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16.12.05 , 17:25 Uhr
SPD

Dr. Henning Höppner zu TOP 44: Milchquotensystem öffnen, Chancen für Schleswig-Holstein verbessern

Sozialdemokratischer Informationsbrief

Kiel, 16.12.2005 Landtag Es gilt das gesprochene Wort! Sperrfrist: Redebeginn aktuell
TOP 44 - Situation und Entwicklung des Milchmarkts

Dr. Henning Höppner:

Milchquotensystem öffnen, Chancen für Schleswig-Holstein verbessern

Während des Landesbauerntages im September dieses Jahres haben einige Milchvieh- betriebs-Inhaber vor der Deula-Halle ein sehr eindruckvolles Vergleichsbeispiel demonst- riert. Da stand ein Karton mit 10 Ein-Liter-Milch-Packungen zu einem Preis von 5,50 € neben einem 12-Kasten Mineralwasser zu Preis von 5.99 €. Das ist nicht angemessen und nicht hinzunehmen, wenn man über die Produktionskosten beider Produkte nach- denkt. Ehrlicherweise muss man derzeit aber auch feststellen, dass es auf dem Mineral- wassermarkt eine ähnliche Entwicklung wie bei der Milch gibt. Dort, wo die Milch für 55 Cent verkauft wird, kosten auch 1,5 Liter Mineralwasser nur noch 19 oder 22 Cent.

Die Erzeugerpreise für Milch werden kaum noch durch die Auszahlungspreise ge- deckt. Wir haben uns vor diesem Hintergrund dazu entschlossen, von der Landesregie- rung einen Bericht zur Situation und Entwicklung des Milchmarktes zu erbitten und dar- zustellen, mit welchen Maßnahmen die Milchauszahlungspreise stabilisiert und angeho- ben werden können.

Dieser Bericht liegt uns dankenswerterweise heute vor und gibt wertvolle Informationen. Gleichzeitig liegt uns seit einigen Tagen auch der Wirtschaftsbericht des landwirtschaftli- chen Buchführungsverbandes vor. Insofern haben wird umfangreiches Zahlenmaterial zur

Schleswig- Holstein

Herausgeber: SPD-Landtagsfraktion Verantwortlich: Petra Bräutigam Landeshaus Postfach 7121, 24171 Kiel Tel: 0431/ 988-1305/1307 Fax: 0431/ 988-1308 E-Mail: Internet: pressestelle@spd.ltsh.de www.spd.ltsh.de SPD -2-



Entwicklung des Milchmarktes in Schleswig-Holstein. Die Handlungsfelder, meine Damen und Herren, die wir beeinflussen können, liegen auf den Gebieten: o Veränderung des deutschen Quotensystems, o Verbesserung der Erzeugersituation, o Verbesserung des Absatzes.

Voraussichtlich zwischen 2013 und 2015 wird das bisherige Quotensystem auslaufen. Umso wichtiger ist es jetzt, das heutige System im Hinblick auf mehr Wettbewerb auszurichten und Hemmnisse abzubauen. Dies gilt vor allem für den starken Milchpro- duktionsstandort Schleswig-Holstein. Daher begrüße ich die Bundesratsinitiative des Landwirtschaftsministers für den Vorschlag, Milchquotenpreise bundesweit zu handeln und die Meiereisaldierung abzuschaffen. Dadurch können die heute hohen Milchquo- tenpreise in Schleswig-Holstein gesenkt sowie Markttransparenz und Abgabengerech- tigkeit erhöht werden.

Der Erfolg unserer Milcherzeuger, die mit einem Drittel zum landwirtschaftlichen Produk- tionswert von 2,71 Mrd. € beitragen, beruht auf günstigen Standortfaktoren, hohem Aus- bildungs- und Bewirtschaftungsstand und guter Betriebsstruktur. Ein Trend wird sich hier- bei wohl generell weiterentwickeln: Es wird immer mehr Milch von immer weniger Kühen geben. Wohin die Entwicklung in der Milchwirtschaft gehen kann, zeigt auch ein Vergleich mit unseren Nachbarländern Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg.

Ein Milchviehbetrieb bei uns hat durchschnittlich 66 Kühe und 82 ha Fläche, in den eben genannten Ländern durchschnittlich schon 197 Kühe und 183 ha Fläche und die durch- schnittliche Milchleistung liegt dort um 10 % über den Leistungen in Schleswig-Holstein, rund 7.200 kg pro Kuh bei uns, rund 1.000 kg pro Kuh mehr in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Allerdings bei einem erheblich höheren Kraftfutteraufwand pro Kuh als bei uns in Schleswig-Holstein. -3-



Unsere Betriebe müssen daher weiter in ihrem Wachstumstrend durch Investitionsför- derung gestützt werden, der Ausbildungsstand und der betriebliche Fortschritt muss weiter entwickelt werden,

Der Absatz der Milch erfolgt über unsere genossenschaftlich organisierten Meiereien. Diese sind noch zu kleinteilig organisiert, um gegenüber der Handelsmacht der gro- ßen Lebensmittelketten ihre Preisforderungen durchzusetzen. Hier besteht weiter Anpas- sungsbedarf über Fusionen oder Kooperationen, der durch Maßnahmen der Investitions- förderung seitens der Landesregierung gestützt werden muss.

Daneben müssen neue Absatzwege gesucht werden. Hier ist im Veredelungsbereich über die wachsenden Märkte für z.B. Käse und Joghurt, aber auch in regionalen Ver- marktungsformen bis hin zu Auslandsmärkten noch viel Wachstumspotential vorhanden. Auch hier muss die Landesregierung die bestehenden Hilfen, wie Vermarktungshilfen, Gütezeichen und Förderung von Messebeteiligungen erhalten.

Den Milchviehbetrieben Schleswig-Holsteins, das zeigt zumindest die Auswertung des landwirtschaftlichen Buchhaltungsverbandes, geht es finanziell immer noch besser als vielen reinen Ackerbaubetrieben oder anderen gemischten Betriebsformen. Auch in der derzeit schwierigen Lage bin ich mir sicher: Die Milchwirtschaft wird in Schleswig-Holstein ein leistungsstarker Bereich bleiben und sich im Wettbewerb langfristig erfolgreich positi- onieren!

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