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Lars Harms zu TOP 14 - Erhöhung der Pauschalabgaben auf geringfügige Beschäftigungsverhältnisse zurücknehmen
PresseinformationKiel, den 22.03.2006 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 14 Erhöhung der Pauschalabgabe auf geringfügige Beschäftigungsverhältnisse zurücknehmen Drs. 16/631Richtig ist ja, wie es die Grünen in der Begründung ihres Antrages formuliert haben, dass es Pläneseitens der Großen Koalition in Berlin gibt die Pauschalabgaben auf die sogenannten Mini-Jobsvon 25 auf 30 Prozent zu erhöhen. Richtig ist auch, dass alle schleswig-holsteinischenLandtagsfraktionen sich gegen eine Erhöhung der Lohnnebenkosten ausgesprochen haben. Dannallerdings hört zumindest die Überstimmung des SSW mit den vorliegenden Antrag der Grünenauf. Denn wir sind der Meinung, dass die Forderung sich gegen die Erhöhung der Pauschal-abgaben auf geringfügig Beschäftigte auf Bundesebene auszusprechen in dieser Sache etwas zukurz greift. Ich will das gerne im Einzelnen erläutern.Der SSW ist nie ein großer Freund der Mini-Jobs gewesen, weil wir der Meinung waren, dass dieSozialkassen durch diese Regelungen einen großen Teil ihrer Einnahmen verlieren und, dass dieMini-Jobs auch von der Arbeitgeberseite zumindest in Teilen ausgenutzt werden können, wennman damit sozialpflichtige Jobs ersetzt. Dennoch will ich zugestehen, dass die Reform der Mini- 2Jobs, die durch eine informelle Große Koalition noch unter Bundeskanzler Schröder durchgesetztwurde, zumindest dazu beigetragen haben, dass ein Teil der Schwarzarbeit wieder wegfiel unddiese Arbeit wieder legalisiert wurde.Das gilt z.B. bei Reinigung- oder Gartenarbeiten im Haushalt. Allerdings hat der starke Anstiegder Mini-Jobs aus Sicht des SSW auch weiterhin den schalen Beigeschmack, dass damit unserenSozialkassen sehr viele Einnahmen entgehen. Denn es gibt jetzt mehrere Millionen Menschen,die einer Arbeit nach diesen Regeln nachgehen und dies sind leider nicht nur Teilzeit-arbeitnehmer oder gering qualifizierte oder langzeitarbeitslose Menschen. Damit hat mansozialversicherungspflichtige Jobs in Billigjobs umgewandelt und den sozialenSicherungssystemen weiteres Geld entzogen.Wenn jetzt die Bundesregierung die Pauschalabgaben auf Mini-Jobs von 25 auf 30% erhöhenwill, ist das ja auch ein Ausdruck dafür, dass sie dieses genauso sieht und dringend dieEinnahmen für die Sozialkassen erhöhen will. Aus meiner Sicht hat das mit der Diskussion überdie Erhöhung von Lohnnebenkosten nicht so sehr zutun, weil es sich ja um geringe Beträgehandelt, die immer noch weit unter den normalen Lohnnebenkosten liegen. Und seien wird dochmal ganz ehrlich: Wenn ein Mini-Jobber in Zukunft statt z.B. 320 Euro dem Arbeitgeber 350 Eurokostet, so kann das angesichts diesen niedrigen Lohnes kaum Auswirkungen auf dieBeschäftigungschancen dieser Arbeitnehmer haben – auch wenn die CDU-Mittelstandsvereinigung aus nachvollziehbaren Eigeninteressen dies anders sieht. Mit diesenMini-Löhnen der Mini-Jobs wird man immer noch jedes sozialversicherungspflichtigeArbeitsverhältnis unterlaufen können, wenn man es will und wenn es sich für den einzelnenUnternehmer rechnet.Also, liebe Kollegen von Bündnis90/Die Grünen. In dieser Frage sollte ihr nicht der CDU-Mittelstandsvereinigung auf dem Leim gehen. Wenn man wirklich die Beschäftigungschancenvon gering qualifizierten und langzeitarbeitslosen Menschen stärken will, gibt es aus unsererSicht eigentlich nur ein wirksames Mittel: mehr Ausbildung, mehr Weiterbildung und mehr 3Qualifizierung. Mit weiteren Lohn-Dumping oder noch billigeren Mini-Jobs für die Arbeitgeberkommt man nicht wirklich weiter, sondern dreht die Lohnspirale noch weiter nach unten.Wir wollen die Diskussion als SSW so nicht mehr weiterführen. Wenn man einmal anfängtflächendeckend und pauschal an der Lohnspirale nach untern zu drehen, hat man schon verloren.Wer sich auf die Diskussion einlässt, dass schon bei Mini-Jobs mit Mini-Löhnen die Spirale auf dasniedrigste Niveau zu drehen ist, der sagt damit letztendlich nur, dass man auch selbst derMeinung ist, dass man im Wettbewerb nur über den Preis bestehen kann. Genau dieser Meinungsind wir nicht. Gegen Billiglöhne aus Fernost und Osteuropa werden wir so nicht konkurrierenkönnen.Deshalb ist der Ansatz, schon bei der Erhöhung der Pauschalabgaben auf Mini-Löhne zu meinen,dass diese Löhne dann nicht mehr konkurrenzfähig sind, ein falscher Ansatz. Diese Mini-Löhnesind weit billiger als sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Und sie sollten eigentlichhauptsächlich dazu dienen, dass durch Aus- und Weiterbildung die betroffenen Personen in dieLage versetzt werden, wieder in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu kommen.Und darüber hinaus sollen sie privaten Arbeitgeber, die beispielsweise Haushaltshilfen mitwenigen Stunden beschäftigen, in die Lage versetzen, ein legales Arbeitsverhältnis mit seinemMitarbeiter zu begründen. Hierfür kann durchaus auch ein Satz von 30% in Ordnung sein. Aufjeden Fall darf man aber nicht Fehler machen und meinen, dass wir den Niedrigstlohnsektor mitMinimallöhnen stärken und damit unsere ökonomischen Probleme lösen und dieHerausforderungen für unsere Sozialversicherung bewältigen können. Das ist definitiv einIrrglaube. Deshalb wird der SSW dem Antrag von Bündnis90/Die Grünen nicht zustimmenkönnen.Deshalb wird der SSW dem Antrag von Bündnis90/Die Grünen nicht zustimmen können.