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Verfassungsschutzbericht: Rechte Gedanken sind in der Mitte der Gesellschaft
PresseinformationKiel, den 26.05.2005 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 30 Verfassungsschutzbericht Drs. 16/64Zunächst möchte ich den Mitarbeitern des Innenministeriums für die Erarbeitung desausführlichen Verfassungsschutzberichtes danken.Dann möchte ich meine Zufriedenheit darüber Ausdruck geben, dass die NPD nachSchleswig-Holstein auch in Nordrhein-Westfalen am Einzug in den Landtag gescheitert ist. Dass sich die rechte Szene reichlich um eine parlamentarische Vertretung bemühtund sogar eine „rechte Volksfront“ angestrebt, lässt sich aus dem Bericht entnehmen. Trotz der deutlichen Abfuhr durch den mündigen Wähler dürfen wir die Aktivitäten derrechtsextremistischen Organisationen nicht aus dem Auge verlieren.Es ist eine permanente Aufgabe der demokratischen Parteien und aller Demokraten, extremistischem Gedankengut die Stirn zu bieten und somit keine Hoheitsrechte überden Stammtischen preis zu geben. Rechtes Denken hat die Mitte der Gesellschaft er- reicht und ist keine bloße Angelegenheit pöbelnder Skinheads. 2Mit Sorge beobachte ich, dass auf der Bundesbühne die rechtsextremistischen Aktivitä-ten für tagespolitische Auseinandersetzungen - wie die Auswirkungen von Hartz IV -instrumentalisiert werden. Dieses greift ganz klar zu kurz. Es sind nicht singuläre Fehl-entscheidungen in der Politik – so sie denn welche sind – die den Rechten Auftrieb geben.Es sind tiefer liegende Prozesse in unserer Gesellschaft, die vor allem junge Menschenentwurzeln und verunsichern und sie damit für die Rattenfänger-Argumente empfäng-lich machen.Hier liegt meines Erachtens die wahre Herausforderung für uns Demokraten. Ein breiterund damit parteiübergreifender Diskurs über die Elemente in einer Gesellschaft, die beiallen legitimen Interessengegensätzen den Zusammenhalt sichern, ist von Nöten.Das ist leicht gesagt. Ich weiß sehr wohl, dass man rechte, menschenverachtende Ideo-logien nicht mit Lichterketten vertreiben kann. Wir müssen uns dazu anhalten, dendirekten Dialog mit Jugendlichen, Arbeitslosen, Ausländern also Randgruppen der Ge-sellschaft zu suchen. Dieses kann nur eine Wirkung haben, wenn ein solcher Dialog nichtvon oben herab belehrend erfolgt. Augenhöhe und gegenseitiger Respekt sind unerläss-lich. Persönliche Integrität und Glaubwürdigkeit überzeugen immer noch am besten vonden demokratischen Grundwerten.Doch wo machen wir das für diese Gruppen erlebbar? Parteien und parteinahe Stiftun-gen haben hier eine Pflicht, die nur zu häufig durch das hektische Alltagsgeschäft in deneigenen Reihen verdrängt wird.Der Bildungspolitik kommt natürlich eine wichtige Bedeutung zu. Die „social skills“ undgeeignete Angebote, die Sozialbenachteiligten und Kindern von Ausländern eine realeChance zu geben, müssen gleichberechtigt neben der Stoffvermittlung Bestanteil einerdemokratischen Bildungspolitik sein. Dass Integration und Wissensvermittlung keinekonkurrierenden Ziele sind, sei hier nur beiläufig erwähnt. 3Der Tendenzen zum Fundamentalismus bei den hier lebenden Ausländern islamischenGlaubens kann ebenfalls nur mit einer zielgerichteten Integrationspolitik begegnetwerden. Wir müssen daher verlangen, dass sich die Ausländer bemühen, die deutscheSprache zu lernen und dass sie die Regeln des öffentlichen Zusammenlebens respektie-ren. Dieses ist die Grundlage dafür, in unserer Gesellschaft integriert zu sein. Wir müssenjedoch auch aktiv Rahmen schaffen, dass sie mit ihrer Kultur ungehindert als Privatmen-schen in unserer Mitte leben können. Einen Assimilationszwang sollte es nicht geben,weil dieses zu ungewünschten Gegenreaktionen führen könnte und weil Religionsfrei-heit und Toleranz Grundwerte sind, die wir praktisch leben müssen. Sie lassen sich nichtverordnen.