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Lars Harms zu TOP 7 - Ablehnung des integrierten Börsengangs der Bahn
PresseinformationKiel, den 22.02.2006 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 07 Ablehnung des integrierten Börsengangs der Bahn Drs. 16/560Der SSW hat die Bahnreform von Anfang an trotz erheblicher Kritik konstruktiv begleitet. Für unswar das Ziel der Reform, die vorhersehbaren nationalen und internationalen Verkehrszuwächseim Personen- und Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern, das ausschlaggebende Argument.Mit der Reform sollten aber auch die für uns nicht beeinflussbaren Vorgaben der EuropäischenUnion, hin zu mehr Wettbewerbsfähigkeit, Gleichstellung mit den anderen Verkehrsträgern undein diskriminierungsfreier Zugang zum Schienenverkehrsmarkt erfüllt werden.Darüber hinaus wurde aber auch das Ziel verfolgt, dass die Bahn sich nach wirtschaftlichen undunternehmerischen Prinzipien am Markt behaupten soll. Somit ist der Börsengang der Bahn einelogische Konsequenz der Reform. Auch wenn wir diese Entscheidung immer noch Kritisch sehen.Nun wissen wir, dass es für den Börsengang der Bahn fünf Modelle gibt. Dies ist zumindest dasErgebnis des Gutachterkonsortiums, das etwaige Privatisierungsvarianten – mit den jeweiligen 2Vor- und Nachteilen – herausgearbeitet hat. Die Organisationsmodelle reichen von der Beibehal-tung des integrierten Konzerns über verschiedene Mischmodelle bis hin zur völligen Trennungvon Infrastruktur und Verkehrsunternehmen. Untersucht wurden hierbei verkehrs-, haushalts-und finanzpolitische Konsequenzen der verschiedenen Modelle. Diese wurden dann ergebnisof-fen in einer Tabelle gegenübergestellt. Grundsätzlich gilt für alle Modelle, dass sie börsentaug-lich sind.Aus einem ergebnisoffenen Gutachten, kann natürlich jeder das herauslesen, was ihm speziellgefällt. Bemerkenswert hierbei ist jedoch, dass jetzt nur zwei Optionen in der politischen Land-schaft debattiert werden; das „integrierte Modell“ und das „getrennte Modell“.Aus Sicht von Herrn Mehdorn, als Chef des Bahnkonzerns, kann ich gut verstehen, dass er dasintegrierte Modell bevorzugt. Schließlich möchte er schnellst möglich privatisieren und einwirtschaftlich leistungsfähiges Unternehmen an der Börse präsentieren, das dann auch dengrößtmöglichen Gewinn garantiert. Diese Zielrichtung lässt nur das integrierte Modell zu.Nachvollziehen kann ich auch die Kritik der Gewerkschaft Transnet, die zum einen den Börsen-gang generell in Frage stellt und hierbei lieber den Bund weiterhin der Verantwortung sieht unddie zum anderen mehrere tausend Arbeitsplätze bedroht sieht, wenn es zu einer Aufspaltungvon Netz und Betrieb kommt.Demgegenüber haben wir aber auch das getrennte Modell, das sich in dem Gutachten als sehrvorteilhaft für weiteren Wettbewerb herausgestellt hat und somit im Interesse der Kunden liegt.Zu diesem Ergebnis ist auch eine Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertages unddes Bundesverbandes der Deutschen Industrie gekommen, die von Unternehmensberatern undBanken erstellt wurde. Demnach ist der integrierte Börsengang kein geeignetes Mittel, um mehrVerkehr auf die Schiene zu verlagern und für mehr Wettbewerb zu sorgen. Dort wird empfohlendas Netz aus dem Konzern heraus zu lösen und in eine eigene Gesellschaft in Staatsbesitz zu 3überführen. Erst dann sollten die Transporttöchter privatisiert werden. So das Gutachten aus derWirtschaft.Diese Forderung findet auch unsere Unterstützung. Und der Schleswig-Holsteinische Landtaghat schon früher gefordert, dass die Schieneninfrastruktur in öffentlicher Hand verbleiben mussund nach Möglichkeit in regionale Verantwortung übergehen werden muss. Nur durch die Ab-kopplung der Infrastruktur aus dem Mutterkonzern bekommen wir mehr Wettbewerb und einbreiteres Angebot auf der Schiene. Und nur so können wir gewährleisten, dass alle zu den glei-chen Bedingungen auf den Strecken fahren. Somit herrscht auf der Schiene Waffengleichheit.Denn was würde passieren, wenn die Bahn samt Netz an die Börse geht und auf einmal wirklichden marktwirtschaftlichen Bedingungen ausgesetzt wird – ohne dass der Bund immer wiederMilliarden nachschießt? Dann ist natürlich jegliche Konkurrenz der Bahn ein Dorn im Auge. Wiedie Konditionen für die Nutzung der Schienen dann ausgestaltet werden, kann sich jeder ausma-len. Wir können nicht auf der einen Seite sagen, dass wir die Bahn in einem marktorientiertenWettbewerb sehen wollen, aber gleichzeitig geben wir ihr das Monopol für die Schienen mit andie Hand. Hier muss man schon ehrlich bleiben.Schleswig-Holstein als Flächenland kann daher nur ein Interesse haben. Das Erfolgsmodell derRegionalisierung, wie wir es bisher haben, muss fortgesetzt werden und dies kann nur mit demgetrennten Modell geschehen. Die Kapitalmarktfähigkeit der Bahn ist das Eine, aber für uns stehtdie Wettbewerbsfähigkeit und Kundenorientierung an vorderster Stelle.