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Lars Harms zu TOP 45 - EU-Programme für Ländliche Räume, Umwelt und Landwirtschaft
PresseinformationKiel, den 30.06.2006 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 45 EU-Programme für Ländliche Räume, Umwelt und Landwirtschaft Drs. 16/826Im Positionspapier „Schleswig-Holstein – ein starker Partner im Norden“ vom 29.11.2006findet der ländliche Raum wenig bis gar nicht Berücksichtigung. Stattdessenkonzentriert sich das Papier auf die Belange der Metropolregion Hamburg und derOberzentren. Gleichzeitig ist schon seit einiger Zeit klar, dass die EU-Förderung für denländlichen Raum ab 2007 neu aufgestellt wird. Deshalb hatte der SSW gemeinsam mitden Grünen gefordert, dass die Landesregierung darüber berichten soll, wie sie sich dieFörderung der ländlichen Räume, insbesondere vor dem Hintergrund der regionalen EU-Förderung, in Zukunft vorstellt.Der Bericht liegt jetzt vor und obwohl wir den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern desLandwirtschaftsministeriums für ihre Arbeit danken, sind wir nicht zufrieden mit dempolitischen Inhalt des Berichtes. Zwar beschreibt die Landesregierung die Probleme und 2Herausforderungen vor denen die ländlichen Räume in Zukunft stehen werden, aber derSSW lehnt die politische Schwerpunktsetzung des vorgelegten Konzepts derLandesregierung für den ländlichen Raum entschieden ab.Vor allem werden aus unser Sicht im Bericht, die Befürchtungen, die der Schleswig-Holsteinische Gemeindetag schon im Februar geäußert hat, bestätigt: DieLandesregierung konzentriert ihre Förderpolitik auf die Metropolregion und diestädtischen Zentren und steht mit leeren Händen bei der Förderung des ländlichenRaumes dar. Die 1,2 Mio. Menschen im ländlichen Raum bekommen nämlich laut Berichtin Zukunft weitaus weniger Geld für die Weiterentwicklung ihrer wichtigenInfrastruktur.So standen für die integrierte ländliche Entwicklung in den Gemeinden - z.B. die Dorfent-wicklung - von 2000 bis 2006 fast 66 Mio. € zur Verfügung. Künftig werden in Rahmendes ELER-Programms im Zeitraum 2007 bis 2013 nur noch ca. 38 Mio. € für dieseMaßnahmen zur Verfügung stehen. Dies ist insbesondere Problematisch, weil es damitfaktisch nicht möglich ist, die vielfältigen Ergebnisse aus den rund 100 ländlichenStruktur- und Entwicklungsanalysen umzusetzen. Denn bisher wurden mit derSchwerpunktachse „Lebensqualität im ländlichen Raum und Diversifizierung derländlichen Wirtschaft“ vielfältige Projekte gefördert und somit auch viele neueArbeitsplätze geschaffen.Durch die massive Mittelkürzung werden wichtige Investitionen zur Aufrechthaltungder Lebensqualität und Wirtschaftsentwicklung auf dem Land nicht getätigt werden. DieWirtschafts- und Investitionskraft der privaten und der öffentlichen Haushalte in der 3Fläche werden alleine nicht ausreichen, um die Attraktivität zu erhalten und denAuswirkungen des demographischen Wandels und der weg brechenden Infrastrukturentgegen zu wirken. Die Landesregierung verspielt somit die Zukunft des ländlichenRaumes, wenn sie nicht einen adäquaten Ersatz für diese Investitionen findet.Es bleibt also die Aufgabe der Landesregierung durch gezielte Strukturpolitik dieEntwicklungspotentiale des ländlichen Raumes voll auszuschöpfen. Aber im Bericht gibtes dafür nur wenige Beispiele. So ist es zwar lobenswert, dass man in Zukunft mehrMittel in die Entwicklung der Biomasse und Energie stecken will. Die Investitionen fürdie erneuerbaren Energien sollen von ca. 4 auf ca. 8 Mio. € ansteigen. Allerdingskonterkariert die Landesregierung - oder sagen wir lieber klar und deutlich, dassWirtschaftsministerium - mit ihrer Blockadepolitik bei der Windenergie z.B. beimAusbau des Husumer Hafens diese zukunftsweisenden Ansätze. Hier bekommt derländliche Raum also flächendeckend ein Placebo in Höhe von 4 Mio. €, aber gleichzeitigwerden zukunftsträchtige Investitionen verhindert, obwohl hier in der Vergangenheittausende von Arbeitsplätzen geschaffen wurden. Die Landesregierung hat hierentweder kein Konzept, oder sie nimmt bewusst eine Ausblutung des ländlichenRaumes in Kauf.Der SSW es allerdings als positiv, dass in Zukunft mehr Gelder für die Modulation derLandwirtschaft und für den Vertragsnaturschutz angesetzt worden sind. Das sind beidesMaßnahmen die sehr wichtig sind, um die Strukturänderungen in der Landwirtschaftvernünftig und zukunftsgewandt abzufedern. Das sind allerdings aus unserer Sicht dieeinzigen konstruktiven Ansätze im Konzept der Landesregierung. 4Denn auch die zukünftige Finanzierung des Küstenschutzes im ländlichen Raum sehenwir sehr kritisch, weil sie noch völlig ungeklärt ist. Denn die EU will laut Bericht will dieMittel von ca. 48 Mio. € auf ca. 27 Mio. € kürzen. Es ist nicht hinnehmbar, dass dieLandesregierung noch nicht weiß, wie sie diese finanzielle Deckungslücke schließen will.Im Bericht steht nur, dass die gekürzten EU-Mittel durch nationale Mittel kompensiertwerden müssen und, dass der Landwirtschaftsminister entsprechende Mittel beimWirtschaftsminister beantragt hat. Angesichts der Wichtigkeit des Küstenschutzes –gerade auch im ländlichen Raum – ist die ungeklärte Finanzierung in dieser Frage schonsehr problematisch. Hier wünschen wir uns mehr Kreativität und den politischen Willender Landesregierung um die notwendigen Gelder zeitnah zu beschaffen und erwarteneine Klarstellung des Berichtes in diesem Punkt. Bleiben die Summen für denKüstenschutz in Zukunft dieselben wie früher, oder nicht?Es würde uns im ländlichen Raum immer wieder gesagt, dass wenn wir gute Konzeptehaben, wir auch Chancen auf eine Förderung haben sollten. Dieser Bericht, der uns nunheute vorliegt, spricht eine gegenteilige Sprache. Fördermittel werden aus demländlichen Raum abgezogen, obwohl es gute Ideen gibt und die Projekte aus denländlichen Strukturanalysen bei weitem noch nicht abgeschlossen sind. Undzukunftsträchtige Projekte zur wirtschaftlichen Weiterentwicklung werden abgewürgt.Damit würgt die Landesregierung den ländlichen Raum ab.