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10.11.05 , 15:22 Uhr
CDU

Ursula Sassen zu TOP 25: Verantwortungsvolle Information statt Panikmache

Nr. 298/05 09. November 2005


IM SCHLESWIG-HOLSTEINISCHEN LANDTAG
PRESSEMITTEILUNG Pressesprecher Dirk Hundertmark Landeshaus, 24105 Kiel Telefon 0431-988-1440 Telefax 0431-988-1444 E-mail: info@cdu.ltsh.de Internet: http://www.cdu.ltsh.de
Es gilt das gesprochene Wort Sozialpolitik Ursula Sassen zu TOP 25: Verantwortungsvolle Information statt Panikmache Die FDP hat einen umfangreichen Fragenkatalog zu Vorsorgemaßnahmen und ge- sundheitspolitischen Aktivitäten der Landesregierung gegen die Vogelgrippe in Schleswig-Holstein für die heutige Tagung vorgelegt.
Der Berichtsantrag ist auf den ersten Blick beeindruckend, aber beim zweiten Hinse- hen lediglich die Anhäufung wahllos gegriffener Fragen, die dem derzeitigen Informa- tions- und Aufklärungsbedürfnis der Bürgerinnen und Bürger nur bedingt entspre- chen.
Herr Kollege Dr. Garg, an Ihrer Stelle hätte ich entweder einen fundierten schriftli- chen Bericht eingefordert, oder aber die vordinglichen Fragen im Rahmen einer Fra- gestunde gestellt.
Aus der BSE-Krise haben wir gelernt, dass sorgfältiger Umgang mit gesundheitlichen Risiken und umfassende, verantwortungsvolle Information der Bürgerinnen und Bür- ger der Schlüssel zur Überwindung solcher Krisen sind. Es ist ebenso unverantwort- lich, Panik zu verbreiten wie Risiken zu verharmlosen.
Aus gesundheitspolitischer Sicht ist vor allem die Frage von zentraler Bedeutung, wie gefährlich Vogelgrippe für die Menschen ist.
Die Vogelgrippe ist eine Tierkrankheit und vor allem für Vögel gefährlich – kaum für Menschen. Es gibt viele verschiedene Vogelgrippen, die meisten sind für Menschen völlig harmlos. Menschen können sich durch Kontakt mit kranken Vögeln infizieren sowie über Federn oder den Kot infizierter Vögel.
Das Vogelgrippevirus H5N1 ist nicht von Mensch zu Mensch übertragbar. Wenn man sich also kaum mit Vogelgrippe infizieren kann, weshalb dann die Aufregung? Virolo- gen befürchten, dass das Vogelgrippevirus H5N1 eines Tages so mutiert, dass es wie gewöhnliche menschliche Grippeviren auch von Mensch zu Mensch übertragen wird. Das Vogelgrippevirus könnte sich auch mit einem Human-Influenzavirus kreu- zen. Auch auf diese Weise könnte ein neues Influenzavirus entstehen, das von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Ein solches Virus könnte dann eine Pandemie auslösen, also sich in kurzer Zeit über die ganze Welt verbreiten. Im Schnitt gibt es drei- bis viermal in hundert Jahren eine Influenza- Pandemie. Im 20sten Jahrhundert gab es 1918, 1957 und 1968 Influenza- Pandemien. Vielleicht - hoffentlich schafft es das Vogelgrippevirus H5N1 nie zwi- schen Menschen übertragbar zu werden.
Die alljährliche Grippewelle wird von Influenzaviren verursacht, die sich nur geringfü- gig von den Influenzaviren des Vorjahres unterscheidet. Sie sind dem Immunsystem daher recht gut bekannt und erzeugen eine schnelle und starke Immunantwort. Trotzdem sterben bei einer Grippewelle mit gewöhnlichen Influenzaviren jedes Jahr 7.000 bis 20.000 Menschen in Deutschland, vor allem Geschwächte und Kranke.
Ziel ist es, das Vogelgrippevirus H5N1 auszurotten oder zumindest die Ausbreitung unter Vögeln zu stoppen. Damit will man verhindern, dass das Virus auf den Men- schen überspringt. Bisher waren die Eindämmungsversuche wenig erfolgreich. In vielen Ländern lagert man nun Neuraminidose-Hemmer ein.
Sollte es eines Tages tatsächlich zu einer Influenza-Pandemie kommen, könnten die Medikamente die Bevölkerung so lange schützen, bis es einen Impfstoff gibt. In Deutschland werden solche Mittel für etwa zehn Prozent der Bevölkerung gelagert.
Offensichtlich glaubt ein Großteil der Bevölkerung, sich mit einer saisonalen Grippe- impfung auch vor der Vogelgrippe schützen zu können. Dies ist nicht der Fall. Die Impfstoffe, die jedes Jahr neu gegen die saisonalen Influenzaviren hergestellt wer- den, schützen nur vor den Human-Influenzaviren der jeweiligen Saison.
Aufgrund der Diskussion um die Vogelgrippe haben sich in diesem Jahr deutlich mehr Menschen gegen Grippe impfen lassen als in den vergangenen Jahren. Dies mag die Pharmaindustrie und die Ärzte freuen, aber gegen Vogelgrippe schützt die Impfung nicht.
Häufig taucht die Frage auf, ob der Verzehr von Geflügel und Eiern gefährlich sei. In Deutschland ist es völlig unproblematisch, Geflügel und Eier zu essen. Der Verzehr gut durchgegarten Geflügels ist auch in Ländern in denen Vogelgrippe vorkommt kein Risiko. Noch ist es wahrscheinlicher, am Verzehr verdorbenen Geflügelfleisches zu erkranken, das mit krimineller Energie in Umlauf gebracht wurde, als an der Vo- gelgrippe.
Ich hoffe, dass uns die Landesregierung über die weitere Entwicklung umfassend informieren wird und über die heutigen Ausführungen hinaus einen international ab- gestimmten Notfallplan griffbereit in der Schublade hat.

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