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Lars Harms zu TOP 27 - Nutzung des EU-Programms Marco Polo II
PresseinformationKiel, den 29.06.2006 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 27 Nutzung des EU-Programms Marco Polo II Drs. 16/861Der immense Zuwachs des Güterverkehrs führt bereits heute zu Staus auf den Autobahnen undverstopften Landstrassen. Aktuelle Studien und Untersuchungen weisen bereits heute daraufhin, dass gerade in den nächsten Jahren mit noch mehr Straßengüterverkehr zu rechnen ist. DieEU geht davon aus, dass bis 2013 der Güterverkehr bis zu 60% wachsen wird. Das bedeutet nichtnur eine enorme Belastung für die Umwelt, sondern wir können auch davon ausgehen, dass esinsbesondere auf den Haupttransitstrecken zum Verkehrskollaps kommen wird. Dass angesichtsderartiger Szenarien gegengesteuert werden muss ist klar.Aus diesem Grund wurde von der EU nun beschlossen, dass Programm Marco Polo fortzuführen.Das ursprüngliche Programm Marco Polo I gilt für den Zeitraum von 2003 bis 2006 und hat einGesamtetat von 115 Mio. €. Nun hat die EU beschlossen, das Programm fortzuführen für einenZeitraum von 6 Jahren also bis 2013. Der Etat wurde hierfür auf 400 Mio. € aufgestockt. 2Mit diesem neuen Programm verfolgt die EU zwei Ziele. Zum einen soll der Verkehr aufumweltfreundlichere Verkehrsmittel verlagert werden und zum anderen zielt das Programmdarauf ab, den Verkehr insgesamt einzudämmen.Die Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene und insbesondere aufKurzstreckenseeverkehr und Binnenschifffahrt wird hierbei große Bedeutung beigemessen. Diesist im Übrigen eine Neuerung zu Marco Polo I. Das macht nochmals deutlich, dass das Konzept„from road to sea“ stärker vorangebracht werden muss. Und für Schleswig-Holstein bedeutetdies, dass wir unsere Häfen und die entsprechenden Hinterlandanbindungen unserer Häfenvoranbringen müssen.Mit dem Programm werden konkrete Verkehrsprojekte gefördert, die eine Alternative zumStraßenverkehr darstellen. Gefördert werden hierbei nur grenzüberschreitende Projekte. Diegeografische Lage Schleswig-Holsteins macht uns bereits heute zu einem wichtigen Transitlandfür Güterverkehr. Nicht nur von Norden nach Süden, insbesondere der Ost-Westverkehr wird inden nächsten Jahren enorm zulegen. Daher ist davon auszugehen, dass insbesondere unsereOstseehäfen in diesem Zusammenhang eine noch größere Rolle als Dreh und Angelpunkt spielenwerden. Von diesen Vorteilen sollte dann natürlich auch der Puttgardener Hafen profitieren.Daher wird das Programm Marco Polo II für Schleswig-Holstein und den gesamten Ostseeraumkünftig von großer Bedeutung sein.Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Schleswig-Holstein seine guten Kontakte zu denOstseeanrainerstaaten aufrechterhält. Schließlich handelt es sich hierbei um einen wachsendenWirtschaftsraum, an dem Schleswig-Holstein nicht vorübergehen darf. Und wir haben mit MarcoPolo II die Gelegenheit die wirtschaftlichen Kontakte in diese Länder zu verbessern. Daher ist esnur folgerichtig, dass die Landesregierung jetzt aufgefordert wird, bei den Logistik-, Transport-und Hafenunternehmen für das Programm zu werben. Diese Chance, die sich jetzt bietet, darf 3Schleswig-Holstein sich nicht entgehen lassen. Und auf keinen Fall dürfen die Unternehmen inSchleswig-Holstein zu lange mit den entsprechenden Anträgen warten.Positiv zu hervorzuheben beim neuen EU-Programm ist die Senkung der Förderschwelle voneiner Million auf eine halbe Million. Damit wird erreicht, dass künftig für innovative Aktionen zurVerlagerung der Güter vom LKW auf Schiene und Wasser insbesondere kleinere und mittlereUnternehmen Vorteile haben.Doch wenn der Gesamtetat jetzt um 115 Mio. € auf 400 Mio. € aufgestockt wurde, hört sich diesim ersten Moment durchaus großzügig an. Aber es bleibt festzustellen, dass sich derFörderzeitraum auch verlängert hat. Darüber hinaus bleibt festzustellen, dass Marco Polo Iderzeit für die 15 EU-Mitgliedstaaten ausgelegt war und Marco Polo II gilt für 25 Mitgliedstaatenund soll auch für Bulgarien und Rumänien nach ihrem Beitritt gelten. Das heißt, der Kuchen istnur vordergründig größer geworden. Man muss sich also die Frage gefallen lassen, ob dasProgramm Marco Polo II künftig überhaupt halten kann was es verspricht. Hier wäre derursprünglich angestrebte Förderetat von 740 Mio. € wesentlich effektiver gewesen, um dieangestrebten Ziele zu erreichen. Man muss sich also die Frage stellen, wie ernst ist es der EUwirklich, unsere Strassen in Zukunft vom LKW-Güterverkehr zu entlasten. Dies sage ichinsbesondere vor dem Hintergrund, dass die EU mit dem TEN-Projekt - feste Fehmarnbelt-Querung – ihr Marco Polo II Programm konterkariert. Entweder will ich mit Millionen Euro neueStrukturen schaffen, die den Straßengüterverkehr entlasten oder will ich Milliarden für eineBrücke ausgeben, die keine Entlastung für den Straßenverkehr bringt.