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Lars Harms zu TOP 36 - Raumordnungsbericht Küste und Meer
PresseinformationKiel, den 23.03.2006 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 36 Raumordnungsbericht Küste und Meer 2005 Drs. 16/551Mit dem Raumordnungsbericht Küste und Meer 2005 legt die Landesregierung zum ersten Maleinen Bericht vor, der eine umfangreiche Informationsgrundlage für die Küsten- und Meeresbe-reiche des Landes bietet.Anlass hierfür ist ein Beschluss der Ministerkonferenz für Raumordnung von 2001, wo beschlos-sen wurde, den Küstenländern durch die Ausweitung der Raumordnung auf den Meeresbereichmehr raumordnerische Kompetenzen einzuräumen. Die Länder Mecklenburg-Vorpommern undNiedersachsen sind diesem Beschluss bereits nachgekommen und haben mittlerweile verbindli-che raumordnerische Aussagen in ihren Landesraumordnungsprogrammen für die Küstenmee-resbereiche getroffen. Das heißt, dort wurden die Schularbeiten bereits gemacht.Aus dem Bericht geht hervor, dass eine umfassende Betrachtung und verbindliche Aussage derMeeresnutzung der schleswig-holsteinischen Küstenmeere derzeit weder im Landesraumord-nungsprogramm noch in den entsprechenden Regionalplänen vorliegt. Dies ist ein Versäumnisder Landesregierung und sollte schnellst möglich korrigiert werden. Wenn den Küstenländern 2mehr Kompetenzen in ihren Küstenmeeresbereichen eingeräumt werden, dann sollten wir dieseauch entsprechend nutzen. Schließlich handelt es sich hierbei um raumplanerische Grundlagen,die für alle Planungsträger verbindlich sind.Angesichts der geografischen Lage Schleswig-Holsteins und der enormen Potentiale, die inunseren Küsten und Meeren liegen, ist es gut, dass wir nun einen Bericht haben, der einmaldeutlich macht, was dort alles geleistet wird. So trifft der Bericht Aussagen zu einzelnen Nutzun-gen und Raumansprüchen. Es geht hierbei vom Küstenschutz über Häfen und ihre Hinterlandan-bindung, Naturschutz und Tourismus bis hin zu regenerativen Energien und maritimer Techno-logie – und dies ist nur ein Auszug aus all dem, was die Küsten und Meere hier im Land zu bietenhaben. Der Bericht macht deutlich, wie umfangreich das Spektrum ist und dass die Bereiche derKüsten und Meere ein großes wirtschaftliches und wissenschaftliches Potential für das Landhaben.Die Landesregierung ist laut Landesverfassung verpflichtet, den Landtag über grundsätzlicheFragen der Landesplanung zu unterrichten. Ebenso geht aus dem Landesplanungsgesetz hervor,dass eine Informationspflicht gegenüber dem Landtag besteht. Neben der Darstellung wie sichdie Einwohnerzahlen oder der Wohnungsmarkt in den Regionen des Landes entwickelt habenoder wie die regionale Arbeitsplatzentwicklung verlaufen ist, gehört es zur Aufgabe eines Raum-ordnungsberichtes auch Perspektiven für die Zukunft aufzuzeigen und diese zur Diskussion zurstellen.Der Raumordnungsbericht soll eben nicht nur ein Kompendium – oder ein Statusbericht – dessensein, was bisher gelaufen ist, er hat vielmehr auch die Aufgabe aufzuzeigen, wie sich das Land dieGestaltung der Regionen für die Zukunft vorstellt. Damit wir als Parlament eben über dieseZukunftsgestaltung debattieren können. Dies war schließlich die Intention, als der Gesetzgeberdie Informationspflicht beschlossen hat. Doch dieser Ansatz fehlt meines Erachtens im Raum-ordnungsbericht. Er zeigt eben keine konkreten Handlungsfelder der Zukunft auf. 3Wir wissen, dass es aufgrund der zunehmenden raumordnerischen Nutzungen und Ansprücheim Küsten- und Meeresbereich notwendig ist, diese entsprechend zu beschreiben und zu koordi-nieren. Beispielhaft sei hierbei genannt; der Naturschutz und die wirtschaftliche Nutzung. Hierhat es Probleme gegeben, beispielsweise in der Nationalparkdiskussion und jüngst in der Diskus-sion um die Ausweisung von NATURA 2000 Gebieten.Dass es auch künftig Konfliktpotentiale gibt, darauf weist auch der Bericht hin. Hier sei nurgenannt; Windenergie, Kabeltrassen, Schifffahrt oder Baggerguteinbringung. Aber aus demBericht geht hierzu hervor, dass die genannten Ansprüche ein mehr oder weniger großes Kon-fliktpotential in sich bergen. „Reale Zielkonflikte entstehen daraus jedoch erst, wenn sich poten-tiell unverträgliche Ansprüche räumlich oder zeitlich überlagern.“ Mit anderen Worten; dieLandesregierung wartet ab, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist. Dies ist der falsche Weg.Natürlich lassen sich im Vorfeld nicht alle Nutzungsansprüche bis ins kleinste regeln. Aber dieZielsetzungen des Landes sollten hier jedoch genauer beschrieben werden. Gerade auch unterder Berücksichtigung, dass das Landesraumordnungsprogramm um die Küsten- und Meeresbe-reiche erweitert werden sollte.In Zukunft wird gerade die wirtschaftliche Nutzung der Meere stärker in den Focus rücken. Hier-bei denke ich beispielsweise an die Windkraft im Offshorebereich, die für unser Land von erhebli-cher Bedeutung sein wird. Daher ist es nur folgerichtig, dass die Raumnutzung und die künftigenAnsprüche entsprechend koordiniert und geplant werden. Und dazu gehören eben auch dieKabeltrassen. Wie stellt sich die Landesregierung die Verlegung der Kabeltrassen an Land vor?Soll’s ein Erdkabel oder ein Freilandkabel sein.Oder der Service-Hafen für Offshore-Windparks. Wo soll nach Auffassung der Landesregierungder Offshore-Servicehafen sein - in Husum oder in Esbjerg oder in Cuxhaven? Hier fehlen mir diegenaue Zielsetzung und ein Bekenntnis für einen schleswig-holsteinischen Standort und damitauch die notwendige Planungssicherheit. 4Ein anderes Problem, auf das der Raumordnungsbericht nicht eingeht, ist der gesamte Elbebe-reich. Hier fehlen konkrete Aussagen zur Vertiefung der Elbe, zum Hochwasserschutz an der Elbe,wo plant das Land Sukzessionsflächen oder Überschwemmungsgebiete entlang der Elbe und inwelchen Bereichen der Elbe dürfen künftig noch Gewerbegebiete entstehen? Auf alle diesePunkte geht der Raumordnungsbericht nicht ein.Unterm Strich bleibt festzustellen, dass der Raumordnungsbericht Küste und Meer 2005 keinekonkreten Handlungsfelder und Ziele für die Zukunft nennt. Dies ist äußerst bedauerlich, ange-sichts der Tatsache, dass dieser spezielle Raumordnungsbericht Küste und Meer 2005 eine guteGrundlage, für die Fortschreibung des Landesraumordnungsprogramms und der Regionalplänehätte bilden können. Die Landesregierung hat hier eine Chance vertan.