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Anke Spoorendonk zu TOP 10: Fußball-WM 2006: Rote Karte für Zwangsprostitution
PresseinformationKiel, den 23.02.2006 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 10 Fußball-Weltmeisterschaft 2006: Rote Karte für Zwangsprostitution Drs. 16/568Es gibt keine automatische Verbindung zwischen Fußballfans und Freiern. Das möchte ichvorweg schicken. Sicherlich gilt aber auch bei der Fußball-WM das alte Sprichwort: Gelegenheitmach Diebe. Wenn tausende Fußballfans im Land erwartet werden, frohlockt eben nicht nur dieGastronomie, auch die Zahl der Besuche bei Prostituierten wird steigen. Das ist übrigens beijeder überregionalen Messe nicht anders.Das Thema „Menschenhandel und Zwangsprostitution“ ist somit kein neues Thema, auch wennes im öffentlichen Raum immer noch eher verschämt zur Sprache gebracht wird. Schon imletzten Jahr verabschiedete der Deutsche Frauenrat dazu eine Resolution, die aus Sicht des SSWweiterhin Maßstab der Auseinandersetzung mit diesem Thema sein sollte. Auch der SSW trittdafür ein, dass Prostitution und Zwangsprostitution getrennt zu betrachten sind. DieErrungenschaften des Prostitutionsgesetzes des Deutschen Bundestages, das die Rechte vonProstituierten stärkt, gilt es also zu wahren. Gleichzeitig müssen aber die Maßnahmen zumSchutz der Opfer von Menschenhandel deutlich gestärkt werden. Dazu gehören laut Frauenrat 2u.a. verbesserte Zeuginnenschutzprogramme, ein sicheres Bleiberecht, psychosoziale Hilfen unddie finanzielle Absicherung entsprechender Beratungsstellen sowie die Gewährung vonAusbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten. Erforderlich sind auch Präventionsmaßnahmen in denHerkunftsländern. Die Forderung nach genereller Bestrafung von Freiern birgt auch unsererMeinung nach die Gefahr der Kriminalisierung von Prostitution und Prostituierten. Zu prüfen istdaher auch, ob die Forderung, Freier dann zu bestrafen, wenn ihnen bekannt wird, dass die vonihnen aufgesuchte Prostituierte Opfer von Menschenhändlern ist, tatsächlich strafrechtlichungesetzt werden kann.Vor diesem Hintergrund bin ich besonders froh, dass sich auch der Schleswig-HolsteinischeLandtag einmütig die Fußball-Weltmeisterschaft zunutze macht, die Öffentlichkeit für diesesThema zu sensibilisieren. Das gilt besonders, weil Schleswig-Holstein gar nicht zu denAustragungsorten der Weltmeisterschaft gehört. Aber im Hamburger Randgebiet werden nichtnur jede Menge Fans Obdach finden, sondern auch die kriminellen Banden ihr Betätigungsfeld.Wir sind also durchaus betroffen.Zwangsprostitution und Menschenhandel florieren im Dunkeln. Je mehr darüber bekannt ist,desto geringer werden die Chancen der internationalen Banden, die das Geschäft kontrollieren.Ist die Öffentlichkeit mobilisiert, wächst der Druck auf die Straftäter.Über Frauen zu sprechen, die unter falschen Versprechungen ins Land gelockt oder geschleustwurden und hier ihrer Papiere beraubt zur Prostitution gezwungen werden, ist das eine. Es istaber etwas ganz anderes, konkret dem Problem zu begegnen, also die Möglichkeiten für dieBanden zu verringern, Räume oder Wohnungen zu mieten - und so weiter.Diese konkreten Maßnahmen haben Frauenrat und die angeschlossenen Frauenorganisationenjetzt ins Visier genommen. Potenzielle Freier werden durch die Kampagne aufgeklärt, so dass sieihr Verhalten ändern. Die Freier bilden das Rückgrat für massive Menschenrechtsverletzungen inDeutschland, indem sie mit ihrem Geld das System der Ausbeutung und Freiheitsberaubungstabilisieren. Wenn das eingeschränkt wird, ist das ein großer Sieg für die Kampagne: Kein Geld,kein Verdienst. 3Die ganze Aktion nimmt dabei auch den Deutschen Fußballbund in die Pflicht, der sich zunächstetwas geziert hat, aber jetzt mit den Organisatorinnen an einem Strang zieht. Die Spieler derNationalmannschaft sind als nationale Sympathieträger besonders glaubwürdig. Geißeln sie dieZwangsprostitution, kann man von einem erheblichen Effekt ausgehen.Dennoch ist es gut, dass es Anfang des Monats auch einen Runden Tisch zum ThemaMenschenhandel und Zwangsprostitution gegeben hat, denn wichtig ist, dass es auch zu einemgemeinsamen Vorgehen von Bund und Ländern kommt. – Nur so ist gewährleistet, dass –nachhaltig – über den Zeitpunkt der WM gedacht wird. Teil dieser Strategie ist daher auch dieenge Kooperation zwischen den zuständigen Polizeien und den Fachberatungsstellen.Ich fasse zusammen: Es geht nicht darum, die Opfer zu stigmatisieren, sondern dafür zu sorgen,dass sich Zwangsprostitution nicht mehr lohnt. Die Öffentlichkeit spielt bei einer solchenKampagne eine wichtige Rolle. Und die Fußball-WM ist die beste Gelegenheit, das Thema einerbreiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.