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Lars Harms - TOP 10 - Weg vom Öl
PresseinformationKiel, den 13.09.2006 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 10 „Weg vom Öl“ – Auswirkung eines dauerhaft hohen Ölpreises auf Wirtschaft und Verkehr Drs. 16/823In der Einleitung der Großen Anfrage stellt die Landesregierung richtigerweise fest, dass dieendlichen Energieträger – Kohle, Öl, und Gas sowie Uran – für sich selbst wie auch als Verbundnur als Übergänge anzusehen sind. Und dass es daher die Aufgabe dieser Zeit ist, dieseÜbergänge bruchlos zu organisieren. Hierin stimme ich mit der Landesregierung überein. DieFrage ist aber, wie viel Zeit uns für diese Übergänge wirklich zur Verfügung steht? Hier geht dieLandesregierung davon aus, dass es beispielsweise für die nächsten 40 Jahre gesicherte Reservenfür Rohöl gibt – bei heutiger Produktion und Nachfrage. Es gibt aber auch Ölvorkommen, dienoch bis ins 22 Jahrhundert reichen, wobei die Gewinnung dieser Vorkommen mit immensemAufwand und Kosten verbunden sein werden. Dies wird sich natürlich auf den Preisniederschlagen. 2Demgegenüber steht die ökologische Seite. Hier macht die Landesregierung deutlich, dass derentscheidende Verbrauchssektor für Erdöl und zunehmend auch für Erdgas der Verkehrsbereichsein wird. So hat es 1960 weltweit ca. 60 Millionen Fahrzeuge und im Jahr 2000 bereits 700Millionen Fahrzeuge gegeben und es ist davon auszugehen, dass es um die Jahre 2020 und 2050jeweils eine und zwei Milliarden Fahrzeuge sein werden. Welche negativen Auswirkungen diesauf den Treibhauseffekt und die damit zusammenhängenden Klimafolgen haben wird, ist derzeitkaum abschätzbar. Aber dass ein Klimakollaps dann nicht mehr ausbleibt, ist klar.Wir können also feststellen, dass die Nachfrage nach Öl und somit auch der Ölpreis nachhaltigsteigen werden. Und je knapper das Öl wird, desto mehr wird der Preis in die Höhe gehen. Dies istzwar eine alte Erkenntnis, die schon mehrere Jahrzehnte alt ist, aber trotzdem hat sie noch beiweitem nicht jeder verinnerlicht. Deshalb müssen wir gerade etwas daran setzen, Energieeinzusparen und auch neue Arten der Energiegewinnung zu erschließen.Dabei hat mich die Antwort der Landesregierung auf die Frage nach den Potentialen zurReduktion des Ölverbrauchs im Verkehr in Schleswig-Holstein im Zusammenhang mit einemgenerellen Tempolimit auf Autobahnen und Bundesstrassen durchaus überrascht. Demzufolgeliegen der Landesregierung keine konkreten Erkenntnisse über eine mögliche Reduzierung desÖlverbrauchs durch Tempolimits vor. Die Landesregierung beruft sich hierbei auch aufMitteilungen des Bundesverkehrsministeriums, wonach das Potential einer Kraftstoffeinsparungund damit auch einer Schadstoffreduzierung durch ein generelles Tempolimit auf Autobahnenweit überschätzt wird.Eine Studie der Internationalen Energie Agentur kommt hierbei jedoch zu einem anderenErgebnis, wonach ein Tempolimit tatsächlich Kraftstoff sparen könnte.Wenn also ein Tempolimit auf deutschen Strassen derzeit politisch nicht gewollt ist, müssenandere Wege eingeschlagen werden, um den Ölverbrauch zu senken. Das heißt beispielsweise,der Durchschnittsverbrauch der Fahrzeugflotte muss weiter gesenkt werden und das Umsteigenvom Individualverkehr auf öffentliche Verkehrsträger muss erleichtert werden. 3Was den ersten Punkt angeht, so hat es derzeit den Anschein, dass die deutscheAutomobilindustrie lieber auf PS- und leistungsstarke Spritfresser setzt, statt energiesparendeMotoren auf den Markt zu bringen. Diese Produktstrategie könnte sich, in Zeiten hoherSpritpreise und wo Sparsamkeit gefragt ist, künftig negativ auswirken. Schließlich reagierenausländische Automobilhersteller bereits erfolgreich mit neuen sparsameren Technologien.Das öffentliche Verkehrswesen gehört aus Sicht des SSW zur Daseinsvorsorge, um den Bürgernein Mindestmaß an Mobilität zu gewährleisten. Um den Individualverkehr auf öffentlicheVerkehrsträger umzulenken, benötigen wir beispielsweise eine Verbesserung im Bereich derVerknüpfung der unterschiedlichen öffentlichen Verkehrsträger untereinander und desIndividualverkehrs. Hier muss das Angebot auf die Nachfrage besser abgestimmt werden, dannkönnen auch die Potentiale im Land noch besser ausgeschöpft werden.Dies ist nur ein kleiner Auszug aus der umfangreichen Antwort der Landesregierung auf dieGroße Anfrage zum Thema „Weg vom Öl“. Unterm Strich bleibt aber festzuhalten, dass es imBereich der Energiepolitik noch viele Potentiale gibt, um Energie einzusparen und um den Weg„weg vom Öl“ hinzubekommen.Dazu gehören beispielsweise die Erhöhung der Effizienzsteigerung und die Mobilisierungvorhandener Energieeinsparpotentiale. Gerade die Einsparpotentiale sind noch lange nichtausgeschöpft und in diesem Bereich muss noch viel getan werden.Die mittel- und langfristigen Probleme werden wir aber auch nur in den Griff bekommen, wennwir weiterhin auf erneuerbare Energien und auf moderne Antriebssysteme setzen. Mit einersolchen Politik tun wir am meisten für die Bürgerinnen und Bürger des Landes.