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Lars Harms zu TOP 18 - Keine Verlängerung der Restlaufzeiten der Atomkraftwerke
Presseinformation Kiel, den 10.11.2005 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 18 Keine Verlängerung der Restlaufzeiten der Atomkraftwerke Drs. 16/304Es stellt sich immer wieder die Frage wer eigentlich in der Landesregierung das Sagen hat. Dameldet sich der Wirtschaftsminister kräftig zu Wort und verlangt Deutschland wieder zustrahlenden Landschaften zu machen und wir stellen erst einmal fest, dass dieser Vorschlagmal wieder mit niemandem abgestimmt war. Und dann liest man in der Zeitung: „Die SPDkocht vor Wut!“ und sie weist auf den Koalitionsvertrag hin. Da steht drin, dass die Landesre-gierung keine Initiative ergreift, um den Atomkonsens aufzukündigen.Nun ist die Initiative durch den Wirtschaftsminister aber schon ergriffen worden und schwirrtdurch Raum und Zeit. Da muss dann der Ministerpräsident, quasi in seiner Eigenschaft als guteSeele der Koalition, windelweich verkünden lassen: „Es gibt einen Koalitionsvertrag, und derist maßgeblich für die Arbeit der schleswig-holsteinschen Landesregierung!“ Danach ist dasSpiel aber noch nicht zu Ende, denn danach erhebt sich Herr Driftmann aus dem Dunkel derschwarzen Unternehmerschaft und fordert seinerseits die Aufkündigung des Atomkompro- 2misses und wer hüpft da schnell einmal auf den Wagen und fordert den Atomausstieg gleichmit? Natürlich, unser Wirtschaftsminister Austermann. Ob nun ein Ministerpräsident dieWogen glätten will oder der kleinere rote Koalitionspartner etwas dagegen hat, ist eigentlichauch egal. Er macht was er will, irgendwie jeder macht was er will, aber keiner macht was ersoll.Wir haben einen Atomkompromiss. Und ich möchte eine Äußerung zitieren: „Der Atomaus-stieg ist Gesetz, der Ausstieg aus der Atomenergie in Deutschland mit den hart umkämpftenund fest vereinbarten Restlaufzeiten muss konsequent und verlässlich umgesetzt werden.Eine nachhaltige Energiezukunft basiert auf den drei Säulen: Energieeffizienz, erneuerbareEnergien und Energiesparen. Atomkraft gehört nicht dazu!“ Ende des Zitats meines geschätz-ten Kollegen Konrad Nabel. Besser kann man es kaum zusammenfassen. Auch nachdem einKernkraftwerk abgeschaltet ist, bedeutet dies nicht, dass hiermit riesige Arbeitsplatzverlusteeinhergehen müssen. Auch der Abbau und die Entsorgung jedes einzelnen Kraftwerkeswerden hunderte von Menschen über mehr als ein bis zwei Jahrzehnte beschäftigen. Mit denentsprechenden Vorlaufzeiten ist dies eine Zeitspanne, die groß genug ist, um eine Zukunfts-perspektive für die Betroffenen zu ermöglichen und alternative Energien im Land voranzu-bringen.Das was wirklich Arbeitsplätze schafft und die Zukunft für uns sichert sind die erneuerbarenEnergien. Sie sind sauber, dezentral und auch in den entferntesten Regionen auf unterschiedli-che Art und Weise nutzbar. Das ist Fortschritt. Atomkraft ist Rückschritt.Und wenn wir das wissen, stellt sich doch nur die Frage, was uns daran hindert, diese Energie-formen für uns nutzbar zu machen und sogar wirtschaftliche Vorteile hieraus zu ziehen? Undhierzu hatte der Wirtschaftsminister ja durchaus einen guten Vorschlag, den wir ja auch schonin den vergangenen Jahren mehrfach hier im Landtag angesprochen haben: Der, der das 3Energienetz betreibt, soll auch die Kosten für die Verlegung des Netzes im Offshorebereichtragen.Wir können feststellen, dass es in Bezug auf die Offshore-Nutzung von Windenergie zweiHauptprobleme gibt, die die Wirtschaftlichkeit der Projekte tangieren. Erstens liegen unsereProjekte relativ weit draußen im Meer, was dazu führt, dass hier höhere Kosten als in anderenLändern entstehen, die auch in Küstennähe Windparks zugelassen haben. An dieser Schraubewill aber mit Recht keiner drehen, da die Interessen des Naturschutzes – speziell im National-park Wattenmeer – dem entgegenstehen. Der zweite beeinflussbare Bereich ist die Anbindungder Parks an das Netz. Die Seekabelverlegung verteuert die einzelnen Offshore-Projekte umungefähr 20 bis 25%. In Großbritannien diskutiert man jetzt, die Kosten für den Netzanschlussvon Offshore-Windparks auf die Allgemeinheit umzulegen und in Dänemark hat man eineEnergieagentur gegründet, die sicherstellen soll, dass alle Nutzer einen offenen und gleichbe-rechtigten Zugang zum staatlichen Netz haben sollen. Es bewegt sich also was und deshalbsollte man auch bei uns festlegen, dass die Energieunternehmen die Kosten für die Verlegungvon Seekabeln tragen müssen und dieses dann auf die Verbraucher umgelegt wird. An Landhandelt man ja auch nicht anders.Deutschlandweit gibt es mittlerweile rund 140.000 Arbeitsplätze im Bereich der erneuerbarenEnergien. Das sind 10.000 mehr als noch im letzten Jahr. Solche riesigen Steigerungsraten gibtes sonst kaum noch. An dieser Entwicklung sollten wir teilhaben und nicht alten gefährlichenEnergieformen hinterher laufen. Dass die Atomkraft nicht mehr das Maß aller Dinge ist, zeigtauch ein anderer Vergleich. Die Kernkraft erzeugt seit Jahren konstant etwas weniger als 6%des Gesamtenergieverbrauchs. Die erneuerbaren Energien machen jederzeit 6,4 % dieserLeistung aus. Wer hätte das noch vor 4 oder 5 Jahren gedacht? Wir sind weiter als wir denkenund Schleswig-Holstein darf hierbei die Zeichen der Zeit nicht übersehen. Den erneuerbarenEnergien gehört die Zukunft – nicht der Kernenergie.