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Lars Harms zu TOP 3 - PACT-Gesetz
PresseinformationKiel, den 03.05.2006 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 3 PACT-Gesetz Drs. 16/711Als der Innenminister im November letzten Jahres einen Referentenentwurf zum so genanntenPACT-Gesetz vorlegte, war der SSW sehr skeptisch. Natürlich unterstützen auch wir dasprinzipielle Anliegen der Landesregierung, unsere Innenstädte zu stärken. Es ist richtig, denEinzelhandels- und Dienstleistungseinrichtungen in den Innenstädten und in den gewachsenenSiedlungsstrukturen Schleswig-Holsteins neue Instrumente an die Hand zu geben, damit sie ihrePosition im harten Wettbewerb mit den Einkaufszentren, die sich um die Städte herumangesiedelt haben, stärken können.Das „BID-Konzept“, das dem PACT -Gesetzentwurf zugrunde liegt, ist ein solches Instrument,weil es eine Methode ist, die Finanzierung von Stadtmarketingvereinigungen und deren Projektezu verbessern. Das Konzept kann auch dazu beitragen, durch städtebauliche Zielsetzungen eineAttraktivitätssteigerung in einem kleinräumigen Umfeld von Einzelhandel und Dienstleistern zuschaffen. Somit kann die Umsetzung eines solchen Konzeptes zu lebenden Stadtzentren, indenen die Menschen gerne einkaufen, ihre Freizeit verbringen und auch wohnen wollen,beitragen. 2Allerdings sahen wir im November die Große Koalition auf den falschen Weg. Denn imReferentenentwurf wurde noch ohne Not zu viel neue Bürokratie aufgebaut. So gab es einkompliziertes Antragsverfahren und auch die Berechnung der neuen Zwangsbeiträge warundurchschaubar. Dazu kam, dass durch die Einrichtung eines zusätzlichen Aufgabenträgers -und die Aufsicht der IHKn hierüber - eine unnötige Bürokratisierung von Aufgaben aufgebautwurde, die alle Beteiligten im eigenen Interesse erledigen sollten. Dies sollte zwar auf freiwilligerBasis geschehen, aber hätte man sich dazu entschlossen, hätte man eine überbordendeBürokratie bekommen.Nach dem bisherigen Referentenentwurf sind wir dann positiv vom vorliegenden Gesetzentwurfder Landesregierung überrascht worden. Es ist bisher ja äußerst selten passiert, dass die GroßeKoalition sachliche Einwände im Gesetzgebungsverfahren berücksichtigt hat. Aber das ist hierder Fall. Denn dieser Gesetzentwurf ist eine echte Verbesserung gegenüber den bürokratischenund obrigkeitsstaatlichen Lösungen, die uns bisher vorgelegt wurden.So ist es aus Sicht des SSW richtig, den Beteiligten vor Ort im Detail zu überlassen, wie ihreInnenstadt am besten gestärkt werden kann. Das PACT-Gesetz gibt hier nur den finanziellen undrechtlichen Rahmen vor, auf dessen Grundlage die Kommunen dann selbst handeln müssen. Esliegt also in der Hand der Gemeinde- oder Stadtvertretung aktiv zu werden und Beschlüsse zurBildung von privaten Partnerschaften zur Attraktivitätssteigerung einiger Bereiche oderTeilbereiche in abgegrenzten Innenstadtbereichen zu treffen.Die Kommunen bestimmen auf Antrag der lokalen Initiative in einem vom Gesetz vorgegebenenRahmen in einer eigens dafür festgelegten Satzung die Höhe der Abgabe selbst. In einemöffentlich-rechtlichen Vertrag mit der Gemeinde werden die Ziele und Verpflichtungenfestgelegt. Nur wenn mehr als ein Drittel der Betroffenen widersprechen, darf die Satzung nichterlassen werden. Natürlich wird die Höhe der Abgabe immer zu Konflikten führen, besonders beidenjenigen die gar nicht an einer solidarischen Lösung interessiert sind. Allerdings ist es besserdie Höhe der Abgabe den Verantwortlichen vor Ort zu überlassen, als es – wie im Entwurf zum 3BID-Gesetz der Grünen – landesweit vorzugeben, weil die Gemeinde doch mehr über dieVerhältnisse in den betreffenden Bereichen weiß als der Gesetzgeber und daher – hoffentlich -gerechtere Verteilungsmaßstäbe finden kann.Unlogisch erscheint uns allerdings, weshalb Freiberufler und Gewerbetreibende von vornhereinvon den PACT-Bestimmungen befreit werden sollen. Nur auf Beschluss der Kommunen könnendiese miteinbezogen werden. Da aber auch sie von attraktiveren Innenstädten profitieren,sollten sie aus Sicht des SSW auch prinzipiell ihr Scherflein dazu beitragen müssen. Hier gibt esim jeden Fall noch Beratungsbedarf, aber wir sehen den geänderten Gesetzentwurf trotzdempositiv.