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12.09.06 , 16:25 Uhr
Landtag

Landtagspräsident Kayenburg zur Ausstellung im Landtag: Die Freude über den Fall des Eisernen Vorhangs wird wieder spürbar

130/2006 Kiel, 12. September 2006

Sperrfrist: 12. September, 18:30 Uhr Es gilt das gesprochene Wort!


Landtagspräsident Kayenburg zur Ausstellung im Landtag: Die Freude über den Fall des Eisernen Vorhangs wird wieder spürbar
Kiel (SHL) – In seinem Grußwort zur Eröffnung der Ausstellung „Vom Fall der Mauer zur Deutschen Einheit“ sagte Landtagspräsident Martin Kayenburg heute unter anderem:
„Zwischen dem Fall der Mauer und der Einheit Deutschlands lag nur ein knap- pes Jahr, in dem ein rasanter und tief greifender historischer Prozess ablief. Die Dynamik, mit der aus der Grenzöffnung schließlich ein vereintes Deutsch- land mit 16 Bundesländern wurde, erscheint uns Zeitzeugen noch heute wie ein Wunder. Sicher, gehofft hatten wir es immer; jedenfalls die meisten von uns. Paul Löbe, Alterspräsident des Ersten Deutschen Bundestages, hat 1949 gesagt: ‚Indem wir die Wiedergewinnung der deutschen Einheit als erste unse- rer Aufgaben vor uns sehen, versichern wir gleichzeitig, dass dieses Deutsch- land ein aufrichtiges, von gutem Willen erfülltes Glied eines geeinten Europas sein will.’ Letztlich währte die Teilung über 40 Jahre. Auch ein gewisser Gewöhnungs- prozess war nicht zu leugnen. Viele Menschen – besonders im Westen Deutschlands – hatten sich mit der Situation abgefunden; manche sogar nicht mehr an die Wiedervereinigung geglaubt. Dass sie endlich doch möglich wur- de, ist neben den günstigen weltpolitischen Rahmenbedingungen vor allem mit dem Druck zu erklären, den die Menschen in Ostdeutschland mit ihrer friedli- chen Revolution aufgebaut haben. ‚Wir sind das Volk’ wurde zum Schlachtruf gegen das diktatorische Regime. Demokratie als Herrschaft des Volkes, als Selbstbestimmungsrecht zur Freiheit – das wurde damals wörtlich genommen und in die Tat umgesetzt. 2


Die Medienberichte in unserer Ausstellung lassen die Erinnerung daran aufle- ben. Die große Freude darüber, dass der Eiserne Vorhang fiel, wird wieder spürbar. Die unmenschliche Grenze, die so viele Tragödien und unermessli- ches Leid gebracht hatte, wurde durch eine friedliche Revolution beseitigt. So kam zusammen, was zusammen gehört – obwohl in der deutschen Wirklichkeit noch manches Trennende zu überwinden ist. Es bedarf nachhaltiger gemein- samer Anstrengung, Deutschland zu einem Land, zu einer auf gemeinsame Ziele verpflichteten Gesamtgesellschaft zu formen. Vorurteile galt und gilt es abzubauen und die Grenze auch in den Köpfen endgültig zu beseitigen. Es mag noch einige Jahre dauern, aber wenn alle daran mitarbeiten, dann geht unser gemeinsames Land einer guten Zukunft entgegen, in der die Gleichwer- tigkeit der Lebensverhältnisse in Ost und West unser Ziel bleiben muss.
Die zentralen Forderungen, Hoffnungen und Wünsche des Herbstes 1989 sind erreicht. Politische Unterdrückung und Bespitzelung haben ein Ende. Menschen, die ihr Land verlassen wollen, laufen nicht mehr Gefahr, an einer unmenschli- chen Grenze erschossen oder von Minen zerrissen zu werden. An die Stelle der kommunistischen Diktatur sind Demokratie, freiheitliche Grundrechte und der ‚aufrechte Gang’ der Ostdeutschen getreten. Gerade weil ewig Gestrige immer dreister versuchen, die Verhältnisse in der DDR zu verklären, ist die Ausstellung so wichtig.
Wir haben noch vieles zu verändern, um Deutschland zu einem einig Vaterland werden zu lassen. Die Folgen des demographischen Wandels und der Abwan- derung sind in den neuen Bundesländern besonders deutlich zu spüren. Auch die Reform unseres föderalen Systems wird einen Beitrag zur Herstellung ver- gleichbarer Lebensverhältnisse leisten müssen. Aber, um mit Friedrich Schor- lemmer zu sprechen: Es ist doch sehr erfreulich, dass wir uns nicht mehr mit den Problemen der Teilung, sondern vielmehr mit denen der Einheit befassen müssen!
Ganz besonders freue ich mich, dass wir Lothar de Maizière für den heutigen Abend gewinnen konnten, der als einziger frei gewählter und zugleich letzter Ministerpräsident der DDR einer der Architekten der deutschen Einheit ist. Die extrem gute Resonanz auf unsere Einladung zur heutigen Eröffnung haben wir zu allererst ihm zu verdanken.“

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