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Lars Harms zu TOP 19 - Keine Privatisierung des deutschen Autobahnnetzes
Presseinformation Kiel, den 09.11.2005 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 19 Keine Privatisierung des deutschen Autobahnnetzes Drs. 16/305Schon vor zwei Jahren hat der große Privatisierer und Liberalisierer Wolfgang Clement gefordert,die deutschen Autobahnen an private Investoren zu verkaufen, um Haushaltslöcher zu stopfen.Damals ging ein Sturm der Entrüstung durch das Land und natürlich wurde dieser Vorschlag weitund breit abgelehnt. Aber er diente seinerzeit ja eigentlich auch nur dazu, einmal auszuloten, wieweit man wohl gehen könne. Clement wusste genau, was er tat und auch Peer Steinbrück, alsneuer Finanzminister, weiß genau was er tut, wenn er den gleichen Vorschlag wieder vorbringt.Wieder soll ausgelotet werden, ob die Ablehnungsfront inzwischen etwas bröckelt. - Und siebröckelt. - Die Landesverkehrsminister waren uneinig und nur eine knappe Mehrheit, darunterVerkehrsminister Austermnann, wandte sich gegen eine Privatisierung der Autobahnen. Dasunterstützen wir voll und ganz. Aber warum kommt eigentlich immer wieder dieser unsinnigeVorschlag aus den Reihen der SPD? Wenn das so weiter geht, rennen die Menschen weiter scha-renweise zu den Sozialisten über. Eigentlich sollte sich die sozialdemokratische Seele bei solchenPrivatisierungen sträuben. 2Die staatliche Infrastruktur gehört in staatliche Hände. So wie wir mit Recht immer wieder indiesem Parlament gefordert haben, dass der Staat die Bahninfrastruktur betreiben sollte, um einendiskriminierungsfreien und gleichen Zugang für die Bahnunternehmen zu den Strecken zu ermög-lichen, so muss auch die Straßeninfrastruktur in staatlichen Händen bleiben. Es ist nichts dagegeneinzuwenden, wenn Tunnels oder Brücken bei Großprojekten von privaten Anbietern erstelltwerden und die Unternehmen das volle Risiko tragen. Aber wenn man Staatsgelder benutzt, umStrecken zu bauen, und dann auch über Jahre und Jahrzehnte die Unterhaltung der Strecken vomSteuerzahler finanzieren lässt, dann ist es nicht zu rechtfertigen, wenn diese Strecken dann anPrivate verkauft werden und die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes mehrfach draufzahlen.Auch ein Vergleich mit Frankreich zeigt hier deutlich die Unterschiede. In Frankreich werden zwardie Autobahnen durch Privatunternehmen gebaut. Aber es gibt hierfür auch kein Staatsgeld. Dasheißt, die Unternehmen tragen das alleinige unternehmerische Risiko. Entsprechend dünn ist dasAutobahnnetz in Frankreich. Unser Autobahnnetz ist nur deshalb so gut ausgebaut, weil wir es alsstaatliches Autobahnnetz betreiben.Ein Verkauf der Autobahnen wäre eigentlich nur die Einführung einer PKW-Maut durch dieHintertür. Die Renditeerwartung dürfte sich dann bei den üblichen 15% bewegen und dann hießedas bei einem Verkaufspreis von 127 Milliarden, dass rund 20 Milliarden Euro jährlich eingespieltwerden müssten. Wenn man dann noch die Unterhaltungs- und Reparaturkosten mit einrechnet,würde die Summe noch viel höher liegen. Alles zu zahlen durch den deutschen Steuerbürger! Estrifft dann die, die regelmäßig zur Arbeit fahren müssen. Die, die oft weite Strecken fahrenmüssen. Und die, die sich nicht dagegen wehren können und auf die Autobahnen angewiesen sind.Die Autofahrer finanzieren über Steuern und Abgaben schon heute das gesamte Straßennetz undderen Unterhaltung. Was aber eigentlich noch viel schlimmer ist, ist die Tatsache, dass aufgrundder hohen Preise für Öl auch die Mineralölsteuereinnahmen gestiegen sind. Der Staat hat wesent-lich höhere Einnahmen aus dieser Steuer erhalten und trotzdem fällt dem sozialdemokratischenFührungspersonal nur ein, den einfachen Bürger noch extra zu schröpfen. Das ist Politik, die sichvom Bürger abwendet und die die Probleme der Menschen eben gerade nicht ernst nimmt. 3Nun hat aber auch Finanzminister Wiegard mitgeteilt, er sei für die Einführung einer Autobahn-vignette für PKWs. Damit ist das Durcheinander in der Landesregierung wieder einmal perfekt.Austermann sagt nein, Wiegard sagt ja, die Sozialdemokraten auf Bundesebene verkaufen amliebsten gleich alles und auf Landesebene scheint man noch darüber zu diskutieren. Was wir jetztbrauchen, ist eine deutliche Aussage, dass Privatisierungen keine Lösung sind und dass unserParlament klar „Nein!“ zu einer Privatisierung der Autobahnen und damit zur PKW-Maut sagt.Wenn man wirklich ehrlich an die Frage herantreten will, inwieweit sich Autofahrer auch inZukunft an den Kosten der Infrastruktur beteiligen sollen, dann muss der Weg ausschließlich überdie Mineralölsteuer gehen. Wer viel Benzin verbraucht und dadurch die Umwelt und die Infrastruk-tur stark belastet, muss auch viel zahlen. Gleichzeitig hat man aber die Chance, wenn man benzin-sparende Fahrzeuge kauft oder sogar mit alternativen Antriebssystemen ausgerüstete Autos fährt,jede Menge Steuern zu sparen. So hätte man einen Anreiz wirklich ökologisches und ökonomischesHandeln miteinander zu verbinden und man würde sich einen riesigen bürokratischen Aufwandersparen.Der Staat hat hier eine Verantwortung gegenüber seinen Bürgerinnen und Bürgern. Er muss dafürsorgen, dass eine Verkehrsinfrastruktur zur Verfügung gestellt wird, die sich an wirtschaftlichenKriterien genauso messen lässt wie an ökologischen Kriterien, und die soziale Belange nicht außerAcht lässt. Dies gewährleisten wir nur, wenn die Verkehrsinfrastruktur und damit die Autobahnenweiterhin in öffentlicher Hand bleiben.