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Anke Spoorendonk zu TOP 17 - Mehrwertsteuererhöhung für Senkung der Lohnnebenkosten
Presseinformation Kiel, den 14.12.2005 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 17 Mehrwertsteuererhöhung für Senkung der Lohnnebenkosten Drs. 16/373Im Grunde ist sich hier im Landtag doch die überwiegende Mehrheit einig darüber, dass eineMehrwertsteuererhöhung nur Sinn macht, wenn man die Einnahmen zu 100% zur Senkung derLohnnebenkosten verwendet. Eine Mehrwertsteuererhöhung darf nicht als Haushaltssanierung„verbraten“ werden, sondern muss für den Umbau des Sozialstaates dahingehend genutztwerden, dass der Faktor Arbeit entscheidend entlastet wird.Das war zumindest noch der Sachstand bei der Debatte des Landtages über dieses Thema im Junidieses Jahres. Auch schon davor – z.B. in 2003 und 2004 – war sich eine breite Mehrheit imLandtag – nämlich SSW, SPD, CDU und die Grünen - immer über die Zielsetzung einerMehrwertsteuererhöhung einig: alles sollte zur Senkung der Lohnnebenkosten verwendetwerden, weil wir die Arbeit in Deutschland billiger machen wollen. 2Von daher ist es klar, dass der SSW dem Antrag der Grünen mehr abgewinnen kann als demAntrag von CDU und SPD, der diese Forderung aus nachvollziehbaren Gründen etwasabgeschwächt hat. Bei CDU und SPD soll die Anhebung des Mehrwertsteuersatzes dieLohnnebenkosten nur noch spürbar senken. – Soll heißen: das erzielte Aufkommen soll ebennicht zu 100% für eine Senkung der Lohnnebenkosten verwendet werden. Der Grund diesesSinneswandels liegt in den Verhandlungen zum Koalitionsvertrag der Großen Koalition aufBundesebene.Aus Sicht des SSW muss man den erzielten Berliner Kompromiss in der Frage der Mehrwert-steuererhöhung als schwach charakterisieren. Vielleicht lag das ja auch an den völlig gegen-sätzlichen Positionen im Wahlkampf, wo die SPD - sehr populistisch - eine Erhöhung derMehrwertsteuer als „Merkel-Steuer“ verunglimpft hatte. - Und dies, obwohl fast alle Akteurewussten, dass eine Anhebung der Mehrwertsteuer so oder so kommen würde. Schließlich liegtdie Bundesrepublik mit ihrem 16% - Mwst-Satz am unteren Ende des europäischenDurchschnitts.Die Große Koalition unter Bundeskanzlerin Merkel plant jetzt, dass die Mwst ab dem 1.1.2007 um3% erhöht werden soll. Allerdings soll von den Einnahmen nur ein Drittel zur Senkung derLohnnebenkosten verwendet werden, während zwei Drittel jeweils zur Haushaltskonsolidierungvon Bund und Ländern genutzt werden sollen. Gleichzeitig soll der Rentenbeitrag ab dem 1.1.2007etwas angehoben werden. Bei allem Verständnis für die Interessen der Finanzminister greift eineNettosenkung der Lohnnebenkosten von nur 0,6% bei gleichzeitiger Erhöhung derMehrwertsteuer um 3% viel zu kurz und ist wirtschaftlich kontraproduktiv.Das Deutsche Institut für Wirtschaftsförderung hatte noch im Frühjahr errechnet, dass eineSenkung der Lohnnebenkosten um 1%-Punkt bei maßvoller symmetrischer Erhöhung der MWSTbis zu 100.000 neue Arbeitsplätze gerade in den lohnintensiven Wirtschaftsbereichen schaffen 3könnte. Wenn aber jetzt die MWST um einen Schlag auf 3% erhöht wird, dürfte dieser Effekt nachAnsicht aller Experten ausbleiben. Im Gegenteil: die Konjunktur könnte davon Schaden nehmen.Das sagt ja sogar der neue Bundesfinanzminister Steinbrück. Die Politik der neuenBundesregierung basiert im Grunde auf die vage Hoffnung, dass in 2006 der Aufschwungkommt und wir uns deshalb diese Mwst-Erhöhung ab 2007 leisten können. Eine ziemlichenttäuschende und kurzsichtige Perspektive für ein Bündnis, dass doch so viel Macht hinter sichvereinigt.Vor diesem Hintergrund würde es der SSW begrüßen, wenn die große Mehrheit des Schleswig-Holsteinischen Landtages bei ihrer bisherigen Haltung bleibt und ein klares Signal in RichtungBerlin schickt: dass nämlich eine Mehrwertsteuererhöhung nur vernünftig ist, wenn das gesamteAufkommen zur Senkung der Lohnnebenkosten verwendet wird.