Diese Webseite verwendet ausschließlich für die Funktionen der Website zwingend erforderliche Cookies.
China Herausforderung und Chance zugleich für die Schleswig-Holsteinische Wirtschaft
126/2005 Kiel, 14. September 2005China – Herausforderung und Chance zugleich für die Schleswig- Holsteinische WirtschaftKiel (SHL) – Landespolitiker aus China zurückgekehrt – Landtagspräsident Martin Kayenburg zieht eine erste Bilanz:„Die Partnerschaft des Landes mit der Provinz Zhejiang ist ein Glücksfall für Schles- wig-Holstein. Schon jetzt ist der Asienhandel für Schleswig-Holsteins Wirtschaft be- deutender als der Ostseehandel“, betont Kayenburg.„China sichert und schafft Arbeitsplätze in Schleswig-Holstein. Es gilt, das China- geschäft noch mehr zu bündeln und chinesische Investitionen verstärkt nach Schles- wig-Holstein zu holen. Eine Zusammenarbeit mit Hamburg, das eine Partnerschaft mit Shanghai eingegangen ist, könnte weiteren Schwung in das boomende Geschäft brin- gen – eine Herausforderung für die Landespolitik.“ So lautet das erste Resümee von Landtagspräsident Martin Kayenburg nach Rückkehr von einer Chinareise mit acht Abgeordneten aller Fraktionen.Erste Ergebnisse der Informationsreise sind bereits sichtbar: Der weitere Ausbau der Windenergie ist vorgesehen, verstärkte Kooperationen in den Bereichen der Abwas- sertechnik und der medizinischen Versorgung sind angepeilt. Konkret wurde ein Pro- jekt über die Zusammenarbeit mit den Universitätskliniken bei Nierentransplantationen angesprochen, das zurzeit stagniert. Der Vorsitzende des Volkskongresses und Par- teisekretär der Provinz Zhejiang, Xi Jinping zeigte großes Interesse an einer Koopera- tion im Werftenbereich und erwähnte dabei insbesondere Doppelhüllentanker. Einen Einstieg könnte es auch zum Beispiel bei der Zulieferung von Schiffsausrüstungen geben. Darüber hinaus gibt es aus Hangzhou konkrete Anfragen zur Abwasserreini- gung einer Papierfabrik und von Textilfabriken sowie zur Abfallbehandlung.Besondere Aufmerksamkeit muss nach Einschätzung des Landtagspräsidenten dem verstärkten Interesse chinesischer Firmen gewidmet werden, in Schleswig-Holstein zu investieren. „Informationen über die Rahmenbedingungen für den Markteintritt und Abbau bürokratischer Hürden – unter anderem bei der Erteilung von Visa – sind ein Wunsch der chinesischen Seite“, so Kayenburg. „Das China-Büro in Neumünster, in dem sich zurzeit sieben Firmen zusammengeschlossen haben, könnte auch für ande- re Regionen als Vorbild dienen.“ 2Kayenburg sprach auch Entwicklungsmöglichkeiten im Tourismusbereich zwischen Zhejiang und Schleswig-Holstein an. Allein aus der chinesischen Partnerprovinz un- ternehmen jährlich etwa 100.000 Touristen Reisen nach Europa. Der Landtagspräsi- dent möchte das Interesse der Tourismusverbände im Lande wecken und befürwortet hierzu eine Zusammenarbeit zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein. So wäre beispielsweise ein Reisepaket Hamburg/Lübeck ein attraktives Angebot.Darüber hinaus wurde verabredet, den Austausch von Studenten und Wissenschaft- lern besser zu fördern. Stärkere Aktivitäten in der interkulturellen Kommunikation könnten diesen Austausch erleichtern. Landtagspräsident Kayenburg und der Leiter des Instituts für Deutschlandstudien an der Universität Hangzhou, Prof. Fan, werden hierzu einen konkreten Vorschlag machen, der sich zum Beispiel auf ein Studiense- mester im Fach Tourismus für Studenten an der Fachhochschule Heide beziehen könnte. Die Universität Hangzhou ist mit über 68.000 Studenten die größte Universität in China und gehört fachlich zu den Top-Five-Universitäten des Landes. Kayenburg ist überzeugt: „Nur wer ein Land kennt, kann es auch vermarkten.“„Die Gespräche mit Politkern, Wirtschafts- und Kammernvertretern auf allen Ebenen und die großzügige Gastfreundschaft“, so das Fazit des Landtagspräsidenten, „zeigen den hohen Stellenwert, den die Provinz Zhejiang unserer Partnerschaft gibt.“ Der Wunsch der chinesischen Seite, den Landtag stärker als bisher in die Beziehungen einzubinden, will der Landtagspräsident mit eigenen Initiativen unterstützen und mit allen Beteiligten im Lande stärker als bisher abstimmen. „Im kommenden Jahr werden das 20-jährige Bestehen der Partnerschaft und das 10-jährige Bestehen des WTSH- Wirtschaftsbüros begangen, bei dem Gelegenheit sein wird, die Partnerschaft zu ver- tiefen und weitere Projekte zu diskutieren“, stellt Kayenburg abschließend fest.Hintergrund:Auf Einladung der Regierung in Peking und der Partnerprovinz Schleswig-Holsteins, Zhejiang, bereisten die Landespolitiker eine Woche lang das Reich der Mitte. Stationen waren Peking, Hangzhou, Ningbo und Shanghai. Dabei standen eine Vielzahl von Fir- menbesuchen, Gesprächen mit Politikern auf der Staats- und Provinzebene sowie mit Wirtschafts- und Kammernvertretungen auf dem Programm. Das Hauptinteresse galt den schleswig-holsteinischen Firmen und dem Büro der Wirtschaftsförderung und Technolo- gietransfer Schleswig-Holstein GmbH (WTSH) in Hangzhou, das seit fast zehn Jahren in der Hauptstadt der Partnerprovinz mit großem Erfolg arbeitet und den Unternehmen des Landes ein äußerst effizientes Bündel von Unterstützungsmaßnahmen beim Markteintritt anbietet.Trotz schwacher Weltwirtschaft beträgt das Wirtschaftswachstum in China deutlich über 7 % jährlich. Als größter Empfänger von Direktinvestitionen ist das Land Weltmeister im Export. Die Partnerprovinz Zhejiang kann sogar auf ein kontinuierliches Wachstum von 13 % jährlich zurückblicken. Wichtig ist für ein Engagement in China die politische und rechtliche Absicherung der wirtschaftlichen Aktivitäten – ein Thema, zu dem unter ande- rem eine wichtige Diskussion mit dem Vizevorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses des Nationalen Volkskongresses in Peking, Herrn Wang, geführt wurde. Auch der Vorsit- zende des Volkskongresses und Parteisekretär der Provinz Zhejiang, Xi Jinping, hat dies besonders hervorgehoben und ein sehr offenes Gespräch mit der Delegation über die Perspektiven der Beziehungen und über ganz konkrete Projekte geführt.