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Lars Harms zu TOP 26 - Keine Zustimmung zur Elbvertiefung
PresseinformationKiel, den 28.06.2006 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 26 Keine Zustimmung von Schleswig-Holstein zur Elbvertiefung Drs. 16/860Nach den Plänen Hamburgs soll in 2009 mit der weiteren Vertiefung der Elbe begonnen werden.In der Vergangenheit ist die Elbe mehrfach vertieft worden und man hat schon aufgrund dieserElbvertiefungen, die immer beschönigend „Fahrrinnenanpassungen“ genannt wurden,feststellen können, welche Auswirkungen diese Maßnahmen hatten. Die Deiche mussten immerwieder erhöht werden, weil die steigende Fließgeschwindigkeit für immer höhere Wasserständegesorgt hat. Wie sich eine weitere Elbvertiefung hier auswirken würde, kann man nur erahnen.Natürlich werden mittelfristig die Deiche erhöht werden müssen und wir als Schleswig-Holsteiner werden dieses natürlich selber bezahlen müssen. Hier hat die Landesregierung eineVerantwortung, dafür zu sorgen, dass bei einer möglichen Elbvertiefung auch die Nutznießerdieser Maßnahme an den Folgekosten beteiligt werden. Gleiches gilt für die Verschlickung undVersandung von den Elb-Anlieger-Häfen bis Brunsbüttel und den Ausgleich für entstehendeUmweltschäden. Auch an diesen Kosten müssen sich die Nutznießer dann beteiligen. Ich sagedies deshalb, nicht weil ich für eine Elbvertiefung bin, sondern weil ich realistisch davonausgehen muss, dass sich die Elbvertiefung bei dieser Landesregierung nicht verhindern lässt. 2Und wenn sie dann kommt, dann sollen die Hamburger wenigstens auch etwas von den Kostentragen.Aber ist eine Elbvertiefung überhaupt notwendig? Wer sich die Ausarbeitungen zumBeweissicherungsprogramm ansieht, die bei der Wasser- und Schifffahrtsdirektion in Cuxhavenvorliegen und die im Internet abgerufen werden können, kann ins Zweifeln geraten. Es istregelmäßig davon zu lesen, dass man die Elbe auf eine Tiefe von 15 bis 16 Meter ausbaggern will.Damit wäre gewährleistet, dass bei Flut die derzeit größten Container-Carrier den HafenHamburg anlaufen könnten. Die Entwicklung geht aber weiter. Die Reederei Maersk ausDänemark hat als größter Logistikunternehmer in diesem Bereich schon Planungen für Schiffe,die die derzeit größten Fracht-Carrier weit übertreffen werden. Man spricht davon, dass Schiffegeplant sind, die doppelt so groß sein werden, wie die heute größten Schiffe. Wer die rasanteEntwicklung der letzten Jahre betrachtet, der weiß, dass dieses Szenario nicht unrealistisch ist.Und selbst wenn die Größenentwicklung wesentlich kleiner ausfallen würde, würden die richtiggroßen und zukunftsträchtigen Schiffe Hamburg nicht anlaufen können. Sie werden eswahrscheinlich auch gar nicht mehr wollen, weil der zukünftige WeserJadePort beiWilhelmshafen genau diese großen Schiffe jederzeit aufnehmen kann.Derzeit ist es so, dass die Bundesregierung tatsächlich konkurrierende Maßnahmen inMillionenhöhe fördern will, ohne den Beteiligten ein abgestimmtes Konzept abzuverlangen. Wasbetriebswirtschaftlich für Hamburg kurzfristig Sinn machen kann, macht für Norddeutschlandvolkswirtschaftlich überhaupt keinen Sinn. Es ist weder Aufgabe der Bundesregierung noch derLandesregierung eine steuerfinanzierte Konkurrenzsituation bei den norddeutschen Häfen zuschaffen. Hier macht nur eine norddeutsche Kooperation wirklich Sinn und gerade auch dieBundesregierung muss ihre Förderzusagen davon abhängig machen, dass ein norddeutschesHafenkonzept erstellt wird, das eine solche Konkurrenzsituation ausschließt. 3Die Elbvertiefung ist mit so vielen negativen Auswirkungen verbunden, dass es sinnvoller ist, denWeserJadePort als Tiefwasserhafen für Norddeutschland richtig zu fördern und aus allen Häfenunseres Raums einen gemeinsamen Hafen zu machen. Dass dies geht, wurde ja demWirtschaftsausschuss in Rotterdam verdeutlicht. Dort vermarktet man mehrere Häfen alseinheitlichen „Rotterdamer Hafen“ über kommunale und Provinzgrenzen hinweg. Was in denNiederlanden möglich ist, sollte auch bei uns möglich sein. Zumal dies nicht das einzige Beispieleiner solchen Zusammenarbeit ist.Die Landesregierung hat nach unserer Auffassung hier die Aufgabe als Vermittler insbesonderezwischen Hamburg und Niedersachsen wahrzunehmen. Bevor man eine volkswirtschaftlichunsinnige Doppelförderung von WeserJadePort und Elbvertiefung zulässt, muss es unserBestreben sein, hier für ein abgestimmtes Konzept zu sorgen. Ideal wäre es eigentlich, wenn wirneben einem leistungsfähigen Hamburger Hafen auch einen ergänzenden Hafen inWilhelmshafen bekommen könnten. Dies ist sicherlich auch ohne Elbvertiefung denkbar und sowürden sich auch zukünftige Ausbaggerungen in der Elbe und im Hamburger Hafen auf dasNotwendige zur Erhaltung der bisherigen Funktionen beschränken, was wiederum dieProblematik der Verklappung des Baggergutes vor Helgoland minimieren würde. Es gibt alsoviele gute Gründe eine Elbvertiefung nicht zu beschließen und stattdessen für ein gemeinsamesHafenkonzept zu werben.