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Wilfried Wengler zu TOP 34: Kultur in der Spitze und in der Breite gleichrangig fördern
Nr. 227/05 28. September 2005 IM SCHLESWIG-HOLSTEINISCHEN LANDTAG PRESSEMITTEILUNG Pressesprecher Dirk Hundertmark Landeshaus, 24105 Kiel Telefon 0431-988-1440 Telefax 0431-988-1444 E-mail: info@cdu.ltsh.de Internet: http://www.cdu.ltsh.deBildungspolitik Wilfried Wengler zu TOP 34: Kultur in der Spitze und in der Breite gleichrangig fördernZunächst möchte ich dem Ministerpräsidenten und der Staatskanzlei für die vorlie- gende Ausarbeitung danken. Sie zeigt unzweifelhaft, dass die "Chefsache" Kultur für Sie, Herr Ministerpräsident, einen hohen Stellenwert besitzt.Lassen Sie mich vorweg ein kleines Fazit aus diesem Bericht ziehen: Die Zeiten des staatlichen Füllhorns, das über den Musentempeln dieses Landes ausgeschüttet werden konnte, gehören der Vergangenheit an. Es ist längst keine Frage mehr des „wie oder wieviel“ sondern des „ob“. Daher ist es umso mehr zu begrüßen, dass sich dieser Bericht darauf konzentriert, Wege zu finden, die notwendige Trägerschaft der Kultur sowohl in der Spitze als auch in der Breite auf verschiedene Schultern zu ver- teilen.Wir alle müssen uns auch im Bereich der Kultur daran gewöhnen, dass der Staat eben nicht mehr in der Lage ist, alles zum Besten zu regeln. Jeder von uns muss auch hier lernen, in seinem Umfeld dafür Verantwortung zu übernehmen. Dieses gilt ebenso für die kulturellen Institutionen, die gefordert sind, ihr kreatives Denken auch dafür zu nutzen, die wirtschaftliche Führung ihrer Einrichtung zu gewährleisten. Es gilt, sich darüber Gedanken zu machen, wie die Attraktivität einer Institution für weite- re Kunden- / Besucherpotentiale zu steigern ist. Das soll nicht heißen, jeder populä- ren Zeitströmung bedingungslos nachzugeben und die Qualität zu opfern. Aber es kann z.B. für ein Theater bedeuten, ein profitables "seichtes" Stück zu spielen, um damit einen Klassiker zu finanzieren und der Nachfrage zu entsprechen.Partnerschaft von Staat und Privatwirtschaft wird in der Zukunft zunehmend an Be- deutung gewinnen müssen, wenn wir die Vielfältigkeit der Kulturlandschaft in Schleswig-Holstein erhalten und weiter entwickeln wollen. Privates Mäzenatentum existiert schon seit langem, aber es gilt auch, sich ständig darum zu bemühen. Als jüngstes Beispiel sei hier stellvertretend nur der Erwerb eines Werkes von Christian Rohlfs durch den Stifterkreis anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Kieler Kunsthalle genannt.Privates finanzielles Engagement aber kann nur zusätzlich zur staatlichen Förderung erfolgen. Daher begrüßen wir es ausdrücklich, dass dieser Bericht die Zusage der Regierung enthält, dass Drittmittel die staatlichen Zuwendungen ergänzen, aber nicht ersetzen werden.Einen weiteren Ansatz bietet die Verbindung zwischen Kultur und Tourismus. Besu- chern unseres schönen Landes müssen wir neben Natur und Stränden auch eine Vielzahl von kulturellen Attraktionen bieten, wenn wir die Touristen längerfristig bin- den wollen. Anlässlich eines Besuches auf Helgoland habe ich auch das kleine Hei- matmuseum kennengelernt. Dieses Museum hat in diesem Jahr einen immensen Besucheranstieg zu verzeichnen – nicht nur wegen des durchschnittlichen Sommer- wetters, sondern auch weil man sich bemüht, Heimatgeschichte lebendig darzustel- len und den Fundus für ständig neue Variationen zu nutzen. Zurzeit bemüht man sich, einen ererbten Schatz im wahrsten Sinne des Wortes zu entwickeln. Es handelt sich um rund 1.000 bisher unveröffentlichte Platten des über die Grenzen unseres Landes bekannten Hofphotographen Franz Schensky, die dieser seit Beginn des vergangenen Jahrhunderts auf und um Helgoland aufgenommen hat. Eines dieser Bilder hat bei einer Auktion den stolzen Betrag von 15.000 Euro erbracht. Man denkt darüber nach, einzelne Aufnahmen in limitierter Auflage zu verkaufen, um den Etat des Hauses aufzustocken. Auch das ist ein kleines Beispiel dafür, kreativ die eigene Wirtschaftskraft zu stärken!Besonders zu begrüßen ist die im Bericht aufgeführte "Initiative Kinder- und Jugend- kultur". In unserer schnelllebigen Zeit ist es von besonderer Bedeutung, die junge Generation an unser kulturelles Erbe heranzuführen und damit die Bemühungen von Elternhaus und Schule zu unterstützen und zu befördern. Schließlich ist auch das ein wesentlicher Bestandteil der Wertevermittlung. Internetauftritt, Kinder- und Jugend- kulturpreis, Zusammenarbeit von Schulen und Institutionen des kulturellen Lebens sowie Schulen mit besonderem kulturellem Profil sind Schritte, die in die richtige Richtung weisen und die es zu entwickeln gilt. Die Schaffung eines freiwilligen sozia- len Jahres Kultur kann neben der Attraktion für den Ausübenden auch eine willkom- mene Unterstützung für das jeweilige Institut bedeuten.Dass Art und Weise der kulturellen Förderung ebenfalls auf den Prüfstand gehören, versteht sich angesichts unserer Haushaltslage von selbst. Aber es ist gerade in die- sem Bereich von großer Bedeutung, die erforderlichen Prüfkriterien mit sehr viel Fin- gerspitzengefühl zu entwickeln. Es gilt, gleichrangig die Kultur in ihrer Spitze und in ihrer Breite zu fördern. Nicht nur Künstlerinnen und Künstler sollen sich in Schleswig- Holstein wohlfühlen, sondern auch die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes müssen an die Resultate ihrer Arbeit, die künstlerischen oder kulturhistorischen Wer- ke, herangeführt werden, um sich mit ihnen identifizieren zu können.Abschließend kann festgestellt werden, dass dieser Bericht ein interessantes und ausgewogenes Konzept umreißt, das es gilt, in der vor uns liegenden Zeit umzuset- zen, mit Leben zu erfüllen und zu vervollkommnen. Meine Damen und Herren, wir alle sind gefordert, unseren Beitrag dazu zu leisten, damit dieses Konzept zum Er- folg führt - für unser Land und für die Kultur in unserem Land!Ich danke Ihnen!