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03.05.06 , 15:23 Uhr
FDP

Ekkehard Klug: "Bildung und Erziehung sind Aufgaben der gesamten Gesellschaft - nicht

FDP Landtagsfraktion Schleswig-Holstein 1



Presseinformation Wolfgang Kubicki, MdL Vorsitzender Nr. 143/2006 Dr. Heiner Garg, MdL Stellvertretender Vorsitzender Kiel, Mittwoch, 3. Mai 2006 Dr. Ekkehard Klug, MdL Parlamentarischer Geschäftsführer Sperrfrist: Redebeginn Günther Hildebrand, MdL

Es gilt das gesprochene Wort!
Schulpolitik/Konfliktprävention und Bildungschancen
Ekkehard Klug: „Bildung und Erziehung sind Aufgaben der gesamten Gesellschaft – nicht nur der Schulen“ In der Landtagsdebatte zu TOP 14 („Konfliktprävention und Bildungschancen an Schulen“) erklärte der bildungspolitische Sprecher der FDP-Landtags- fraktion, Dr. Ekkehard Klug:
„Das Thema, über das wir heute diskutieren, wird leider immer nur dann öffentlich wahrgenommen, wenn - ‚wieder einmal’ - ein Extremfall für kurze Zeit die Medienlandschaft in Unruhe versetzt. Nach einiger Zeit klingt die Aufregung jedoch ab. Von der nötigen besseren Vernetzung von Schule, Jugendhilfe und Sozialarbeit ist dann auch bald nicht mehr die Rede - bis zum nächsten ‚Ereignis’ dieser Art, das die öffentliche Wahrnehmungsschwelle durchbricht. Das geht nun schon seit einiger Zeit schon so: Vor vier Jahren der tödliche ‚Amoklauf von Erfurt’, vor zwei Jahren die wochenlange Misshandlung eines Berufsschülers in Hildesheim durch Mitschüler, und jetzt neuerdings die Rütli-Schule in Berlin. Drei Extrembeispiele, die bei aller Unterschiedlichkeit eines gemeinsam haben: Sie wurden und werden als Symptome einer schweren Erziehungskrise und sozialer Fehlentwicklungen betrachtet.
Will man etwas gegen diese Entwicklung tun, dann muss mehr geschehen als bisher.
Zunächst ist es wichtig, den schon fast rituellen Kreislauf zwischen zeitweiliger Alarmstimmung der Öffentlichkeit und anschließendem Vergessen – bis zum nächsten Medienereignis – zu durchbrechen. Nur dann, wenn man nachhaltig und systematisch an die Ursachen herangeht, wird sich wirklich etwas ändern.
Einer der Zusammenhänge, um die es dabei mit sicher geht, ist derjenige der in Deutschland in erheblichem Umfang misslungenen Integration von Zuwanderern. Im Antrag der Grünen wird dies isoliert und verkürzt als einziges Problem mit dem Phänomen der Gewalt an Schulen in Verbindung gebracht. Es ist eine Schwäche des Antrages, einzig und allein hierauf Christian Albrecht, Pressesprecher, V.i.S.d.P., FDP Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag, 1 Landeshaus, 24171 Kiel, Postfach 7121, Telefon: 0431/9881488 Telefax: 0431/9881497, E-Mail: presse@fdp-sh.de, Internet: http://www.fdp-sh.de/ 2 abzustellen, aber auf der anderen Seite kann natürlich auch niemand daran zweifeln, dass die misslungene Integration zum erhöhten Konfliktpotenzial in unserer Gesellschaft beiträgt. Schulen, die durch Sprachvermittlung und natürlich auch in vielfältig anderer Weise zur Integration beitragen, tragen damit auch zum Abbau dieses Konfliktpotenzials bei. Noch wirksamer ist es aber, wenn man noch früher, nämlich im Vorschulalter ansetzt. Nach einer Studie des Kriminologen Christian Pfeiffer erreichen Kinder aus Einwandererfamilien, die zusammen mit deutschen Kindern einen Ganztagskindergarten besucht haben, genauso hohe Übergangsquoten auf weiterführende Schulen – auch auf das Gymnasium - wie der Durchschnitt ihrer Altersgruppe.
Der „SPIEGEL“ interviewte vor dem Hintergrund der bekannten ‚Berliner Ereignisse’ kürzlich den Spielmacher bei Hertha BSC, Yildiray Bastürk. Auf die Frage, wie schwierig für ihn der Sprung aus seiner türkischen Familie in die deutsche Gesellschaft gewesen sei, sagte er:
„Das Schwerste war der Anfang, wenn man rauskommt aus der Familie,in der fast nur Türkisch gesprochen wird. Ich bin in den Kindergarten gekommen, da konnte ich kaum Deutsch.Ich wusste erst nicht, wie ich mich da verhalten soll. Aber ich war unter deutschen Kindern. Das hat geholfen“.
Eine andere Aussage in diesem Interview verdeutlicht aber auch sehr gut, dass die Problemlösung umfassende Antworten erfordert als nur die, zu denen die vorschulische und schulische Bildung beitragen müssen:
„Auf der Straße ist der Coolste, wer am meisten Mist baut. Die Jungen sehen in solchen Leuten Respektspersonen. Wenn zwei, drei Leute so sind, dann zieht das alle in einer Gruppe runter. Dann müssen die Eltern dazwischenhauen – das tun sie aber oft nicht“.
Natürlich ist „dazwischenhauen“ hier nicht wörtlich gemeint. Der Sinn ist jedoch klar: Ohne den Einsatz der Familien und – dies sei hinzugefügt – ohne Mitwirkung der gesamten Gesellschaft ist die Institution Schule hoffnungslos überfordert. Es kann nicht sein, dass die Gesellschaft die soziale Integrationsaufgabe - die ja auch über die Integration der Einwanderer weit hinausreicht - allein auf die Schulen ablädt. Alle gesellschaftlichen Kräfte, auch die Wirtschaft und Medien, müssen ihre Mitverantwortung wahrnehmen. Kommerzielle Unterhaltungskultur und Werbung verbreiten oft Wert- und Weltvorstellungen, die den Anstrengungen der Schule stärker das Wasser abgraben, als alle noch so gut gemeinten pädagogischen Konzepte der Schulen jemals ausgleichen können.
Hier gibt es mehr Handlungsbedarf, als man in einer parlamentarischen Fünf- Minuten-Debattenrunde überhaupt ansprechen kann. Dazu gehört, dass man den virtuellen Ersatzwelten des ‚Unterschichtfernsehens’ und der Videospiele ebenso etwas entgegensetzen muss wie auch den Widersprüchen einer Wirtschaftsgesellschaft, die in der kommerziellen Unterhaltungskultur all das systematisch ausklammert, was sie andererseits in Sonntagsreden immer wieder einfordert – Fleiß, Ausdauer, Übung, Leistungsbereitschaft.
Und natürlich geht es auch um die Verantwortung jedes Einzelnen und ebenso jeder Familie. Fast jeder vierte Sechsjährige hat ein eigenes Fernsehgerät - richtig sprechen können diese Kinder aber nicht, ganz abgesehen von dem sonstigen Ballast, der ihre Bildungs- und Integrationschancen beeinträchtigt. Ein Naturgesetz sind solche Zustände jedenfalls nicht.“ Christian Albrecht, Pressesprecher, V.i.S.d.P., FDP Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag, 2 Landeshaus, 24171 Kiel, Postfach 7121, Telefon: 0431/9881488 Telefax: 0431/9881497, E-Mail: presse@fdp-sh.de, Internet: http://www.fdp-sh.de/

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