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19.06.06 , 09:16 Uhr
Landtag

Landtagspräsident Martin Kayenburg: „Alle Lebensbereiche sind von den Auswirkungen des demographischen Wandels betroffen.“

93/2006 Kiel, 19. Juni 2006



Landtagspräsident Martin Kayenburg: „Alle Lebensbereiche sind von den Auswirkungen des demographischen Wandels betroffen.“

Kiel (SHL) – In seiner Rede zur Eröffnung des Kieler-Woche-Gespräches zum Thema: „Demografischer Wandel in Europa“ erklärte Landtagspräsident Martin Kayenburg u. a.:
„Es gibt eine gute Nachricht: Keine Generation vor uns lebte statistisch ge- sehen länger als wir. Und unsere Lebenserwartung steigt weiter. Leider gibt es auch eine schlechte Nachricht: Keine Generation vor uns bekam so wenig Kinder“
Diese Situation und die weitere Entwicklung sei eine große Herausforderung für viele Politikgebiete. Die Sozialpolitik sei ebenso gefordert wie die Famili- enpolitik. In der Zuwanderungspolitik müsse ein umsichtiges Integrationskon- zept entwickelt werden. Auch über die alternde und schrumpfende Erwerbs- bevölkerung müsse debattiert werden.
„Die Alterung der europäischen Gesellschaften bedingt, dass das potentielle Arbeitskräfteangebot insgesamt immer kleiner wird, da die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zahlenmäßig rapide abnimmt. In vielen Industrieländern ist bereits jetzt ein Wettbewerb um Hoch- und Höchstqualifizierte zu beo- bachten, und diese Entwicklung wird in Zukunft noch an Schärfe zunehmen.“ Denn qualifiziertes Personal sei der entscheidende Schlüssel zu Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit.
„Welche Möglichkeiten aber hat Europa, den für ein solides Wirtschafts- wachstum notwendigen Arbeitskräftebedarf zu decken?“ Eine Chance, den Arbeitskräftemangel zu verringern, biete die Integration älterer Arbeitnehmer.
Ältere Menschen möchten aktiv am sozialen Leben teilhaben. Schon jetzt sei ihre Rolle im gemeinnützigen Sektor deutlich sichtbar. Und sie werden auf- grund ihrer besseren Gesundheit vermehrt weiterhin auch am Arbeitsleben teilhaben wollen. Diese Entwicklung sei in den USA bereits zu beobachten. 2



Zwischen den Generationen müsse eine neue Solidarität entwickelt werden, die aus gegenseitiger Unterstützung und dem Transfer von Kompetenzen und Erfahrungen resultiert. Denn Generationengerechtigkeit könne man nicht nur an der Höhe der Altersversorgung messen: Sie verlange auch einen verantwortungsvollen Umgang mit der Alterung. „Wir brauchen keine überkommenen Altersbilder“, sagte Kayenburg.. Auch im Alter könne man offen für Neues und kreativ sein. Ältere Menschen stellten ein Potential dar, auf das nicht verzichten werden dürfen.
In diesem Zusammenhang sei es längst überfällig, die Altersdiskriminierung auf dem Arbeitsmarkt entschieden zu bekämpfen. „Wir beschließen die Her- aufsetzung des Renteneintrittalters in einer Zeit, in der Menschen im Alter von 50 Jahren und darunter keine Arbeitsstelle mehr finden. Angesichts der Überalterung der Gesellschaft und der wesentlich gestiegenen Lebenserwar- tung dürfen wir 50-Jährige nicht mehr „zum alten Eisen“ zählen, sondern soll- ten sie als erfahrungsreiche dynamische Arbeitskräfte in der Mitte ihres Le- bens ansehen.“
Ganz Europa stehe vor großen Herausforderungen. Der demografische Wandel habe sehr komplexe Auswirkungen auf alle Bereiche unserer Gesell- schaft. Er sei ein gesamtgesellschaftlicher Prozess der Veränderung, der nicht nur Gefahren und Kosten mit sich bringe, sondern auch Chancen biete.

Der Landtagspräsident betonte: „: Wir sind dem demografischen Wandel nicht hilflos ausgeliefert. Wir können handeln und die Zukunft beeinflussen. Um mit den Worten des Schweizer Schriftstellers Max Frisch zu sprechen: "Krise kann ein produktiver Zustand sein. Man muss ihr nur den Beige- schmack der Katastrophe nehmen." Und wir müssen heute damit beginnen, denn unser Handeln wird ein, zwei Jahrzehnte brauchen, um nachhaltig zu wirken.
Wir alle, vor allem wir Politiker, müssen bei allen gegenwärtigen sowie zu- künftigen Planungen und Entscheidungen den demografischen Faktor be- rücksichtigen.
Wachstum, Produktivität, Innovation, Stabilität und soziale Gerechtigkeit sind die Säulen, die das Haus Europa tragen. Lassen Sie uns gemeinsam dafür Sorge tragen, dass dies auch in Zukunft so bleibt!“
Den vollständigen Text der Rede finden Sie im Internet unter: 3


www.sh-landtag.de/hauptseite.html

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