Diese Webseite verwendet ausschließlich für die Funktionen der Website zwingend erforderliche Cookies.

Datenschutzerklärung

05.05.06 , 11:53 Uhr
B 90/Grüne

Monika Heinold zum Protonentherapiezentrum

PRESSEDIENST Fraktion im Landtag Schleswig-Holstein Pressesprecherin Es gilt das gesprochene Wort! Claudia Jacob Landeshaus TOP 29 – Protonentherapiezentrum in Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel Schleswig-Holstein Durchwahl: 0431/988-1503 Zentrale: 0431/988-1500 Dazu sagt die gesundheitspolitische Sprecherin Telefax: 0431/988-1501 der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Mobil: 0172/541 83 53 Monika Heinold: E-Mail: presse@gruene.ltsh.de Internet: www.sh.gruene-fraktion.de

Nr. 233.06 / 05.05.06


Nicht nur bei High-Tech-Medizin müssen wir Spitze werden
„Gesundheitsland Schleswig-Holstein“ - Landtag und Landesregierung sind sich einig, dass das ein richtiges Ziel ist. Dazu bedarf es verschiedener Schwerpunkte. Eines der Schwerpunktprojekte dieser Gesundheitsinitiative ist das geplante Protonenlaserzentrum in Kiel. Mit diesem Projekt verbinden sich Hoffnungen auf eine bessere Behandlung von Krebspatienten, auf eine Vorreiterstellung des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, auf eine länderübergreifende Kooperation im Gesundheitswesen und nicht zuletzt auch auf hochwertige neue Arbeitsplätze. Schleswig-Holstein kann mit dem Protonenlaser- zentrum einen wissenschaftlich-medizinischen und einen wirtschaftlichen Standortvorteil aufbauen.
Der vorgelegte Bericht stellt den aktuellen Sachstand dar. Das gesamte Verfahren rund um das Prestigeprojekt Protonenlaserzentrum soll in atemberaubendem Tempo abgewi- ckelt werden. Das ist richtig und notwendig, damit die Vorteile des geplanten Projektes auch zum Tragen kommen können. Die Protonenlasertherapie ist eine relativ neu entwi- ckelte Behandlungsmethode, wissenschaftliche Studien gibt es wenige. Zugleich ist sie eine große Hoffnung für krebskranke Menschen, für ÄrztInnen, WissenschaftlerInnen, Krankenhäuser, Hochschulen - und natürlich setzen auch die Hersteller von medizini- schen Großgeräten auf diese neue Therapie.
Die bislang vorliegenden Untersuchungen zeigen, dass die Protonentherapie deutliche Vorteile hat – aber nicht für alle Krebsarten. Und da die Kosten enorm sind, ist eine gründliche Forschung in weiteren Anwenderstudien dringend notwendig.
1/2 Auch im Gesundheitswesen müssen Kosten und Nutzen sorgsam gegeneinander abge- wogen werden. Wir begrüßen es, dass sich Schleswig-Holstein mit dem Protonenlaser- zentrum an der Erprobungsphase beteiligen will. Und wir begrüßen ausdrücklich, dass es dabei zu einer Kooperation mit norddeutschen Bundesländern und mit skandinavischen und baltischen Staaten kommen soll.
Da Geräte, Forschung und Behandlung sehr teuer sind und da die Therapie vorerst nur für einen begrenzten Patientenkreis geeignet ist, wird nicht jedes Bundesland und schon gar nicht jede Universitätsklinik zum Zuge kommen können. Deshalb ist es richtig, das Tempo zu halten. Der Bericht zum Protonentherapiezentrum ist kurz und gut. Das Projekt ist es auch.
Zum Schluss dennoch ein kritischer Gedanke. Mir ist es unverständlich, dass bei Projek- ten im Gesundheitswesen, die erhebliche Kosen nach sich ziehen, oft eine Entscheidung schneller und unkomplizierter fällt als bei deutlich kostengünstigeren Projekten. Ich möchte als Beispiel Pflegeforschung und Pflegewissenschaft nennen. Auch hier besteht dringender Handlungsbedarf. Auch diese Investition würde zu einer Verbesserung für die Patienten führen. Denn noch haben wir das Recht eines jeden Menschen auf eine men- schenwürdige und qualifizierte Pflege nicht umgesetzt.
Optimale Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass Pflege besser bezahlt und ge- sellschaftlich stärker anerkannt wird – das ist in Zeiten finanzieller Engpässe politisch kaum zu erreichen. Ein neues und auch in den Folgewirkungen teures medizinisches Großprojekt zu starten, findet hingegen schnell die Unterstützung aller Parteien. Ein Pro- tonenlaserzentrum wirft einmalige Kosten in dreistelliger Millionenhöhe und Betriebskos- ten von mehr als 20 Millionen Euro im Jahr auf. Ich werbe dafür, dass wir lernen umzu- denken; eine qualifizierte Pflege durch gut geschultes Personal ist für die Genesung der Patienten mindestens genauso wichtig wie der Einsatz teurer technischer Geräte.
Nutzen wir in Schleswig-Holstein also alle Chancen, uns als Gesundheitsland zu etablie- ren: die Chancen, die mit einem Protonenlaserzentrum verbunden sind und die Chancen, die mit einer qualifizierten Pflegewissenschaft verbunden sind. Wir werden hierzu noch vor der Sommerpause einen parlamentarischen Vorstoß machen.

***

Download PDF

Pressefilter

Zurücksetzen