Diese Webseite verwendet ausschließlich für die Funktionen der Website zwingend erforderliche Cookies.
Anke Spoorendonk zu TOP 2 & 6 - Landeshaushalt 2006 und 2. Nachtragshaushalt für 2005
Presseinformation Kiel, den 15.12.2005Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 2 u.6. Haushalts Zweiter Nachtragshaushalt für das Haushalt sjahr 2005 und Haushaltsstrukturgesetz zum Haushaltsplan 2006 Drs. 16/393;16/401„Wir haben keinen Anlass, uns zu beklagen“, sagte Schleswig-Holsteins Bundesrats-Staatssekretär Klaus Schüler, nachdem die Parteitage von CDU und SPD Mitte Novemberden Weg für eine große Koalition auf Bundesebene frei gemacht hatten. „Das GewichtSchleswig-Holsteins wird durch die große Koalition im Bund eher zunehmen“, fügte erhinzu. Dass sowohl schwarze wie rote schleswig-holsteinische Landespolitiker diesesähnlich sahen, überrascht daher nicht wirklich. Und auch der SSW hofft, dass alleschleswig-holsteinischen Wünsche in Erfüllung gehen – sei es durch verstärkten Einflussdes Landes im Bundesrat oder über die „Partei-Schienen“ der Koalitionspartner. Dennochwissen wir aus der Vergangenheit, dass der Weg von Berlin nach Kiel immer viel längerist als umgekehrt. 2Ein Blick in den Koalitionsvertrag der regierungstragenden Parteien hier in Schleswig-Holstein – ohnedem läuft ja bekanntlich nichts mehr in diesem Hohen Hause – bestätigt,was Klaus Schüler laut Zeitungsbericht noch sagte, dass Kiel zwar die neue Bundesregie-rung stützen werde, man aber keine automatische Abstimmungsmaschine der Merkel-Regierung sei. Der Koalitionsvertrag sagt dazu:„Die Interessen des Landes haben absoluten Vorrang“. Und genau daran werden wir politi Rahmenbedin- die Landesregierung messen, wenn es darum geht, die politi schen Rahmenbedi n- Schleswig- gungen für Schleswig- Holstein weiter zu verbessern.Die Regierungserklärung der neuen Bundeskanzlerin wirkte vor diesem Hintergrund eherernüchternd. Mehr Freiheit wagen, will die neue Bundesregierung. Das war zumindestdie rhetorische Klammer, mit der die Bundeskanzlerin in ihrer Regierungserklärungzusammenfasste, was die „Koalition der neuen Möglichkeiten“ auf Bundesebene umzu-setzen gedenkt. Dabei ist es aus Sicht des SSW unerheblich, ob dies in großen oder inkleinen Schritten geschieht. - Realistischer sind allemal die kleinen Schritte. Viel wichti-ger ist es zu sehen, was sich hinter dem Ruf „Mehr Freiheit wagen“ verbirgt. Wenn damitgemeint ist, dass sich der Staat noch weiter aus seiner sozialen Verantwortung zurück-ziehen soll, als er es ohnehin schon getan hat, dann haben wir es nur mit einem weih-nachtlich verpackten Bekenntnis zu jenem Wirtschaftsliberalismus zu tun, der vor derWahl bekanntlich Anlass zu einer Diskussion über „Heuschrecken-Kapitalismus“ gab.Konkret führt diese Einstellung dazu, dass der Chef eines großen Konzerns, des Reifen-herstellers Continental – nachzulesen in der „Zeit“ – verlautbaren lässt, dass Rekordge- 3winne und Arbeitsplatzabbau „überhaupt nichts miteinander zu tun“ hätten. Josef A-ckermann, Vorstandschef der Deutschen Bank, sieht es genau so: „Wir haben keine Al-ternative“, sagte er, als ihm vorgehalten wurde, dass die Bank daran fest hält, 6400Beschäftigte zu entlassen, obwohl das Geldhaus auf einem rasanten Erfolgskurs fährt.„Mehr Freiheit wagen“ heißt daher für ganz viele Menschen in Deutschland, dass sie nurdie Freiheit haben zu sagen, ob sie weitere Lohnkürzungen akzeptieren oder gleich aufdie Straße gesetzt werden wollen.Wer „mehr Freiheit wagen“ will, schuldet uns allen also mindestens eine Antwort auf dieFrage, für wen diese neue Freiheit gedacht ist. Mehr Freiheit für die Wirtschaft hieße,alten Wein in neue Schläuche zu gießen. Mehr Freiheit für die Menschen in Deutschlandsetzt voraus, dass sie erst einmal in die Lage versetzt werden müssen, ein selbst be-stimmtes Leben zu führen. Das wäre dann ein sozialer Liberalismus, der den Staat zwarin seine Schranken verweist, ihn aber von seiner sozialen Verantwortung nicht entbin-det.Eine Studie der Internationalen Arbeitsorganisation ILO belegte jüngst, dass die Globali-sierung leider kaum neue anspruchsvolle Arbeitsplätze schafft und die Armut nichtvermindert. Zwar glänzt die Weltwirtschaft seit Jahren mit hohen Wachstumsraten, aberdaraus entstehen laut ILO immer weniger zusätzliche Arbeitsplätze. Die Löhne gerateninsbesondere in den westlichen Industriestaaten unter Druck, obwohl die Weltökonomiefloriert und gedeiht. Die Ursachen liegen laut ILO daran, dass z.B. die Bevölkerungsgigan-ten China und Indien dem Weltmarkt zunehmend billige und gut ausgebildete Arbeits-kräfte bieten und somit den Lohndruck erhöhen. Umdrehen kann die Politik diesen Pro-zess nicht, aber sie kann und sie muss gestaltend eingreifen. Mehr denn je ist also ein 4 Aus zwischen Verlie- handlungsfähiger Staat gefragt. Nur er kann für einen Ausgleich zwischen Verlie- sorgen. rern und Gewinnern der Globalisierung sorgenLeider enthält der Koalitionsvertrag auf Bundesebene mehr über die Sanierung des Bun-deshaushalts als über die Reduzierung der Arbeitslosigkeit. Interessanterweise wirddiese Politik auch in Teilen von der Wirtschaft kritisiert. So war jüngst der Presse zu ent-nehmen, dass der Chefökonom der HSH Nordbank in Kopenhagen der Bundesrepublikeine expansive Finanzpolitik kombiniert mit zukunftsweisenden Strukturreformen emp-fahl – wie einst in Dänemark unter Ministerpräsident Nyrup-Rasmussen. Insbesondereforderte er eine expansive Finanzpolitik mit Blick auf die Stärkung der sehr schwachenBinnenkonjunktur in Deutschland. Anstatt also den Haushalt zu sanieren, sollte dieBundesregierung die Investitionen zur Senkung der Arbeitslosigkeit zur ersten Prioritätihrer Politik erklären.Die Große Koalition in Berlin hat scheinbar aber keine Strategie, die den Herausforde-rungen der Globalisierung gerecht wird. Auch die geplante Mehrwertsteuererhöhungwird eben nicht für die notwendigen Reformen der sozialen Sicherungssysteme genutzt,vielmehr verschwinden die Einnahmen überwiegend in den Haushaltslöchern von Bundund Ländern. Die geplante Senkung der Lohnnebenkosten um 0,6% erscheint aus unse-rer Sicht überhaupt nicht ausreichend, um den Faktor Arbeit billiger zu machen und dieUnternehmen spürbar zu entlasten. Die Mehrwertsteuererhöhung um 3 % in 2007 könn-te sogar ein schwerer Schlag für die so sehr gebeutelte Binnenkonjunktur werden. Dassdie Regionalisierungsmittel für den ÖPNV und den SNV und die GA-Förderung zur Sanie-rung des Haushalts zurückgefahren werden sollen, ist gerade für ein Flächenland wieSchleswig-Holstein ein großes Problem. 5Die Föderalismusreform soll zwar angepackt werden, ein klares Konzept ist bisher abernicht erkennbar. – Ganz zu schweigen von dem Ansatz, für den nicht zuletzt dieser Land-tag stand: enthalten in der Lübecker Erklärung zur Stärkung der Landesparlamente näm-lich.Es ist zu hoffen, dass sich die Landesregierung mit ihren Änderungsvorschlägen Gehörverschafft, um die bisherigen Absprachen zur Föderalismusreform zumindest zu verbes-sern. Die Entscheidung der Bundesregierung, sich jetzt doch – wie vereinbart – an denKosten der Kommunen für den Unterhalt der ALG-II- Empfänger zu beteiligen ist natür-lich zu begrüßen und hilft auch den Kommunen in Schleswig-Holstein. - Alles anderewäre allerdings auch ein Skandal gewesen.Die ankündigten Maßnahmen aus Berlin wirken mit anderen Worten eher durchwach-sen. Wir alle wissen aber, wie abhängig die Länder weiterhin von den Entscheidungender Bundesebene sind. Und deshalb muss auch klar und deutlich gesagt werden: der von erhoffte CDU und SPD erhoff te positive Effekt einer Großen Koalition in Berlin ist aus Sichtdes SSW nicht erkennbar. Es geht also kein Weg daran vorbei, zweigleisig zu fahren:weiterhin auf die Bundesebene einzuwirken und aus eigener Kraft die Weichen fürSchleswig-Holstein so zu stellen, dass unser Land fitt für die Zukunft gemacht wird. Dassind die Maßstäbe, an denen der Landtag die Landesregierung messen sollte.Der Haushaltsentwurf für 2006 der heute zur abschließenden Beratung ansteht, ist Haushaltsentwurf 2006,gewissermaßen ein Sinnbild für den Zustand der Großen Koalition in Schleswig-Holstein:Er tut nicht richtig weh, er bringt das Land abe r auch nicht richtig voran. Er ist ge- weh, aber voran.wissermaßen ein „Arbeitshaushalt“, der die Geschäfte der Landesregierung am Laufen 6hält und somit vielleicht die „Ruhe vor dem Sturm“ des Doppelthaushalts 2007/2008darstellt. Mag sein, dass Haushaltsberatungen zu anderen Zeiten genau so geräuschlosüber die Bühne gegangen sind. Aber es war schon bemerkenswert, wie zügig alles abge-handelt werden konnte. - Wobei ich ausdrücklich die gute Zusammenarbeit mit Finanz-minister Wiegard und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern loben möchte. Eingroßes Lob auch an den Finanzausschussvorsitzenden Günter Neugebauer für seinesouveräne Leitung der Haushaltsberatungen.Dennoch reicht der reibungslose Ablauf nicht als alleinige Erklärung. Eine große Koalitionkann sich noch weniger als andere Koalitionen leisten, dass es zu öffentlichen Auseinan-dersetzungen kommt. Damit wird aber zementiert, was ohnehin schon zu den Wesens-zügen des deutschen Parlamentarismus gehört: nicht die Aufteilung in Exekutive undLegislative ist entscheidend, sondern die Aufteilung in Regierungsmehrheit und Regie-rungsopposition. In Umkehrschluss bedeutet diese, dass wir als Abgeordnete ein ureige-nes Interesse daran haben sollten, die Arbeit der Landesregierung mit den Augen desParlaments zu begutachten. Und darum behaupte ich ganz einfach, dass es bei denHaushaltsberatungen mehrfach Situationen gegeben hat, wo es bei anderen Regie-rungskonstellationen ganz andere und sehr viel kritischere Diskussionen gegeben hätte. Parla weiter- Dass daher eine Minderheitsregierung dem Parl ament gut getan hätte, ist weite r-hin die Meinung des SSW.Die Lage des Landeshaushalts ist dramatisch. Diese Erkenntnis ist nicht neu, und sie gibteigentlich nicht wirklich ein Bild davon, wie schlecht es um die Finanzen des Landesbestellt ist. Sieht man sich die Eckpunkte des Haushalts genau an, erschließt sich einemdie katastrophale Finanzlage Schleswig-Holsteins. Bei Nettoausgaben von ca. 8,2 Mrd. 7Euro werden wir sage und schreibe ca. 1,56 Mrd. Euro neue Schulden zur Finanzierungdes gesamten Haushaltes aufnehmen. Damit wird die verfassungsmäßige Grenze derNettoneukreditaufnahme gemäß Art. 53 der Landesverfassung um über 1 Mrd. Euroüberschritten. Auch wenn die Kreditaufnahme im nächsten Jahr im Verhältnis zu 2005etwas gesenkt werden soll, sind die Neuschulden fast dreimal so hoch wie unter Rot-Grün. Die Investitionsquote ist mit nur 9% so niedrig wie nie in der Geschichte des Lan-des, und die Personalkosten sind mit 38,1% sogar noch etwas höher als im letzten Jahr.Daraus kann man aber redlicherweise der Landesregierung keinen Vorwurf machen.Zum einen ist der Haushalt fast zu 95% von Gesetzen und Vorgaben gebunden, die zumTeil vom Bund oder der EU beschlossen werden. Zum anderen sind die Steuereinnahmenin den letzten Jahren stark eingebrochen. Der Spielraum der Landesregierung ist alsosehr eng und außer Bayern wird wohl kein anderes Bundesland im nächsten Jahr einenverfassungskonformen Haushalt aufstellen können. Der Bund kann dies in 2006 auchnicht.Für den SSW steht daher fest: Dieser Haushalt kocht nicht nur mit Wasser, er besteht invieler Hinsicht aus genau den gleichen Bausteinen wie seine rot-grünen Vorgänger, undwenn wir ehrlich sind, hätte eine rot-grüne Landesregierung mit Unterstützung des SSWauch kaum andere Eckpunkte präsentieren können. Bei einer Regierungsbeteiligung derFDP wäre es zu einmaligen Mehreinnahmen durch den Verkauf der HSH-Nordbank ge-kommen. Die grundlegenden Strukturprobleme des Haushalts wären aber die gleichen.Deshalb lehnen wir auch diesen FDP-Vorschlag ab. Das heißt natürlich nicht, dass wir mitallen Prioritätensetzungen und Entscheidungen der Landesregierung im Haushaltent-wurf zufrieden sind. Das ist bei weitem nicht der Fall. 8Ich möchte aber deutlich machen, dass die grundlegenden Eckpunkte des schleswig-holsteinischen Landeshaushalts eben nur schwer zu beeinflussen sind. Dabei darf natür-lich nicht unter den Teppich gekehrt werden, dass der Landeshaushalt 2006 verfas-sungswidrig ist und dass die Landesregierung in ihrer Finanzplanung erst in einigenJahren damit rechnet, einen verfassungsgemäßen Haushalt vorlegen zu können. Auchwenn man dies aus finanzpolitischer Sicht kritisch sehen muss, gibt es keinen anderenWeg als den von Frau Merkel vorgeschlagenen Weg der kleinen Schritte. Der SSW ist Überzeu gelin Finanz- weiterhin der Überzeugung, dass es uns nicht geli ngen wird, uns aus dieser Finanz-krise herauszusparen. Wir müssen in erster Linie die Einnahmesituation des Landesverbessern, und dies gelingt letztlich nur, wenn wir mehr Menschen in Arbeit bringen.Vor diesem Hintergrund ist der Schleswig-Holstein Fonds, der Investitionen generierensoll, eine richtige Maßnahme, die der SSW unterstützt. Natürlich wissen wir auch, dass essich bei diesem Fond im Prinzip nur um einen neuen Namen für ein Programm handelt,das es schon unter der Vorgängerregierung gegeben hat. Das ändert aber nichts an derTatsache, dass Schleswig-Holstein aus eigener Kraft die nötigen Investitionen in diewirtschaftliche Entwicklung tätigen muss. - Wir streiten uns mit der Landesregierunggern über die Prioritierung, aber nicht über das Volumen der Investitionen. Von daherkönnen wir auch nicht die Änderungsvorschläge der Grünen zur Kürzung des Schleswig-Holsteins Fond unterstützen. Eine solche Politik wäre aus Sicht des SSW kontraproduktivfür unser Land.Die Konturen einer zukunftsweisenden Arbeitsmarktpolitik sind bisher leider nicht rich-tig erkennbar. Auch wenn das Land hier von den Vorgaben des Bundes abhängig ist – 9Stichwort Hartz IV – so sind wir doch weiterhin der Meinung, dass Schleswig-Holsteinmit mehr Engagement eine aktive Arbeitsmarktpolitik im Sinne der Arbeitslosen betrei-ben muss. So lehnt der SSW die Kürzung bei den Arbeitsloseninitiativen weiterhin ab.Die Forderung nach einer Fortsetzung der EU-Regionalförderung nach 2006 unterstütztauch der SSW. Für die noch übrig gebliebenen Mittel des bisherigen Regionalprogramms2000 muss aber gelten, dass sie angemessen und gerecht auf alle strukturschwachenGebiete des Landes verteilt werden. D ie Landesregierung darf sich mit anderen Wor- . Wor- nicht Wachstumspo Ham konzent- ten ni cht nur auf die Wachstumsp otentiale der Ham burger Randgebiete konzent-rieren rieren und dabei den Norden des Landes aus den Augen verlieren. Der im November verlieren en.vorgelegte Bericht der Landesregierung „Schleswig-Holstein – ein starker Partner imNorden“ verstärkt unsere Befürchtungen, dass die Landespolitik genau diese Richtungwählt. Dass die verbliebenen Mittel des Regionalprogramms nicht für Luftschlösser wiedas - inzwischen zu den Akten gelegte - Science Center oder für den Ausbau des Flugha-fens Kiel-Holtenau genutzt werden sollen, steht für den SSW allerdings schon heute fest.Bald hat der letzte Linienflug den Flughafen Holtenau verlassen, und die Große Koalitionhält immer noch an dem Ausbauprojekt fest. Statt unverdrossen auf ein totes Pferd zusetzen, sollte die Landesregierung endlich absteigen und darüber nachdenken, für wel-che Projekte in Schleswig-Holstein die öffentlichen Fördergelder sinnvoll ausgegebenwerden können. Der vollständige Ausbau des Husumer Hafens ist somit auch aus lan-despolitischer Sicht ein sinnvolles Projekt, das die Unterstützung der Landesregierungverdient. Die Entscheidungen darüber, welche Prioritäten gesetzt werden sollen, hän-gen allerdings nicht unmittelbar mit dem Haushalt zusammen. Sie sind Ausdruck für 10den Haushaltsvollzug, und genau darauf wird der SSW weiterhin sein Augenmerk rich-ten.Noch haben wir im Norden des Landes viele Industriebetriebe und zukunftsfähige Un-ternehmen mit vielen Arbeitsplätzen. Aber der Arbeitsplatzabbau der letzten Jahre – inFlensburg z.B. bei Motorola oder bei Danfoss - ist ein Warnsignal. Darum wiederhole ich:Wenn der nördliche Landesteil nicht zu einem Freizeitpark reduziert werden soll, müssenwir jetzt handeln, um die Zusammenarbeit über die deutsch-dänische Grenze hinweg zuvertiefen und auszubauen. Der SSW will deshalb , dass die grenzüberschreitende deshalb,Zusammenarbeit für die Landespolitik in Zukunft den gleichen Stellenwert erhält,wie z.B. die Zusammenarbeit mit Hamburg. – Oder anders formuliert: Für uns im Zusammenar HamNorden - für unsere Zukunftschancen – ist sie genauso wichtig wie die Zusammenarbeitvon Schleswig-Holstein und Hamburg. Wir werden im kommenden Jahr die Landesregie-rung daran messen, wie sie sich in die Neugestaltung der grenzüberschreitenden Arbeiteinbringt.Die Landesregierung kündigt in Zusammenhang mit dem Haushalt eine Reihe von Struk-turänderungen an, die aber alle noch mit vielen Fragezeichen versehen sind und die in2006 zunächst kaum haushaltswirksam werden. Die Verwaltungsstrukturreform ist einThema für sich, und wie der SSW dazu steht, kann man in dem Protokoll der gestrigenDebatte nachlesen. Im vorliegenden Haushaltsentwurf spiegelt sich die Verwaltungs-strukturreform nur hinsichtlich der Finanzierung der so genannten „Hochzeitsprämien“für Verwaltungs- oder Gemeindezusammenlegungen wider. – Dieses zu unterstützen,bereitet dem SSW keine Schwierigkeiten. Die Erfahrungen zeigen aber, dass sich wegendieser bescheidenen Mittel kaum Kommunen freiwillig zusammenschließen werden. 11Zu zwei Strukturvorhaben der Landesregierung wird es morgen noch gesonderte Debat-ten geben: zu der Neustrukturierung der Amtsgerichte und zu der Einführung einesAnreizbudgets für die Hochschulen des Landes. Ohne diese Debatten vorweg nehmen zuwollen, stelle ich für den SSW fest, dass Strukturmaßnahmen auch immer eine regional-politische Seite haben. Das Amtsgericht in Kappeln zum Beispiel ist die letzte Landesbe-hörde in einer Region, die in den letzten Jahren sehr viel hat ertragen müssen. Es ist einmodernes Gericht, das sich auch als Dienstleistungsorgan für die Menschen vor Ortversteht. Und aus genau diesen Gründen wäre es zu kurz gesprungen, wenn ausschließ-lich justiz-fachliche Argumente zum Tragen kommen.Was für die Amtsgerichte gilt, gilt natürlich erst recht für die Hochschulen des Landes. steht Bildungs- Der SSW steht für eine ausgewogene Bildungs- und Hochschullandschaft, die mit regi der regi onalen Wirtschaft kooperiert und den Menschen vor Ort Forschung undLehre, Bildung und We i terbi l dung bietet. Die Einführung eines Anreizbudgets - zu WeiterbilLasten der Flensburger Hochschulen - ist daher keine Maßnahme, die dazu angetan ist,die Skepsis gegen die Reformpläne der Landesregierung abzumildern. Dass die Landesre-gierung jetzt kurzfristig 40.000,- • mehr für das Germanistik-Studium der Universität 40.000,-Flensburg ausgeben will, ist natürlich zu begrüßen.Dennoch ist dies vor dem Hintergrund der jahrelangen Unterfinanzierung des Hoch-schulstandortes Flensburg im Grunde nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Wir habenin unseren Änderungsanträgen zum Haushalt gefordert, dass die Vorschläge zum An-reizbudget gestrichen werden. Damit kamen wir bei den Mehrheitsfraktionen nichtdurch. Wir nehmen aber wohlwollende zur Kenntnis, dass die Beschlussempfehlung des 12Bildungsausschusses zu diesem Punkt eine Revisionsklausel enthält, die spätestens vorder Sommerpause 2006 evaluiert werden soll. Das ist zumindest ein Schritt in die richti-ge Richtung.Es muss also in Zukunft darum gehen, dass die Stärken des gesamten Landes genutztwerden. Professor Michael Porter von der Harvard Universität hat kürzlich bei einer gro-ßen Veranstaltung in Kopenhagen darauf hingewiesen, dass die beste Strategie zurBewältigung der Herausforderungen der Globalisierung darin liegt, von eigenen Prämis-sen auszugehen - sich von anderem zu unterscheiden also, denn - wer einfach die Stär-ken anderer nachahnt, wird den Wettbewerb nicht bestehen können. Für unser Landheißt das unter anderem, dass es nicht reicht, nur mehr Werbung für Schleswig-Holsteinzu machen. Entscheidend sind die Stärken des Landes – die Alleinstellungsmerkmale , seies im Bereich der Windenergie oder in ganz anderen Bereichen. Und aus genau diesen wich Qualifizierung Gründen ist es für den SSW wichtig, dass eine Offensive für Qualif izierung undBildung auf den Weg gebracht wird Denn neben der Schönheit und der kulturellen wird.Vielfalt unseres Landes sind gut ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dasPfund, womit gewuchert werden kann. Damit dies so bleibt, müssen wir schon in denKindergärten die richtigen Weichen stellen. Das gestern verabschiedete Gesetz zur Wei-terentwicklung der Kitas ist mit seinen neuen Bildungszielen ein erster richtiger Schritt.Daher konnte der SSW dem Gesetzentwurf auch zustimmen.Es ist aber kein Geheimnis, dass auch wir uns einen höheren Zuschuss für die Kinderta-gesstätten gewünscht hätten. Insbesondere für die Aus- und Weiterbildung der Erziehe-rinnen und Erzieher müssen zusätzliche Mittel bereitgestellt werden. Wir werden daherentsprechende Änderungsanträge zur Erhöhung der Landeszuschüsse an die Kinderta- 13gesstätten von den Grünen und der FDP unterstützen. Wir wissen aber auch, dass wirdamit eine Zielvorgabe unterstützen, die nur in kleinen Schritten „abgearbeitet“ werdenkann. Das Thema Schulgesetzänderung wird uns im nächsten Jahr sehr intensiv beschäf-tigen. Hier und heute nur soviel: es gibt in diesem Haus immer noch eine Mehrheit fürdie Einführung der Gemeinschaftsschule.Zu den Stärken unseres Landes gehören aber auch die kulturelle Vielfalt und die atsa Schleswig- Tatsache, dass sich Schleswig- Holstein als ein Land mit deutscher, dänischer undfriesischer Kul tur versteht. Auch die Minderheitenpolitik gehört somit dazu. Und daher Kul– ein letztes Mal in diesem Jubiläumsjahr der Bonn-Kopenhagener Erklärungen: das Zielvon Minderheitenpolitik ist die Schaffung gleicher Möglichkeiten für Mehrheit und Min-derheit in kultureller, politischer und finanzieller Hinsicht, denn die Angehörigen derdänischen Minderheit und der friesischen Volksgruppe sind Bürger des Landes mit dengleichen Rechten und Pflichten wie alle anderen Bürger auch.Daher freut es uns, dass die regierungstragenden Fraktionen die Änderungsanträge desSSW zum Minderheitenbereich übernommen haben und dass letztlich diese Anträgeeinstimmig im Finanzausschuss beschlossen wurden. Dafür danken wir den Fraktionen,insbesondere aber den Fraktionsvorsitzenden von CDU und SPD und den beiden finanz-politischen Sprechern der Regierungsfraktionen. Wir wissen, dass immer auch für kleine-re Änderungen im Haushalt geworben werden muss.Wir sehen die Rücknahme der Kürzungen beim SSF, dem Kulturträger der dänischenMinderheit Mi nderheit, beim Nordfriesischen Institut und bei der Kulturarbeit der friesischen heit,Volks Volksgruppe als ein positives Signal an die Minderheiten des Landes. Und wir sehen 14dies als eine Bestätigung dafür, dass auch die neue regierungstragende Mehrheit Min-derheitenpolitik nicht als Interessenpolitik, sondern als Ausdruck für das Selbstverständ-nis des Landes sieht. Wir sehen dies also auch als Bestätigung dessen, was der Minister-präsident bei dem traditionellen Jahrestreffen der dänischen Minderheit zum Ausdruckbrachte. Und wir sehen dies als Fundament für die weitere gute Zusammenarbeit imBereich der Minderheitenpolitik.Besonders positiv ist, dass die Baukostenzuschüsse für den Dänischen Schulvereinim nächsten Jahr etwas erhöht werden. Damit kann der Bau der geplanten dänischenGesamtschule in Süderbrarup schneller vorankommen. Hervorheben möchte ich aberauch, dass die Kürzung beim Nordfriisk Instituut zurückgenommen wurde. Damit wirdfür diese wichtige kulturelle und sprachliche Arbeit der finanzielle Status Quo erhalten.Beim Nordfriisk Instituut ging es aus Sicht des SSW auch um die Gleichstellung des Insti-tuts mit anderen wissenschaftlichen Institutionen im Land und darum, zumindest einenteilweisen Ausgleich für die Personalkostensteigerungen zu erreichen.Allerdings sind mit diesen Beschlüssen noch lange nicht alle akuten Probleme in derMinderheitenpolitik gelöst. Vor allem die Gefahr von Schulschließungen ab 2007 ist nochnicht gebannt, denn die fehlende Gleichstellung bei den Schülerkostensätzen und dieUnterfinanzierung der Schülerbeförderung bleiben weiter bestehen. Für den Haushalt2006 ist das Mögliche herausgeholt worden, die Lösung dieser Probleme muss aberweiterhin ganz oben auf der landespolitischen Agenda stehen.Auch in der Vergangenheit hat sich der SSW immer recht konkret zum Haushaltsentwurfder Landesregierung verhalten, denn aus unserer Sicht muss die politische Auseinander- 15setzung über die Einzelpläne laufen. Wir stehen für ein Parlamentsverständnis, wonachauch die Opposition aktiv in die Haushaltsberatungen eingebunden wird, mit dem Ziel inwichtigen Fragen eine breite Mehrheit zu erreichen. Der SSW versteht Haushaltsbera- Haushaltsbera-tungen vor diesem Hintergrund als Verhandlungen, in denen – bildlich gesprochen - Hintervon einem Geben und Nehmen auszugehen ist. Unserer Auffassung nach kann esnicht darum gehen, einen Alternativhaushalt aufzustellen, sondern Einfluss auf denEntwurf der Landesregierung auszuüben. Wir haben in der Vergangenheit dem Gesamt-haushalt zugestimmt, wenn wir uns so zu sagen in ihm wieder finden konnten. Das istbei diesem Haushaltsentwurf im Bereich der Minderheitenpolitik der Fall und in einigenanderen wichtigen Bereichen, so dass wir dem Gesamthaushalt vom Prinzip her zustim-men können.Der SSW hat mit dieser differenzierten Vorstellung von Haushaltsberatungen nie einenBlumentopf gewinnen können. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass wir mit dieserAuffassung das Land voran bringen. Dass nur so letztlich die Rolle des Parlaments ge-stärkt werden kann, ist nach Meinung des SSW eine weitere Folgewirkung.Dennoch werden wir nicht allen Einzelplänen zustimmen können. Weder den Umwelt-und Agrarhaushalt noch den Sozialhaushalt werden wir mittragen. Ich will das im Ein-zelnen erläutern. Im Umwelthaushalt sind wir insbesondere mit der Prioritätensetzunghinsichtlich des Vertragsnaturschutzes unzufrieden. Aus Sicht des SSW wäre es richtiggewesen Vertragsnaturschutz viel stärker zu fördern als im Einzelplan 13 angedacht, weilnur so eine bürgernahe Umsetzung von Naturschutzaufgaben in Zukunft möglich seinwird. 16Auch die Kürzungen bei den Entschädigungen für die Stilllegung von Acker- und Grün-landflächen können wir nicht akzeptieren. Diese Entschädigungen sind für viele Landwir-te überlebenswichtig, insbesondere für diejenigen, die sich auf Eiderstedt für die Grün-landerhaltung im Rahmen des Vertragsnaturschutzes entschieden haben. Zu guter letztlehnt der SSW auch die Senkung der Zweckbindung bei den Einnahmen der Grundwas-serentnahmeabgabe von 75% auf 65% ab. Die Einnahmen der GRUWAG sollen nicht derHaushaltskonsolidierung dienen, sondern gezielt für höhere Entschädigungen bei Nut-zungsbeschränkungen im Rahmen des Vertragsnaturschutzes und des Programms Natu-ra 2000 sowie für forstliche Förderungen genutzt werden. Für den SSW steht fest, dass landes eine aktive Umweltpolitik eine wichtige lande spolitische Aufgabe bleiben muss. noch Den Beweis dafür, dass die Landesregierung dieses auch so sieht, ist sie uns nochschuldig.Auch den Einzelplan 10 sehen wir kritisch. So soll u.a. bei der Aids-Hilfe, der Familienerho-lung und bei den freien Wohlfahrtsverbänden gekürzt werden. Die Höhe der Einsparun-gen rechtfertigt hier nicht den Schaden den diese Kürzungsvorschläge vor Ort anrichten.Ich möchte allerdings ausdrücklich die Bemühungen der regierungstragenden Fraktio-nen loben, bei den Beratungsstellen „Frau und Beruf“ zu einer akzeptablen Lösung zukommen.Der Hauptgrund dafür, dass der SSW den Einzelplan 10 ablehnt, hängt aber inhaltlichgesehen mit Artikel 8 des Haushaltsstrukturgesetzes und der damit verbundenen Neu-ordnung des SGB XII – also der Eingliederungshilfe – zusammen. Es geht um 600 Mio.Euro im Bereich der Neuordnung der Eingliederungshilfe. 17Grundsätzlich ist es zwar richtig, die Eingliederungshilfe für Behinderte an die Kommu-nen zu übertragen, weil so die Entscheidungs-, Durchführungs- und Finanzverantwor-tung in einer Hand liegt. Dennoch sehen wir den vorliegenden Entwurf der Landesregie-rung kritisch. Zum einen ist es problematisch, dass es im Gesetzesentwurf keine landes-weiten Standards gibt, weil damit keine einheitliche Leistungsgewährung der Eingliede-rungshilfe die behinderten Menschen gesichert ist. Zum anderen teilen wir die Kritik,dass die Finanzierung der Kommunalisierung in Teilen nicht gesichert ist.So sieht es zumindest der Schleswig-Holsteinische Landkreistag, der in seiner Stellung-nahme den jetzigen Gesetzentwurf ablehnt. Der Landkreistag verweist darauf, dass derwahrscheinliche Kostenzuwachs im ambulanten Bereich der Eingliederungshilfe ohnejede Risikobegrenzung zum Ruin der Kreishaushalt führen würde. Aufgrund der dramati-schen Haushaltslage haben die Kreise bereits heute einen flächendeckenden Einstel-lungs- und Beförderungsstopp. Eine Durchführung zusätzlicher Aufgaben durch dieKreisverwaltungen wäre ohne entsprechenden Ausgleich der Personalkosten nicht mög-lich.Da das SGB XII erst am 1.1.2007 in Kraft treten soll, wäre es aus Sicht des SSW am ver-nünftigsten, wenn man das Gesetzgebungsverfahren erst einmal vertagen würde, dieLandesregierung gemeinsam mit allen kommunalen Landesverbänden eine Lösung desKostenausgleichs herbeiführen kann. In diesem Sinne hat sich Ministerpräsident PeterHarry Carstensen in einem Brief an den Landkreistag zwar auch geäußert, aber anstattnachzubessern, wäre es doch in diesem Fall besser vorzusorgen. Es geht schließlich umdie Belange unserer behinderten Mitbürgerinnen und Mitbürgern, auf deren Rücken wirdiesen Streit auf keinen Fall austragen dürfen. Wi r lehnen Artikel 8 des Haushalts- Wir Haushalts- 18strukturgesetzes strukturgesetzes in seiner jetzigen Form ab und werden damit dem Einzelplan 10nicht zustimmen.Ich fasse zusammen: der SSW wird bei der Schlussabstimmung dem Gesamthaushaltfür 2006 zustimmen. Das ist keine Entscheidung, die wir per Knopfdruck abberufenhaben – etwa nach dem Motto, dass dies ein gewohnheitsrecht sei. Lassen Sie michdaher zuletzt noch einmal die dänische Karte spielen: gestern hat das dänische Folketingnach zum Teil sehr kontroversen Debatten den Haushalt für das kommenden Jahr be-schlossen – mit großer Mehrheit; also auch mit dem Stimmen der größten Oppositions-partei. Dieser guten skandinavischen Tradition schließt sich der SSW trotz einiger Bauch-schmerzen an.