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28.01.05 , 15:46 Uhr
Landtag

Arens: Das Probstei-Museum in Schönberg – ein besonders gelungenes Beispiel eines regionalen Museums

17/2005 Kiel, 28. Januar 2005 S p e r r f r i s t : Redebeginn Es gilt das gesprochene Wort!


Arens: Das Probstei-Museum in Schönberg – ein besonders gelungenes Beispiel eines regionalen Museums
Kiel (SHL) – In seiner Rede zur Eröffnung der Erweiterung des Probstei- Museums am 30. Januar 2005, 11:15 Uhr in Schönberg sagte Landtagspräsi- dent Heinz-Werner Arens unter anderem:
„Welchen Sinn haben Museen? Sind sie etwa ‚ Abstellkammern der Geschichte?’ So wurden sie einmal von Egon Johannes Greipl bezeichnet, und er wusste durch- aus, wovon er redete, denn er war immerhin Leiter der Bayerischen Landesstelle für nichtstaatliche Museen. Oder sind sie vielmehr ‚Erinnerungsspeicher, die ausge- wählte Gegenstände als Zeugnisse bewahren und unseren Mitmenschen und Nachkommen vermitteln?’ So der Direktor der Londoner Nationalgalerie, Charles Saumarez Smith. Zwischen diesen beiden Begriffen liegt die ganze Bandbreite des- sen, was Museen darstellen und was wir als interessierte Bürger erwarten und auch erwarten dürfen. Schon in der Antike gab es Schatzhäuser, in denen Weihege- schenke wie wertvolle Kunstwerke und seltene Gegenstände aufbewahrt wurden. Aber bei weitem nicht jeder durfte einen Blick darauf werfen, und wenn einmal Füh- rungen stattfanden, dann hatten sie eher sakralen Charakter und dementsprechen- den Charme. Es waren die Hellenen, die die Kultstätte mit der Lehrstätte verschmolzen und Ob- jekte unter dem Aspekt der historisch bildenden Erziehung sammelten. Ein sehr moderner Ansatz, denn der Bildungsauftrag spielt noch heute bei den Museen eine große Rolle; sie vermitteln Kultur. Das Mittelalter – die Zeit der kirchlichen und klösterlichen Schatzkammern mit ihren wertvollen sakralen Objekten – brachte eine sehr wichtige Komponente in die Mu- seumskultur ein: das Ritual des Anfassens. Die Gläubigen durften bei den soge- nannten Heilstumzeigungen die sakralen Objekte berühren und erhofften sich da- durch Schutz und Rettung. Heute gibt es kein Museum, das es sich leisten könnte, den emotionalen Erlebnisfaktor und die haptische Komponente – also das Anfas- sen – auszuklammern. Schon seit jeher in der Geschichte der Menschheit hatte das Sammeln und das Zei- gen gesammelter Gegenstände große Bedeutung. Es scheint in der Natur des Men- 2


schen zu liegen, sich Museen einzurichten. Der große Aufschwung der Museen, wie wir sie heute kennen, begann im 19. Jahrhundert. Damals wurden erstmals auch Regionalmuseen gegründet, die die ländliche Kultur bewahren sollten. Der mittlerweile etwas verstaubte Begriff ‚Heimatmuseum’ blühte um 1900 auf und wurde später – wie so vieles – von den Nationalsozialisten vereinnahmt. Aber er- staunlicherweise blieb das Konzept in sich stabil und hat diese Zeit unbeschadet überdauert. So kann man sicher sagen, dass die regionalen Museen eine unersetz- bare Funktion erfüllen: Hier in Schönberg steht ein besonders gelungenes Beispiel eines regionalen Muse- ums – das Probstei-Museum. Allein das Gebäude aus der Mitte des 16. Jahrhun- derts ist sehens- und erlebenswert, denn es ist ein wunderbares Zeugnis für einen Probsteier Bauernhof, in dem Mensch und Tier unter einem Dach zusammenlebten. Ich gratuliere Ihnen, dass die fachgerechte Restaurierung so gut gelungen ist. Sie hatten zudem das Glück, mit Robert Lesky, der leider verstorben ist, einen Sammler zu gewinnen, der sehr fleißig alles in der Probstei zusammentrug, was andere wegwerfen wollten. Seine Sammlung landwirtschaftlicher Utensilien hat den Grundstock gelegt. Ein gutes Museum braucht kompetente Leitung und Betreuung, und es braucht engagierte, begeisterte Mitstreiter. Herausgehoben werden muss hier Frau Hanna Kempfert als Vorsitzende, die mit sehr viel Engagement bei der Sache ist und die sich leidenschaftlich für die Erweiterung des Museums stark ge- macht hat. Personell und inhaltlich ist hier vor Ort also alles bestens aufgestellt, wie mir berich- tet wurde und wie ich es auch schon selbst erfahren habe. Zahlreiche Sonderaus- stellungen und Veranstaltungen haben die Vergangenheit lebendig werden lassen und die Probstei als wahrhaft geschichtsträchtige Region erlebbar gemacht. ‚Wer die Probsteier verstehen will, muss ihre Vergangenheit kennen’, heißt es. Hier im Probstei-Museum kann man auf Schritt und Tritt Vergangenheit spüren verste- hen. Dass die Sammlung einerseits gewachsen ist, andererseits aber auch Unterbrin- gungsprobleme durch die kaum beheizbaren historischen Gemäuer entstanden sind, hat eine Museumserweiterung erforderlich gemacht. Ich freue mich, heute hier gemeinsam mit Ihnen die gelungene Erweiterung zu feiern. Und genauso freue ich mich, dass mit Heinrich Blunck hier im Probstei-Museum ein Künstler zu Gast ist, dem es wie keinem anderen gelungen ist, den Zauber der Probstei in stimmungsvollen Grafiken einzufangen. Auf seine Weise hat er dazu beigetragen, einmalige Zeugnisse aus der Vergangenheit der Probstei zu sammeln. Deshalb passen seine Werke – die noch dazu in historischer Technik entstanden sind – so hervorragend an diesen Ort. Und so wünsche ich Ihnen, dass Ihr Probstei-Museum weiterhin in bestem Sin- ne Erinnerungen speichert und auch künftigen Generationen sowie allen Gäs- ten der Probstei anregende, unterhaltsame, lehrreiche und auf jeden Fall spannende Erfahrungen und Erlebnisse bietet.“

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