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Lars Harms zu TOP 18 - Pflegeportal Schleswig-Holstein
PresseinformationKiel, den 30.06.2006 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 18 Pflegeportal Schleswig-Holstein Drs. 16/847Vor zwei Jahren haben wir im Landtag über den erfolgreichen Modellversuch derträgerunabhängigen Beratungsstellen gesprochen. Durch alle Fraktionen waren wir uns einig,dass eine unabhängige Beratung das beste Mittel ist, um im Falle der Pflegebedürftigkeit dieEinrichtung seiner Wahl zu finden. Pflegebedürftigkeit kann sich schleichend einstellen, in denmeisten Fällen ist es aber ein Sturz, ein Unfall oder ein Schlaganfall, der zumeist ältere Personenvon einer Sekunde zur anderen zum Pflegefall macht. Die Angehörigen müssen dann inWindeseile viele Entscheidungen treffen.Dabei werden die Angehörigen durch die trägerunabhängigen Beratungsstellen in vorbildlicherWeise unterstützt. Durch eine sachkundige Beratung wird ein stationärer Aufenthalt inmanchen Fällen sogar vermieden, obwohl man als Laie dachte, dass es gar nicht anders geht.Denn manchmal können bereits kleine Umbauten in den eigenen vier Wänden einen Umzug insHeim verhindern. Man muss nur wissen, was man tun muss, welche Hilfsmittel es gibt und - dasist bei vielen nicht unerheblich – wer die Kosten trägt. 2Noch 2004 hing der Himmel voller Geigen: die Arbeit der Pflegeberatungsstellen wurdeallenthalben gelobt; die Zukunft schien gesichert. Doch inzwischen warten die Träger im Landauf ein Signal aus dem Sozialministerium, das allerdings noch auf sich warten lässt. Schlagzeilenwie „Pflegeberatung droht das Aus am Jahresende“ vom 7. Juni aus Mölln sind alarmierend. Undsolche Schlagzeilen dürfen nach Auffassung des SSW eigentlich gar nicht erst entstehen. Wennman politisch einig darüber ist, dass die Pflegeberatungsstellen gute Arbeit leisten, dann darfman diese auch nicht scheibchenweise in Frage stellen.Doch wir reden ja hier über ein internetgestütztes Pflegeportal, über dessen Einrichtung dieLandesregierung berichten soll. Was haben Beratungsstellen mit einem Pflegeportal zu tun?Sehr viel, wollen sie beide doch das gleiche: schnelle und zuverlässige Informationen über dasregionale Pflegeangebot.Mehr oder mehr wird das Internet zur Informationsquelle erster Wahl. Doch müssen wir unsdarüber klar sein, dass gerade ältere Menschen doch eher persönliche Beratung nachfragen: siegreifen zum Telefon oder machen sich kurzerhand gleich auf den Weg zur Beratungsstelle.Darum hat sich der SSW bereits vor zwei Jahren für die Verstetigung der Finanzierung derBeratungsstellen eingesetzt, um deren Angebot auch nach Ende der Modellphase gewährleistenzu können. Das, was damals richtig war, ist nach zwei Jahren beileibe nicht überholt.Zu keinem Zeitpunkt kann ein Internetangebot die persönliche Beratung ersetzen, vor allem diedialogische Struktur kann das Internet nur begrenzt gewähren. Dazu ist das Thema, von dem wirhier sprechen; Pflegebedürftigkeit nämlich, viel zu persönlich und entzieht sich auch einStückweit der Standardisierung. Wer sich über das Internet informieren möchte, der muss nichtnur über die technischen Voraussetzungen verfügen, sondern muss auch genau die richtigenFragen stellen. Denn eine Datenbank gibt nur das preis, wonach sie gefragt wird. Die regionalen 3Pflegeportale im Netz informieren Interessierte über die Vielfalt des Angebots, bevor diePflegebedürftigkeit eingetreten ist.Ich persönlich würde sicherlich ein Pflegeportal nutzen, doch ich glaube nicht, dass das auf alleSchleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner zutrifft. Gleichwohl ist es wichtig daspersönliche Beratungsangebot der Beratungsstellen zu ergänzen. Hier kann ein Pflegeportalwichtige Informationen bieten. Dabei ist es zum Beispiel wichtig einen Überblick über dieLeistungsanbieter im ganzen Land zu bekommen. Oft sind der Wohnort der betroffenen und derWohnort von verwandten nicht identisch. Je nach dem an welchem Ort nun die Leistungerbracht werden soll, muss eine Vergleichbarkeit der Angebote möglich sein, ohne das man vonBeratungsstelle zu Beratungsstelle verwiesen wird. Hier kann ein Internetportal durchaushelfen. Zumal dann, wenn man auch gleich die Preise für die Leistungen genannt bekommt underfährt, ob überhaupt noch Platzkontingente vorhanden sind.Mir ist klar, dass ein Berichtsantrag keineswegs gleichzusetzen ist mit einem Antrag zurEinsetzung eines Portals. Und der SSW möchte auch eindringlich davor warnen, Ressourcenaufzuteilen. Aber wir müssen unser gutes Angebot in der Beratung von Pflegebedürftigen undderen Angehörige stetig verbessern. Wir sollten daher das derzeitige Angebot bei denunabhängigen Beratungsstellen erhalten und gleichzeitig nach und nach ein Portal zurUnterstützung dieser Beratungsleistungen entwickeln.Ziel muss bleiben, ohne Wartezeiten umfassend, unabhängig und persönlich beraten zu werden.Je niedriger dabei die Zugangsschwelle ist, desto besser. Einer der wichtigsten Vorteile einesPortals ist dabei, dass es rund um die Uhr angeklickt werden kann. Wenn das Pflegeportal alseine Ergänzung und nicht als Erstattung für die unabhängigen Beratungsstellen aufgebautwerden soll, dann macht es nach Ansicht des SSW Sinn. Daher ist eine Untersuchung diesesThemas im Rahmen eines Berichtes nach unserer Auffassung ein guter Weg, um zu sehen, wiewir die Pflegedienstleistungen noch transparenter und leichter zugänglich machen können.