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Anke Spoorendonk zu TOP 30 - Bürokratiekosten messen und begrenzen
PresseinformationKiel, den 15.09.2006 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 30 Bürokratiekosten messen und begrenzen Drs. 16/774Seit Jahren klagen wir alle gemeinsam darüber, dass unser Gesellschaftssystem undinsbesondere die Unternehmen mit zuviel Bürokratie überfrachtet sind. Dass gerade dieBundesrepublik in diesem Bereich ein besonderes Problem hat, sieht man auch ininternationalen Organisationen so. Nach Einschätzung von OECD, Weltbank oder EuropäischerUnion ist in vielen Rechtsbereichen die Regulierungsqualität mäßig und namentlich dieBürokratiebelastung der Wirtschaft überdurchschnittlich hoch. So werden für kleine undmittlere Unternehmen bis zu 4.300,- € an jährlichen Bürokratiekosten pro Mitarbeiter geschätzt.Staatliche Regulierung und Bürokratie werden von der Hälfte der deutschen Unternehmen alswesentliches Hindernis für unternehmerischen Erfolg benannt. Man rechnet insgesamt mit ca.100 Milliarden Euro Kosten pro Jahr.Seit Jahren versprechen Regierungen und Parlamente daher auch den Abbau von Bürokratie inAngriff zu nehmen. Doch wir wissen leider auch, dass dies weder sehr einfach, noch bisher sehrgut gelungen ist. Das liegt natürlich auch daran, dass wir in einer sehr komplexen Gesellschaft 2leben, wo man oft nur mit differenzierten Lösungen für Problemstellungen weiter kommt. Dazugibt es die Tendenz, dass Einzelfälle, die in den Medien aufgebauscht werden, gleich mit neuenGesetzen gelöst werden sollen. Anders herum muss man aber auch klar sagen, dass nicht alles,was Arbeit macht, auch gleich Bürokratie ist. Die Legislative und die Exekutive brauchen also vorallem bessere Informationen darüber, was Bürokratie ist und welche Bürokratiekosten dieverschiedenen politischen Initiativen verursachen.Auch die Bundesregierung und der Bundestag haben die Zeichen der Zeit erkannt und wollen einunabhängiges Gremium – ein so genannter Nationaler Normenkontrollrat - einsetzen, das dieKosten jedes Gesetzes, jeder Rechtsverordnung und jeder Verwaltungsvorschrift überprüft. Dasist zu begrüßen, denn es muss unser gemeinsames Ziel auf allen Ebenen des Staates sein, dasswir so schnell wie möglich Methoden entwickeln, die zur Gesetzesfolgenabschätzungenbeitragen und somit alle wirtschaftsrelevanten Gesetze dahin gehend abklopfen, ob sie zuBürokratie-Belastungen für Unternehmen führen oder nicht.Deshalb begrüßt der SSW, dass der Landtag gemeinsam diesen Antrag beschlossen hat und wirjetzt einen Bericht der Landesregierung über das Thema „Bürokratiekosten messen undbegrenzen“ vorliegen haben. Dem SSW war es in diesem Zusammenhang ein besonderesAnliegen, dass die Landesregierung dabei über Erfahrungen des so genannten Standard-Kosten-Modells, dass insbesondere in den Niederlanden und Dänemark erfolgreich angewandt wird,berichtet. Beim Standard-Kosten-Modell dreht es sich um ein Bürokratiekosten-Messverfahrenzur Bestimmung der Verwaltungslasten. Das Modell schafft Transparenz über bürokratischeBelastungen von Unternehmen bei den so genannten Informationspflichten und dient dazu,gesetzliche Korrekturen einzuleiten. Der große Vorteil dieses Modells ist also, dass die Gesetzedamit ein Preisschild bekommen. Bislang fehlt uns ja die Transparenz bei der Frage, welcheKosten den Bürgern und Unternehmen durch unsere Gesetze entstehen. Das SKM gibt eineobjektive - ideologiefreie - Diskussions- und Entscheidungsgrundlage für die Politik, die damitauch weniger abhängig wird von Informationen aus der eigenen Verwaltung. 3Überträgt man die positiven Erfahrungen, die die anderen schon seit einigen Jahren mit diesemModell haben, dann kann es nach Meinung von Experten zu einem zusätzlichenWirtschaftswachstum von bis zu 1,5% jährlich führen. Angesichts der niedrigen Wachstumsratenin den letzten Jahren, wäre dies natürlich ein phantastisches Ergebnis. Das setzt aber zum einenvoraus, dass der politische Wille vorhanden ist, sich dieser Methoden zu bedienen. Zum anderenmuss man dann auch die entsprechenden Konsequenzen aus den Gesetzen ziehen, die zu einemMehr an Bürokratie führen, denn die Messung ist nur der erste Schritt. Wenn die Zahlen auf demTisch liegen, sind Politiker und Fachverwaltungen gefragt, über günstigere Alternativen zudiskutieren. Die Stärke dieses Modells besteht also darin, das allgemeine Interesse nach wenigerBürokratie den eng vernetzen, machtvollen Fachinteressen gegenüber zu stärken.Auch in Deutschland gibt es bereits ansatzweise Erfahrungen mit dem SKM-Modell. Soinformierte uns die Firma Rambøll Management aus Hamburg darüber, dass sie derzeit einigePilotprojekte durchführt, wie zum Beispiel eine Bürokratiekostenmessung derLandesbauordnungen in sechs Bundesländern. – Auch ist Rambøll dabei, in einigenBundesländern ein Quick-Check aller Landesgesetze durchzuführen, um so die Bürokratiekostender Unternehmen zu identifizieren. In Dänemark wird Ramböll in Zukunft sogar alle neuenGesetze einer Standard-Kosten-Analyse unterziehen und damit die Kosten, die denUnternehmen durch die erlassenen Gesetze entstehen, transparent machen. Dies gibt demGesetzgeber schon im Vorfeld die Möglichkeit politisch umzusteuern.Diese Beispiele zeigen, dass man das SKM-Modell mit Erfolg auch in Schleswig-Holsteinumsetzen könnte, und deshalb ist der SSW schon sehr darüber enttäuscht, dass dieLandesregierung bisher so zögernd auf dieses Modell reagiert hat. Gerade unserWirtschaftsminister fordert doch landauf landab, dass die Bürokratiekosten der Unternehmengesenkt werden müssen. Das SKM-Modell ist in diesem Zusammenhang eine große Chance. ImBericht mach die Landesregierung scheinbar eine Öffnung in diese Richtung. Daher sollten wirgemeinsam mit der Landesregierung im Ausschuss darüber Gedanken machen, in welchenBereichen dieses Modell für uns attraktiv ist.