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29.06.06 , 15:11 Uhr
SSW

Lars Harms zu TOP 30 - Potenzial des Jagel Airport

Presseinformation
Kiel, den 29.06.2006 Es gilt das gesprochene Wort



Lars Harms
TOP 30 Potential des Jagel Airport Drs. 16/867

Nachdem die Landesregierung nach langem hin und her, schlussendlich und glücklicherweise
dem Ausbau des Flughafens Kiel-Holtenau eine Abfuhr erteilt hat, keimt im Norden des Landes
immer mehr die Hoffnung auf, den Militärflugplatz in Jagel auch zivil mitzunutzen. Angesichts
der durchaus guten infrastrukturellen Lage – mit der direkten Autobahnanbindung, der
Bundesstrasse und der Bahnlinie in unmittelbarer Nähe – ist nachvollziehbar, dass eine zivile
Mitnutzung des Militärflugplatzes in Jagel durchaus attraktiv erscheint.


Ebenso scheint es für die strukturschwache Region Schleswig / Jagel wirtschaftlich reizvoll, wenn
es dort zu einer zivilen Mitnutzung des Flugplatzes käme. Schließlich verspricht die
Betreibergesellschaft Investitionen in Millionenhöhe und die Schaffung neuer Arbeitsplätze.
Angesichts der Tatsache, dass die Airgate SH immer damit wirbt, dass dies alles mit privaten
Mitteln geschaffen werden soll - zumal auch die Zusage zweier Investoren über insgesamt 51
Mio. € besteht - sind dies natürlich vielversprechende Argumente. 2
Nun ist die Planung für das Projekt Jagel Airport nahezu abgeschlossen. Hierzu gehörte unter
anderem, dass die Airgate SH einen Vorvertrag mit der Bundeswehr über die Mitnutzung
erfolgreich abgeschlossen hat und die umliegenden Gemeinden für das Projekt gewonnen hat.
Die Airgate SH hat hier durchaus erfolgreich für ihr Projekt geworben.


Die im Januar von der Airgate SH in Auftrag gegebene Potentialanalyse sollte ausloten, inwiefern
der Jagel als Flugplatz für Charter- und Linienverkehr von der Bevölkerung angenommen würde.
Dies galt für die Airgate SH dann auch als KO-Kriterium sofern die Analyse negativ ausfiele.
Damit wären dann alle Bestrebungen hinfällig und man würde das Projekt nicht weiter
fortführen.
Hierbei wurde eine repräsentative Umfrage unter den 1,2 Mio. Einwohnern sowie den
Unternehmen, die eine Autostunde vom Flugplatz entfernt wohnen, durchgeführt. Das Ergebnis
der Umfrage hat ergeben, dass die Bürger den Flughafen annehmen würden, sofern das Angebot
stimmt. Mit einem anderen Ergebnis war wohl kaum zu rechnen gewesen.


Wenn ich eine Autostunde von Jagel gen Süden fahre, dann bin ich fast in Hamburg. Warum in
aller Welt sollte ich dann nach Jagel fahren, um von dort in den Urlaub zu fliegen, wenn der
moderne Hamburger Flughafen zum Greifen nahe ist. Im Übrigen gilt dies auch für das Potential
aus dem Raum Kiel. Auch hier wird man sich aufgrund der guten Anbindung nach Hamburg für
den Hamburger Airport entscheiden. Gleiches gilt für potentielle Kunden, die aus dem nördlichen
Bereich – sprich Dänemark – kommen. Auch dort ist eher davon auszugehen, dass man sich
Richtung Billund oder Sønderborg orientiert.


Daher halte ich das Einzugsgebiet mit 1,8 Mio. Menschen – nahezu 60 % der Bevölkerung ganz
Schleswig-Holsteins - das für die Potentialanalyse zu Grunde gelegt wurde für
überdimensioniert. Somit sind die weiteren Zahlen nicht nachvollziehbar, die auf der Grundlage
dieser Potentialanalyse erhoben wurden. Wenn also davon ausgegangen wird, dass die Zahl von
800.000 Fluggästen in wenigen Jahren erreicht werden könnte und somit schwarze Zahlen 3
geschrieben werden könnten, dann sehe ich diesem gesteckten Ziel äußerst kritisch entgegen.
Wo sollen alle diese Fluggäste herkommen? Es bleibt also zu befürchten, dass der Unterschuss
dann von der öffentlichen Hand getragen wird. Dies kann nicht im Sinne der Airgate SH sein und
ist auch nicht in unserem Sinne.


Der ausschließliche Nutzen der zivilen Mitnutzung des Flugplatzes Jagel ist ebenfalls fraglich.
Schließlich hat ein Flughafen nicht nur positive Effekte für eine Region, er ist auch
Lärmverursacher. Dieser Lärm beschränkt sich dann nicht nur auf die nähere Umgebung des
Flughafengeländes, sondern er zieht sich entlang der Flugschneisen. Hiervon wäre dann unter
anderem die Stadt Schleswig betroffen, die derzeit auf dem ehemaligen Kasernengelände in der
Stadt ein Tourismus- und Wellnesszentrum plant. Die Bestrebungen der zivilen Mitnutzung des
Flugplatzes würden somit diese Ziele konterkarieren. Daher ist es bedauerlich, dass die Stadt
Schleswig nicht befragt wurde, nur weil sie nicht geografisch an den Flugplatz angrenzt. Dies
halte ich für einen Planungsfehler.


Es liegt eine Untersuchung der Deutschen Bank Research vom November letzen Jahres vor, die
den steigenden Trend zum Ausbau von Regionalflughäfen in Deutschland untersucht hat. Das
Ergebnis dieser Untersuchung ist; den Regionalflughäfen fehlt die kritische Größe zum Erfolg, sie
verschlingen Subventionen, Deutschland braucht Flughafenpolitik aus einem Guss und es
werden Überkapazitäten bei den Flughäfen geschaffen.
Der Hamburger Airport hat im letzten Jahr über 10 Mio. Fluggäste gehabt und er hat Kapazitäten
für weitere 5 Mio. Fluggäste. Dies ist eine Größenordnung an der wir in Schleswig-Holstein nicht
herum kommen.


Anstatt also eine „Drehscheibe für das nördliche Europa“ in Jagel aus dem Boden zu stampfen,
sollten wir erkennen, dass die Schleswig-Holsteinischen Flughäfen Lübeck und Hamburg sind.
Zumindest muss daher ausgeschlossen sein, dass öffentliche Gelder für das Projekt der Airgate
SH ausgegeben werden. Sowohl in der jetzigen Phase als auch in der Zukunft.

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