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Lars Harms zu TOP 19 & 32 - Schleswig-Holstein soll Vorreiter in der palliativmedizinischen Versorgung werden
PresseinformationKiel, den 23.02.2006 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 19/23 Schleswig-Holstein soll Vorreiter in der palliativmedizinischen Versorgung werden Drs. 16/496Auch ich möchte mich natürlich für die gute Zusammenarbeit und für den Bericht derLandesregierung bedanken. Der Bericht gibt eine gute Grundlage, um gemeinsam auf diesemFeld weiterarbeiten zu können. Die Reden meiner Vorredner haben deutlich gemacht, dass dasThema nicht für eine harte politische Auseinandersetzung taugt und dass die Unterschiede inden Vorstellungen aller Parteien nicht so groß sind, als dass sie unüberwindbar erscheinenmüssen. Ich glaube, wir haben hier ein Projekt für das Land Schleswig-Holstein, das gemeinsamumgesetzt werden muss und bei dem wir deutlich machen können, dass Politik durchaus in derLage ist, gemeinsame Zielsetzungen zu erarbeiten.Der Bericht selber macht deutlich, dass wir im Land Schleswig-Holstein, was die Palliativmedizinund Hospizversorgung angeht, nicht schlecht dastehen, wenn wir uns mit den anderenBundesländern vergleichen. Das soll uns zwar nicht zufrieden stellen, aber auch deutlich machen,dass durchaus in den vergangenen Jahren etwas geschehen ist, auf das wir nun aufbauenkönnen. Wir haben ja nun vor kurzem unser erstes Gespräch zwischen den sozialpolitischenSprechern der Fraktionen und der Sozialministerin und deren Mitarbeitern gehabt und uns auf 2einen konkreten Weg geeinigt, wie wir uns zukünftigen Lösungsansätzen nähern wollen. Ichglaube, dass die Einbeziehung der Verbände und das regelmäßige Zusammentreffen vonMinisterium und Abgeordneten genau der richtige Weg ist, um auch zu schnellen Lösungen zukommen.Es sei mir aber trotzdem gestattet, dass ich auch als regionaler Abgeordneter der Westküste aufeinen Punkt aufmerksam mache, der schon jetzt durch den Bericht deutlich geworden ist. Impalliativmedizinischen Bereich gibt es einen noch nicht gedeckten Bedarf an der Westküste. Dieshat man auch am Klinikum Nordfriesland festgestellt und sieht auch dort die Notwendigkeit,diese Versorgungslücke zu schließen, zumal man sich dort auch gerade einen Schwerpunkt in derGeriatrie eingerichtet hat. Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll, diesen Schwerpunkt mitder Palliativmedizin zu kombinieren – auch wenn ich natürlich weiß, dass die ältere Generationnur ein Teil der zu betrachtenden Gruppen ist. Trotzdem glaube ich, dass so auch einniedrigschwelliges Angebot für eine größere Gruppe von Betroffenen geschaffen werden kann.Betrachtet man die derzeitig vorhandene Konstellation am Klinikum in Husum, so kann manfeststellen, dass dort im Bereich der Onkologie und Schmerztherapie schon Strukturenvorhanden sind, die die Erweiterung auf einen Schwerpunkt Palliativmedizin möglich machen.Auch die psychologisch-medizinische Betreuung kann dort bereitgestellt werden, wenn einsolcher Schwerpunkt eingerichtet werden sollte. Wichtig ist aber, dass ein entsprechendesKonzept erstellt wird, wie und auf welcher Basis ein Schwerpunkt Palliativmedizin dort in Husumeingerichtet werden soll. Hier müssen, nach meiner Auffassung, weitere Gespräche zwischenLandesregierung und Klinikträger dazu führen, dass möglichst schnell ein solches Angebot amKlinikum Nordfriesland eingerichtet werden kann. Einen großen Vorteil haben wir im Übrigendabei. Man plant in Nordfriesland an einer umfassenden Umstrukturierung der Kliniken – nichtnur inhaltlicher, sondern auch baulicher Art. Das führt natürlich automatisch dazu, dass mangerade dort noch alle Optionen offen hat, ein besonders attraktives Angebot zu schaffen.Deshalb sollte man gerade in Husum die Gespräche sehr intensiv führen.Ich möchte aber deutlich machen, dass mir nicht daran gelegen ist, nun das gesamtepalliativmedizinische Angebot direkt im Krankenhaus zu konzentrieren. Vielmehr kann man dort 3nur die unterstützenden Strukturen schaffen. Im Regelfall sollte man aber versuchen, dasseigentliche stationäre Angebot eben gerade nicht im Sinne einer Krankenstation zu führen,sondern man muss daran denken, dass es sich hier um ein besonderes Angebot handelt, bei demauch er äußere Rahmen eine wichtige Rolle spielt. Und auch dabei erscheint mir der StandortHusum mit seinem äußeren Rahmen rund um das Krankenhaus sehr gut geeignet.Landesweit haben wir aber auch noch weitere Baustellen zu beackern. So kann ich mirbeispielsweise sehr gut vorstellen, dass man versucht, Synergieeffekte zwischen Angeboten derPalliativmedizin und der allgemeinen Schmerztherapie zu schaffen. Beides sind Bereiche, die sichin der Weiterentwicklung befinden und in denen es Überschneidungen gibt. Da bietet es sichmöglicherweise in Einzelfällen an, Fachwissen und Infrastruktur gemeinsam zu nutzen und einendoppelten Schwerpunkt an einzelnen Standorten zu setzen. Das sind allerdings Fragen, die in derkonkreten Umsetzung eine Rolle spielen und die sicherlich heute nicht zu Ende diskutiert odergar allgemeingültig beantwortet werden können. Hier wird es Entscheidungen von Fall zu Fallgeben.Wir sind uns aber auch, glaube ich, darüber einig, dass die ambulante Versorgung derBetroffenen einer stationären Versorgung vorzuziehen ist. Deshalb muss man zwar dezentralstationäre und medizinisch-psychologische Angebote vorhalten, aber noch viel wichtiger ist dieflexible ambulante Versorgungsmöglichkeit. Deshalb kommt den palliativmedizinischen Care-Teams eine wichtige Bedeutung zu. Wenn wir es schaffen, hier ein dichtes Netz solcher Teamsaufzubauen, wird man in Schleswig-Holstein in der Lage sein, so lange wie möglich in seinergewünschten Umgebung zu bleiben. Gerade bei der Einrichtung von neuen Care-Teams wird esdarauf ankommen, die Ehrenamtlichkeit mit einzubinden und für einen ständigen Austausch zusorgen. Dieser Austausch findet natürlich auch schon jetzt statt und es gibt natürlich auch schonsehr viele ähnliche Maßnahmen, die jetzt schon durchgeführt werden. Aber bei jeder neuenorganisatorischen Veränderung muss man auch immer wieder daran denken, dass mandiejenigen, die ehrenamtlich im Hospizwesen tätig sind, mit einplant und mit einbindet.Ein zweites Thema, neben der Veränderung der ambulanten und stationären Struktur, wärenoch: Ausbildung und Forschung. Wer einmal betrachtet, was das Thema Palliativmedizin und 4Hospizversorgung alles ausmacht, wird sehr schnell feststellen, dass es sich hier um ein sehrbreites Feld handelt. Es geht um Schmerztherapie, um die Linderung von bestehenden Leidenund Krankheiten bei den Patienten, um die besonders wichtige psychosoziale Betreuung vonPatienten und deren Angehörigen und es geht beispielsweise auch um Beherbergungs-einrichtungen und Wohnmöglichkeiten für die Betroffenen und ihre Angehörigen oder Freunde.Das heißt, hier greift ein ganzheitlicher und interdisziplinärer Ansatz, der sich auch in derAusbildung von Ärzten und Pflegekräften und in der Forschung an den Hochschulen wiederfinden muss. Ein Bereich, der immer noch sehr neu ist und der sicherlich auch hier im LandSchleswig-Holstein weiter fortentwickelt werden muss.Dabei gibt es zwei Ansätze: Einerseits, die Ausbildung der Ärzte entsprechend zu ergänzen undandererseits eine eigene Studiendisziplin zu etablieren. Was die Ausbildung der Ärzte angeht,wird schon einiges getan, aber wir können feststellen, dass immer noch viele Möglichkeitenbestehen, die Ausbildung zu ergänzen. Das ist nicht einfach und viele andere Bundesländerhaben in der Hochschulausbildung ihrer Ärzte die gleichen Probleme wie wir. Trotzdem bleibt eseine Aufgabe für die Zukunft und auch hier erhoffe ich mir für die nächsten Jahre einen Schubdurch die Diskussionen, die wir jetzt gerade führen. Ich verstehe den Antrag der FDP so, dass manauch gerade hier ansetzen will, aber noch einen Schritt weitergehen möchte.Neben der medizinischen Ausbildung ergänzt durch palliativmedizinische Angebote, muss esauch einen regelrechten eigenen Schwerpunkt für die Palliativmedizin geben. Das heißt,Elemente der Palliativmedizin, die nicht nur von Krankenpflege und Schmerzlinderung handeln,müssen in Schleswig-Holstein etabliert werden. In Flensburg hat man hier eine gute Basis. An derUni Flensburg, am dortigen Institut für Psychologie, wird Gesundheitspsychologie undGesundheitsbildung gelehrt. Dabei geht es unter anderem gerade darum, aufzuzeigen, wie mandie Gesundheit und das Wohlbefinden durch vielschichtige Maßnahmen – nicht medizinischerArt – positiv beeinflussen kann. Diese Forschung in Flensburg hat gerade auf die palliativ-medizinische Versorgung und deren Erfolge einen hohen Einfluss gehabt. Daher wäre es sinnvoll,gerade diesen Studiengang in Flensburg besonders ins Auge zu nehmen, wenn es darum geht,besonders für die Palliativmedizin relevante Studiengänge zu stärken oder auch zu ergänzen.