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Lars Harms zu TOP 26 - Schleswig-Holstein soll Vorreiter in der palliativmedizinischen Versorgung werden
Presseinformation Kiel, den 10.11.2005 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 26 Schleswig-Holstein soll Vorreiter in der palliativmedizinischen Versorgung werden Drs. 16/315Erst wenn man als Angehöriger einmal in der traumatisierten Situation steckte, eineangemessene Versorgung für Mutter, Bruder oder Kind finden zu müssen, kann man dieUnterstützung wertschätzen, die palliativ-medizinische Profis bieten können: neben reinpraktischen Hilfestellungen sind es vor allem die psychologisch-seelsorgerische undsoziale Unterstützung, die wirklich helfen. Doch derartige Profis gibt es nur wenige.Anders als beispielsweise in England, wo die Palliativ-Medizin fester Bestandteil desMedizinstudiums ist, besteht ein entsprechender Lehrstuhl in Deutschland überhaupterst seit sechs Jahren. Da muss sich noch etwas ändern!Wir haben im Bericht über die Hospizbewegung und die entsprechenden Hospize in derletzten Legislaturperiode gesehen, dass eine würdevolle Sterbebegleitung in Schleswig-Holstein durchaus möglich ist. Es gibt zwar Lücken, doch diese schließen sich allmählich. 2Ähnlich muss es auch in der palliativ-medizinischen Versorgung werden. Doch zunächstmüssen wir wissen, wie die Strukturen aussehen. Ich warne allerdings schon vorweg voreiner Fehleinschätzung. Bei einer Unterversorgung, und in diesem Bereich ist sie massiv,werden neue Angebote neue, vorher nicht erhobene Nachfragen schaffen. VieleMenschen sind mit der derzeitigen Situation unzufrieden. Gäbe es ein palliatives Netz,würden sie es auch nutzen. Statistik und Bettenzählen helfen also bei diesem Thema nurbedingt.Vor allem müssen wir wissen, wie es mit der Finanzierung aussieht. EinigeKrankenkassen verweigern die Kostenerstattung der Fahrten in weiter entferntePalliativ-Zentren, als ob eine schmerzstillende Therapie immer noch ein Luxusgut sei.Diese Vorstellung geistert auch noch in den Köpfen vieler Patienten herum, die nicht umdie Vorteile einer gezielten Schmerztherapie wissen. Von wem denn auch? Zu wenigeÄrzte sind ausgebildet, zu wenig Pflegepersonal informiert und Schmerztherapie fürSterbende und Schwerkranke umgibt immer noch den Nimbus der Betäubung und desBewusstseinsverlusts. Dabei ist es für sterbende Patienten sehr viel selbstbestimmter,sich schmerzfrei von Freunden und der Familie verabschieden zu können als unter derdrückenden Last schlimmer Qualen.Das ist alles schon oftmals gesagt worden. Es wird Zeit, dass Handlungen folgen: daswird auch durch den gemeinsamen Antrag noch einmal bekräftigt.In Schleswig-Holstein sollte ein dichtes Netz palliativer Angebote bestehen. Der Zugangmuss dabei allen Schmerzkranken oder Sterbenden offen stehen, unabhängig von ihrer 3finanziellen Situation und von ihrer Situation. Palliative Angebote sollten auch fürKinder. Menschen mit Behinderungen und Migranten bestehen. Das Angebot mussaußerdem stationär und vor allem auch ambulant verfügbar sein.Die ambulante palliative Versorgung unterstützt Kranken und Sterbende in dergewohnten häuslichen Umgebung. Und in genau der wollen die meisten Menschen biszum Ende verbleiben. Wegen fehlender Unterstützung führt der Weg heutzutage aberweit überwiegend ins Heim oder ins Krankenhaus. Das ist oftmals nicht erwünscht, istaber derzeit mangels Alternative nicht zu verhindern. Der Hospiz- und PalliativverbandSchleswig-Holstein empfiehlt daher zur Unterstützung der Hausärzte ambulante Teamszusammenzustellen, die aus Pflegekräften, Ärzten und Sozialarbeitern bestehen. Diesekönnten bestehende Strukturen ergänzen und die Hausärzte unterstützen. Darüberhinaus können sie den Angehörigen praktische Tipps vermitteln sowie ihnen behilflichsein.Aber alle diese Ideen können wir erst umsetzen, wenn die Datenlage einigermaßen klarist. Und deshalb bin ich froh, dass wir hier zu einer gemeinsamen Initiative gekommensind und würde es begrüßen, wenn wir dieses parteiübergreifend unstrittige Themagemeinsam weiter nach vorn bringen können.