Diese Webseite verwendet ausschließlich für die Funktionen der Website zwingend erforderliche Cookies.
Anke Spoorendonk zur vorgezogenen Schuleingangsuntersuchung
Presseinformation Kiel, den 15.06.2005 Es gilt das gesprochene WortAnke Spoorendonk TOP 17 Vorgezogene Schuleingangsuntersuchung Drs. 16/124Im September letzten Jahres ging es durch die Presse: die Hansestadt Lübeck verzichtet auf die obligatorische Schuleingangsuntersuchung durch Kreis-Ärzte. Stattdessen sollen die Hausärzte der Kinder bei der U9-Untersuchung gleich noch die Schultauglichkeit bewerten. Wenn das im wahrsten Sinne des Wortes Schule macht, sind wir von den Forderungen des Antrags der grünen Kollegen meilenweit entfernt; denn dann müssen wir uns bemühen, die derzeitigen Standards zu halten. Von einer Verbesserung kann dann keine Rede mehr sein.Ein anderes Beispiel: Die Zusammenarbeit zwischen Dansk Skoleforening und dem Dänischen Gesundheitsdienst ist so, dass Kinder kontinuierlich beobachtet und betreut werden. Es gibt daher kaum Kinder, die eine Extrarunde drehen müssen, weil sie entweder sozial, gesundheitlich oder von ihren Sprachfähigkeiten in der Lage wären, den Anforderung der Schule Stand zu halten. - Das ist in den öffentlichen Schulen ganz anders. Fast jeder siebte Junge und jedes vierzehnte Mädchen erreichen im schulpflichtigen Alter nicht die Mindeststandards. Ihren Eltern wird nach der Schuleingangsuntersuchung empfohlen, ihr Kind noch ein Jahr zurückzustellen. Tatsächlich wurden 2003 5,3% der Kinder zurückgestellt. 2Woran liegt das? Kinder durchlaufen in den ersten Lebensjahren eine ungeheure Entwicklung: sie lernen sich ausdrücken und sozial einzuordnen. Die Eltern können in diesem Prozess von erfahrenen Pädagogen unterstützt werden. Ich möchte nur ein Beispiel nennen: wird eine Hörstörung frühzeitig bei einem Kind erkannt und behoben, besteht gar keine Gefahr der Entwicklungsverzögerung. Wenn aber erst der Amtsarzt im sechsten Lebensjahr diagnostiziert, dass der kommende ABC-Schütze nur deshalb so in sich gekehrt ist, weil er einfach den Gesprächen nicht folgen kann, dann ist eine Chance vertan, eine Lebenschance!Ich will damit nicht den Kinderärzten unterstellen, dass sie solche Störungen bei den Reihenuntersuchungen nicht entdecken, aber es gibt genug Kinder, die nicht an den regelmäßigen Untersuchungen teilnehmen. Bei Kindern, die darüber hinaus keinen Kindergarten besuchen, fallen die Eltern dann aus allen Wolken. 8,2 % aller Kinder besuchten laut der letzten Erhebung keinen Kindergarten, bevor sie zur Schule kamen. Würde man ein kostenloses Pflichtkindergartenjahr einführen, würden wir diese Quote noch weiter drücken können und damit die Möglichkeit der Früherkennung sozialer und gesundheitlicher Probleme.Übrigens liegt die Hansestadt Lübeck, die die separate Schuleingangsuntersuchung spart, einsam an der Spitze. 14,2 % der untersuchten Kinder bei der Schuleingangs- untersuchung hatte gar keinen Kindergarten besucht.Der SSW unterstützt alle Bemühungen, die zur Chancengleichheit beitragen. Aber die verpflichtende Schuleingangsuntersuchung bereits im fünften Lebensjahr kann eben nur ein kleiner Baustein sein. Eine nachhaltige frühkindliche Förderung ist ohne professionelle Ausbildung, kleinen Gruppengrößen und individuellen Fördermöglich- keiten nicht möglich.