vergangenheit. Arbeiten wir gemeinsam mit Land und Kommunen an der Zu- kunft der Schule – im Interesse unserer Wirtschaft, im Interesse unserer Demokratie und vor allem: Im Interesse unserer Kinder.
Schaffen 1, 2, 3 viele Fehmarns!
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