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15.09.06 , 16:25 Uhr
SSW

Anke Spoorendonk zu TOP 45 - Angebot an Studienplätzen

Presseinformation
Kiel, den 15.09.2006 Es gilt das gesprochene Wort



Anke Spoorendonk
TOP 45 Angebot an Studienplätzen Drs. 16/941

In dem vorliegenden Bericht legt die Kultusministerin die Prognose für die
Abiturientenzahlen vor, um darzulegen, wie sich diese Zahlen auf das Angebot an
Studienplätzen in Schleswig-Holstein auswirken. Danach werden in zehn Jahren in
Schleswig-Holstein statt 11.800 wahrscheinlich 17.600 Schülerinnen und Schüler die
Schule mit dem Abitur verlassen. Der Bericht räumt ein, dass eine ganze Reihe von
Faktoren nicht berücksichtigt werden konnten – nämlich alles das, was in dem Begriff
Mobilitätsverhalten zusammengefasst werden kann. Nicht zu prognostizieren ist
weiterhin, ist zu lesen, welche Auswirkungen mögliche politische Programme als
Konsequenz der neusten OECD-Studie zum Thema Bildung haben werden.
Insgesamt ist es also eher fraglich, ob die im Bericht genannten Zahlen mehr sind als
eine Trendangabe. Hinzu kommt, dass sie den Eindruck erwecken, man sei fast davon
überrascht worden, dass ein Abitur nach 12 Jahren auch Auswirkungen auf die Situation
an den Hochschulen haben wird. Zumal man auch auf der Ebene der 2
Kultusministerkonferenz erst recht spät damit begonnen ist, ein Konzept zu erarbeiten.
Denn erst im Dezember sollen die Regierungschefs darüber beraten, wie ein
Hochschulpaket von Bund und Ländern ausgestaltet werden kann.



Das Ministerium selbst räumt ein „Defizit an Studienanfängerplätzen in den
kommenden Jahren“ ein, sogar ein „deutliches“ (Seite 5). Aus Sicht des SSW geht also
kein Weg daran vorbei, in den Ausbau der Hochschulen zu investieren. Denn bereits
jetzt sind die Zahlen ja alarmierend: auf dem Flensburger Campus beispielsweise ist
allein an der Universität die Zahl der Bewerber fürs Wintersemester um fast ein Drittel
von rund 2.500 auf 3.400 gestiegen. - Der Anteil der Landeskinder ist dabei leicht
gesunken. Gestiegen ist dagegen der Anteil der Studienanfänger aus Niedersachsen,
eine interessante Beobachtung, finde ich.



Zu bedenken gibt, dass die Landesregierung – trotz der Tatsache, dass man bis 2011 bei
den Studienanfängern einen Anstieg von mehr als 20% erwartet – nicht vor hat, die
Strukturen an den Hochschulen langfristig auszubauen. Zusätzliche Professorenstellen,
zumal als Stiftungsprofessuren, wie im Bericht empfohlen, werden zum Beispiel nicht
innerhalb weniger Monate geschaffen und besetzt werden können. Stattdessen werden
bestehende Deputate erhöht und die Lebensarbeitszeit der Professoren verlängert. Das
ist nichts anderes als Flickschusterei.



Der SSW fordert vor dem Hintergrund der steigenden Studierendenzahlen ausdrücklich
die Ausweitung von Personalkapazitäten. Denn wie sonst soll gewährleistet werden,
dass die hehren Ziele – Studienangebote für eine steigende Anzahl Studierende, die 3
Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge und keine Einschränkungen in der
Forschung - erreicht werden?



Und weil wir in diesen Tagen – mit der vorhin genannten OECD-Studie - wieder daran
erinnert werden, wohin die Bildungsreise der Bundesrepublik hingehen muss, wenn wir
denn mit unseren Nachbarländern in Europa mithalten wollen, dann will ich
abschließend auch noch mal darauf hinweisen, dass Investitionen in die Köpfe sich für
die ganze Gesellschaft auszahlen und dass der Anteil derjenigen, der nach bestandenem
Abitur das Studium anstrebt, international gesehen in Deutschland immer noch i viel zu
gering ist. Die Bildungspolitik muss sich also umorientieren und die Universitäten
müssen besser ausgestattet werden, um sich öffnen zu können. Das wird letztlich uns
allen zu Gute kommen – auch der Wirtschaft.

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