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Erinnerungen an den 9. November
155/2005 Kiel, 9. November 2005 Es gilt das gesprochene Wort!Erinnerungen an den 9. NovemberKiel (SHL) – In seiner Rede zu Beginn der Plenartagung am 9. Novem- ber 2005 erinnerte Landtagspräsident Martin Kayenburg daran, was die- ser spezifisch deutsche Tag für uns heute bedeutet. Der vollständige Redetext ist unter www.sh-landtag.de im Internet abrufbar.„Wie kein anderer Tag verdichtet der 9. November die vergangenen Jahrzehn- te unserer Geschichte mit ihren Höhen, aber auch in ihren Tiefen.Wir alle erinnern uns an den 9. November 1989. Es war der Tag der Freude aller Deutschen. Wir erinnern uns an die Bilder fremder und doch so vertraut wirkender Menschen, Deutsche aus Ost und West, die sich herzlich in die Ar- me fielen. Ich denke, jeder von uns weiß noch ganz genau, wo er an jenem Abend war, was er gerade tat, als die Grenze sich öffnete.Es gibt aber auch den 9. November des Jahres 1938, als die Nationalsozialis- ten, ihre Unterstützer und Mitläufer in der von ihnen zynisch so bezeichneten ‚Reichskristallnacht’ die jüdischen Bürger unseres Landes quälten und demü- tigten. Es sind andere Bilder überliefert, die nur die Älteren im Lande noch in eigener Erinnerung haben. Dieser 9. November war ein Tag der Unfreiheit, der Unterdrückung. Zerschlagen wurden die Errungenschaften von Jahrhunderten des Humanismus und der Aufklärung, und zerschlagen wurde die Ehre Deutschlands.Doch es gibt noch einen weiteren 9. November in der Geschichte unseres Vol- kes, den des Jahres 1918, als das morbide Kaiserreich endgültig zusammen- brach und in Berlin der Sozialdemokrat Philip Scheidemann die Republik aus- rief. Wir kennen Bilder dieser Zeit nur noch aus der Überlieferung. Vielen Men- schen fehlte die Orientierung. Die mühsam im Aufbau begriffene neue politi- sche Ordnung war ihnen fremd, parlamentarische Debatten und Diskussionen wurden als sinnloses Parteiengezänk wahrgenommen. 2Der 9. November mahnt uns, dass Freiheit und Demokratie keine Selbstver- ständlichkeiten sind. Sie müssen gelebt werden, um keinen Schaden zu neh- men. Wir alle müssen uns täglich darum bemühen, beständig daran arbeiten. Nur so haben Diktaturen, hat Unmenschlichkeit keine Chance. Nur wenn Bür- ger und Politiker zusammen wirken, entsteht ein wirkungsvoller Schutz vor ei- ner Beschädigung unserer Demokratie.Es ist ein Privileg, in einem Parlament wie dem unseren zu tagen, seine Mei- nung frei äußern zu können, mitgestalten zu dürfen. Wir leben in einer demo- kratischen Gesellschaft, die auf festen Werten beruht. Daran erinnert uns der 9. November – immer wieder.“