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Lars Harms zu TOP 39 - Zukunft des Wirtschaftsraumes Brunsbüttel
PresseinformationKiel, den 23.03.2006 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 39 Zukunft des Wirtschaftsraumes Brunsbüttel Drs. 16/640Dass wir heute den Wirtschaftsraum Brunsbüttel besonders betrachten, hat vier Gründe: Erstensgibt es unterschiedliche Auffassungen hinsichtlich von FFH-Gebietsausweisungen an der Elbe,zweitens die Frage nach der Teilhabe von Brunsbüttel an der Offshore-Entwicklung imWindenergiesektor, drittens die Frage nach der Zukunft des Kernkraftwerks und viertens dieFrage nach der Zukunft des Elbe-Hafens.Was das FFH-Gebiet angeht, macht der Bericht deutlich, dass an der Ausweisung kein Wegvorbei geht. Auch wird die Ausweisung nicht zu mehr Verwaltungsverfahren führen, weil dasbetreffende Gebiet ohnehin schon Vogelschutzgebiet ist und weil der Bereich der Elbe aufNiedersächsischer Seite ohnehin schon FFH-Gebiet ist und somit auch unsere Seite daraufRücksicht nehmen muss. Die Ausweisung ist somit schadlos, weil sie am Status-Quo ohnehinnichts ändert. Bei Genehmigungsverfahren zur Neueinrichtung, Änderung oder Erweiterung vonIndustrieanlagen wird die Gebietsausweisung keine Nachteile haben, da nach der Ausweisung jawirtschaftliche Belange durchaus berücksichtigt werden können. 2Im Rahmen dieser Planung wird ein Ausgleich der Interessen durchaus möglich sein. Vielwichtiger ist, dass das Anmeldungsverfahren deshalb so schnell wie möglich abgeschlossenwird, damit man eine rechtliche Grundlage hat, auf der ein Genehmigungsverfahren aufbauenkann. Die schnelle Ausweisung ist somit ein Standortvorteil für den Standort Brunsbüttel. Eindauerhaftes Problem für den wirtschaftlichen Betrieb von Industrieanlagen kann ich nur darinerkennen, dass auch ein Vogelschutzgebiet schon ausgewiesen wurde und hier der Schutzstatusautomatisch höher ist als bei einem FFH-Gebiet. Das heißt, hier ist die Messlatte, dieübersprungen werden muss, ungleich höher.In Bezug auf die Offshore-Entwicklung finden sich kaum Aussagen im Bericht. Und das ist auchlogisch. Beim dauerhaften Service für die Windparks im Meer hat der Standort Husumerhebliche Vorteile gegenüber Brunsbüttel und deshalb wird das Land Schleswig-Holstein nurdann an der Entwicklung teilhaben können, wenn hier der Offshore-Hafen Husum gestützt wird.Aber trotzdem kann ein Element in Brunsbüttel eine wichtige Rolle spielen. Der Standort eignetsich hervorragend, um mit einer Kabeltrasse den zukünftigen Offshore-Windstrom ins Netzweiterzuleiten. Dies wird auch im Bericht deutlich gemacht, aber leider hüllt sich der Bericht inSchweigen, wenn es um die konkreten Maßnahmen der Landesregierung geht, dieseInfrastruktur zu schaffen. Hier ist der Prozess ins Stocken geraten und die Regierung tut nichts,um den Standort Brunsbüttel in dieser Frage zu stärken. Zumindest kann man dem Berichtnichts entnehmen.Der Bericht sagt aus, dass das Kernkraftwerk Brunsbüttel im März 2009 vom Netz gehen wird.Auf diese Tatsache ist man aber anscheinend bei der Landesregierung in keiner Weisevorbereitet. Schon in der letzten Wahlperiode ist von uns darauf hingewiesen worden, dass hierlangfristig Ersatzarbeitsplätze geschaffen werden müssen. Welche Strategien dieLandesregierung dabei verfolgt, bleibt allerdings im Dunkeln. Statt den Menschen mit unnötigenFFH-Debatten und Atomkraftverlängerungsszenarien Sand in die Augen zu streuen, hätte dieLandesregierung Nägel mit Köpfen machen müssen. Was ist aus der groß angekündigten 3Ansiedlung eines Kohlekraftwerkes geworden? Im Bericht finden wir nur noch einen Satz, dassKohlekraftwerke für den Standort Brunsbüttel in Betracht kommen. Welche Erfolge derWirtschaftsminister nach seinen Ankündigungen vorweisen kann, erfahren weder wir noch dieBürgerinnen und Bürger von Brunsbüttel. Das ist eindeutig zu wenig. Von Ankündigungenalleine wird niemand satt – auch nicht in Brunsbüttel.Kommen wir nun zum letzten Punkt: der Zukunft des Elbehafens. Im Bericht wird auf dieKooperation mit Hamburg hingewiesen und man hat den Eindruck, dass eine Elbvertiefungzumindest nicht kritisch gesehen wird. In der Tat ist der Brunsbütteler Hafen von Hamburg nur60 Kilometer entfernt. Aber auch der Weser-Jade-Port ist nicht weit entfernt. Dieser wirdtiefwasserfähig sein. Statt also die Elbe zu vertiefen, was auch erhebliche negativeAuswirkungen auf die Häfen an der Elbe haben kann, sollte man auf eine Zusammenarbeit derHäfen in Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen setzen. Der Wirtschaftsausschuss hatsich in Rotterdam davon überzeugen können, dass dies möglich ist und alle davon profitierenkönnen.Wenn der Standort Brunsbüttel gestärkt werden soll, dann ist dies nur möglich, wenn wir einengemeinsamen norddeutschen Hafen in der Elberegion vermarkten und uns nicht gegenseitigKonkurrenz machen. Aber auch hierzu gibt es keinerlei Aussagen in dem Bericht, obwohl dies fürdie Zukunft Brunsbüttels und unseres Landes sehr wichtig wäre. Hier erwarte ich, dass dieLandesregierung auf Niedersachsen und Hamburg vermittelnd einwirkt, damit wir gemeinsamunsere Wirtschaftsstandorte stärken und trotzdem die ökologisch negativen Auswirkungen sogering wie möglich halten. Das ist möglich, wenn man nur will. Was die Landesregierung hieraber bisher zu bieten hat, ist eindeutig zu wenig.