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Anke Spoorendonk zu TOP 22 - Angebot für SchulabgängerInnen
PresseinformationKiel, den 28.06.2006 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 22 Angebot für Schulabgängerinnen Drs. 16/851Jedes Jahr im Herbst fragt sich die deutsche Öffentlichkeit besorgt, ob alle Jugendlichen, die eswünschen, auch einen geeigneten Ausbildungsplatz finden. Wir haben in den vergangenenJahren vielfach über den richtigen Weg zur Verbesserung der Ausbildungssituation in derBundesrepublik gestritten. Die Erhebung einer Ausbildungsplatzabgabe für nicht ausbildendeBetriebe hatte seinerzeit auch der SSW abgelehnt, weil sie zu bürokratisch und abschreckendwirken würde. Stattdessen wurde auf Bundesebene ein Ausbildungspakt zwischen derWirtschaft und der Bundesregierung vereinbart. Ob dieser Pakt auf Bundesebene erfolgreichwar, darüber lässt sich – angesichts der Tatsache, dass immer noch viele Tausende Lehrstellenfehlen - allerdings schon streiten.Aber in unserem Land sieht die Ausbildungssituation etwas anders aus. In Schleswig-Holsteinhaben wir bereits seit 1997 ein relativ erfolgreiches Bündnis für Ausbildung, das von derLandesregierung, der Wirtschaft und den Gewerkschaften getragen wird. Dieses Bündnis hat gutgearbeitet, denn die Ausbildungszahlen für Schleswig-Holstein lagen in den letzten Jahrenimmer über dem Bundesdurchschnitt. Das gilt auch für 2005. So hatten die drei Industrie- und 2Handelskammern bis Ende Oktober 9.674 abgeschlossene Ausbildungsverträge gemeldet. Dasist ein Anstieg um 1,65% gegenüber dem Vorjahr.Die aktuellen landesweiten Zahlen kennen wir leider noch nicht. Aber alle Verantwortlichenhaben darauf hingewiesen, dass sich die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage in Schleswig-Holstein im Vergleich zum Vorjahr leicht verringert hat. Im Bericht der Landesregierung über dieAusbildungssituation vom letzten Jahr wird dann auch hervorgehoben, dass Schleswig-HolsteinEnde August bei der Relation der unbesetzten Stellen zu den noch nicht vermittelten Bewerbernim Ländervergleich an besten dasteht.Das zeigt, dass das Sofortprogramm des Landes 2004 - vom damaligen WirtschaftsministerRohwer initiiert - sehr gute Ergebnisse gebracht hat. Insbesondere hat Schleswig-Holstein guteErfahrungen mit den vom Land geförderten Akquisiteurinnen und Akquisiteuren gemacht. Esmacht einfach Sinn, dass man potentielle Ausbildungsbetriebe direkt anspricht. Die persönlicheAnsprache der Betriebsinhaberinnen und Betriebsinhaber wirkt einfach besser als öffentlicheAufrufe oder Anschreiben. Deshalb muss dieser Teil des Sofortprogramms unbedingt fortgesetztwerden.Allerdings weist der DGB zu recht darauf hin, dass trotz gestiegener Lehrstellenzahlen auch dieZahl der unversorgten Jugendlichen weiterhin angestiegen ist. Das ist ja auch der Hintergrunddes Antrages von Bündnis90/Die Grünen. Der DGB stellt in einer Pressemitteilung vom 31.5.2006richtigerweise fest, dass in Schleswig-Holstein auf 100 Bewerber nur noch 77 Lehrstellung undAusbildungsplätze kommen. Das liegt natürlich auch daran, dass wir im Moment geburtenstarkeJahrgänge bei den Schulabgängern haben. In 2006 werden wir mit 33.000 Jugendlichen sogar1.200 Schulabgänger mehr als im letzten Jahr haben.Deshalb geht es aus Sicht des SSW darum, dass die Politik, die Wirtschaft und dieGewerkschaften gemeinsam ihre Anstrengungen weiterhin intensivieren, damit wir allenJugendlichen eine berufliche Perspektive geben können. Wir begrüßen daher, dass die Grünen 3dieses Thema auf die Tagesordnung gesetzt haben. Denn es ist enorm wichtig, dass wir dieseAnstrengungen zur Schaffung weiterer Ausbildungsplätze auch seitens des Landtages aktivunterstützen.Auch die Kritik der IHK´s und der Handwerkskammern über die fehlende Qualifikation derjungen Schulabgängerinnen und Schulabgängern ist schon seit Jahren bekannt und insofernkeine neue Erkenntnis. So geht aus einer jüngst vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW)bekannt gewordenen Studie hervor, dass jeder fünfte Jugendliche in der Berufsschule scheitert.Danach ist die Anzahl der Abbrecher an beruflichen Schulen in den vergangenen zehn Jahren von16.4% auf 22,6% gestiegen. Allein 2004 haben demnach in Deutschland fast 240.000Jugendliche ihre Berufsschule oder das Berufsvorbereitungsjahr ohne Abschluss verlassen. Indiesem Zusammenhang wird auf die PISA-Studie verwiesen, wonach gut jeder fünfte 15-jährigeals „Risikoschüler“ eingestuft wird, weil er allenfalls einfachste Aufgaben im Lesen oder Rechnenbeherrscht.Das sind schon dramatische Zahlen. Deshalb muss es ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeitsein, dass wir die Qualifikationen der Jugendlichen entscheidend verbessern. Aus Sicht des SSWgeht vor diesem Hintergrund auch kein Weg daran vorbei, das Schulsystem in Schleswig-Holsteingrundlegend zu reformiere. Es ist ganz einfach nicht hinnehmbar, dass wir den überwiegendenTeil aller schulischen Probleme auf die Hauptschule abwälzen. Die Landesregierung hatangekündigt, dass sie im neuen Schulgesetz zumindest Gemeinschaftsschulen zulassen will.Auch wenn der SSW mehr erwartet hätte, so ist dies doch ein Schritt in die richtige Richtung, derauch die schulischen Leistungen der Schülerinnen und Schüler verbessern kann. Je schneller wirerkennen, dass unser gegliedertes Schulsystem nicht dazu imstande ist, Antworten auf dieAnforderungen von morgen zu geben, umso mehr helfen wir den zukünftigen Schülerinnen undSchülern und umso mehr verbessern wir das Bildungsniveau insgesamt. 4Ein weiterer Punkt in der Diskussion um die Verbesserung der Qualifikationen von Jugendlichenist aus Sicht des SSW aber auch, dass das Duale Ausbildungssystem flexibler wird und zumBeispiel in die Lage versetzt wird, schneller auf neue Berufsbilder oder inhaltliche Entwicklungeninnerhalb eines Ausbildungsberufes zu reagieren. Die neuen, zweijährigen Ausbildungenmachen deutlich, worum es geht. Wir bleiben aber auch dabei, dass man in dieser Frage ruhigmal den Blick nach Norden wenden kann und eine stärkere Modularisierung vonAusbildungsgängen in die Wege leiten sollte. Damit würde man sowohl den tüchtigeren als auchden schwächeren Azubis entgegen kommen und den Anforderungen der Wirtschaft ebenfalls.Die bisherigen Erfahrungen mit den Regionalen Berufsbildungszentren sind aus Sicht des SSWsehr positiv. Dies gilt vor allem für die Zusammenarbeit von Berufsschule und Wirtschaft, diedurch diese neuen Konstruktionen gestärkt wird. Aus regionaler Sicht führt dies dazu, dass manschneller auf Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt reagieren kann. Das preisgekröntePilotprojekt der Gewerblichen Beruflichen Schule der Stadt Flensburg für ihre dualeberufsbegleitende Weiterbildung zum Techniker Mechatronik ist dafür ein herausragendesBeispiel.Die Ansätze der Grünen, die sie im Antrag formuliert haben, kann der SSW grundsätzlich auchunterstützen. Natürlich muss die Bundesagentur für Arbeit ihre Fördermittel ausschöpfen undfür qualifizierende Maßnahmen in Bezug auf die Jugendlichen zielführend einsetzen. Das istallerdings eine Selbstverständlichkeit. Sollte dies dennoch nicht der Fall sein, dann muss dieLandesregierung natürlich handeln.Auch die Forderung, dass die Schulabgängerinnen und Schulabgänger, die noch keinenAusbildungsplatz bekommen haben, ein Qualifizierungs- oder Bildungsangebot bekommensollten, können wir befürworten. Im Tolerierungsvertrag von SPD, Bündnis90/Die Grünen undSSW hatten wir einen ähnlichen Passus. Denn ein solches Angebot entspricht weitgehend dem,was man in Dänemark schon seit Jahren an Maßnahmen für die Jugendlichen vorhält. DieJugendarbeitslosigkeit ist daher in unserem nördlichen Nachbarland praktisch nicht mehrexistent. Das muss bei allen aktuellen Problemen auch unser Ziel in Schleswig-Holstein bleiben.