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Die Bonn-Kopenhagener Erklärungen schufen die Grundlage für die gleichberechtigte Anerkennung der Minderheiten
46/2005 Kiel, 3. Mai 2005 S p e r r f r i s t : 3. Mai 2005, Redebeginn: 19:00 Uhr Es gilt das gesprochene Wort!„Die Bonn-Kopenhagener Erklärungen schufen die Grundlage für die gleichberechtigte Anerkennung der Minderheiten“Kiel (SHL) – In seiner Rede anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Vom Gegeneinander zum Miteinander - die Geschichte der Bonn-Kopenhagener Erklärungen“ am 3. Mai im Kieler Landeshaus erklärte Landtagspräsident Martin Kayenburg unter anderem:Vor 50 Jahren unterzeichneten der dänische Staats- und Außenminister H.C. Hansen und Bundeskanzler Konrad Adenauer zwei einseitige Regierungser- klärungen. Die Erklärungen garantierten die Rechte der jeweils anderen Min- derheit im eigenen Land und gingen als Bonn-Kopenhagener Erklärungen in die Geschichte ein. Diese politisch einzigartigen Dokumente wurden durch das dänische Folketing, den Deutschen Bundestag und den Kieler Landtag gebilligt und auf diese Weise demokratisch legitimiert.Sie verankern das Prinzip der Bekenntnisfreiheit und schaffen die Grundlage für die gleichberechtigte Anerkennung der Minderheiten durch die Mehrhei- ten. Der uneingeschränkte Gebrauch der Muttersprache, die Förderung des Schul-, Kultur- und Vereinswesens und das Examensrecht für Minderheiten- schulen gehören ebenso dazu wie die politische Vertretung der Minderheiten. Das Faltblatt zur Ausstellung charakterisiert die Bonn-Kopenhagener Erklä- rungen als „den würdigen Abschluss für einen mehr als 100 Jahre langen Streit zwischen Deutschland und Dänemark. Das Gegeneinander wurde zu- nächst ein Nebeneinander und ist heute ein Miteinander geworden.“Das Ziel schien wirklich erreicht. Aber dann kam die Landtagswahl 2005. Das Ergebnis machte eine Regierungsbildung schwierig. In der Folge gab es un- verantwortliche Diskussionen um die Vollwertigkeit des Mandats der Abge- 2ordneten des SSW. Die belasteten nicht nur die Arbeit im Landtag - was viel schlimmer ist - sie führten vor allem zu Irritationen bei den jeweiligen Minder- heiten im dänisch-deutschen Grenzland. Selbstverständlich haben die Abge- ordneten des SSW, die Vertreter der Minderheit, ein uneingeschränkt voll- wertiges Mandat. Diese Anerkennung und Bestätigung ist unverzichtbare Grundlage für das Miteinander. Die Diskussion macht uns aber unüberhörbar klar: es ist unsere vornehmste Aufgabe, das Erreichte zu pflegen und abzu- sichern - und dazu kann und wird auch die Ausstellung hier im Landeshaus beitragen.Minderheitenpolitik ist in gleichem Maße emotional wie rational geprägt. Es geht um menschliche Schicksale, es geht um Identität und es geht um die Heimat von Menschen. Die Ausstellung geht gezielt und gekonnt auf diese Dimensionen ein. Sie spricht den Betrachter auf der emotionalen Ebene an. Sie versetzt uns in die Zeit unserer Eltern, Großeltern und Urgroßeltern. Wir erkennen und empfinden Geschichte plötzlich aus subjektivem Erleben her- aus, so wie sie von einer Vielzahl an Einzelschicksalen geschrieben wurde.Die Loyalität der Minderheiten hat im Zuge der historischen Aussöhnung eine herausragende Rolle gespielt. Dank der Loyalitätserklärungen der dänischen und der deutschen Minderheiten sind die Konflikte der Vergangenheit über- wunden - aber nicht allein wegen der Erklärungen, sondern weil die jeweili- gen Minderheiten diese Erklärungen auch gelebt und mit Inhalt gefüllt haben und uns dies heute noch vorleben. Dies verpflichtet aber genauso die jeweili- gen Mehrheiten zu gleichen Bemühungen sowie zu gleicher Toleranz und Solidarität. Und in diesem beidseitigen loyalen Handeln sowie der darin sichtbaren gegenseitigen Anerkennung und Wertschätzung sehe ich die Grundlage des Miteinander.Ohne die Bonn-Kopenhagener Erklärungen wäre diese Entwicklung nicht möglich gewesen: Heute sind die Minderheiten gesellschaftlich integriert, sie sind gleichberechtigte Staatsbürger, die ihre eigene Kultur und Identität sehr bewusst pflegen und bewahren. Und das nicht nur mit Toleranz, ja sogar mit Willen der Mehrheit, die in den Minderheiten einen wichtigen Baustein der kulturellen Vielfalt erkennt.Als unverzichtbarer Teil unserer Gesellschaft gestalten die Minderheiten selbstbewusst politische, wirtschaftliche und kulturelle Prozesse aktiv mit. Mehr noch: Sie sind auch Mittler in kulturellen wie in politischen Fragen, Brückenbauer im besten Sinne. Sie schärfen den Blick für unsere eigene Kul- tur und für die unserer Nachbarn; sie sind Kommunikatoren und manchmal auch ein notwendig kritisches Korrektiv.Diese Bereicherung nehmen wir dankbar als Herausforderung an, unserer- seits sensibel und aufgeschlossen zu sein für die besondere Situation von Minderheiten, für ihre Sorgen und für ihre Wünsche. Die für Europa vorbildli- che Minderheitenpolitik im deutsch-dänischen Grenzland ist und bleibt uns allen ein besonderes Anliegen!