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Anke Spoorendonk - TOP 14 - Wohnungsbaupolitik in Schleswig-Holstein
PresseinformationKiel, den 11.10.2006 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 14 Schleswig- Wohnungsbaupolitik in Schleswig-Holstein Drs. 16/1009Die Wohnungsbaupolitik in Schleswig-Holstein steht in vielen Bereichen vor großenHerausforderungen. Dies geht klar aus der Antwort der Landesregierung auf die Große Anfrageder SPD-Fraktion hervor.Vordringlich wird deutlich, dass insbesondere der Neubau und die Modernisierung vonWohneinheiten und die damit verbundene Finanzierung die wohl größte Aufgabe in diesemBereich für die nächsten Jahre darstellen. So prognostiziert die „Wohnungsmarktprognose fürSchleswig-Holstein 2020“ für den Zeitraum 2004 bis 2020 einen Neubaubedarf von rund 134.000Wohnungen - bis 2010 wurde ein Bedarf von rund 70.000 Wohnungen ermittelt. Darüber hinauswurde prognostiziert, dass die Wohnungsunternehmen zur Erhaltung ihres Wohnungsbestandesplanen, bis 2009 insgesamt 150.000 Wohnungen zu modernisieren.Angesichts der angespannten Haushaltslage ist es daher nur verständlich, dass das Land hier nurflankierend zur Seite stehen kann und dementsprechend hoch ist die Differenz zwischen denprognostizierten Bedarfen und den Angeboten aus der Wohnraumförderung. 2Mit der Föderalismusreform verlagert sich künftig die Verantwortung für die sozialeWohnraumversorgung vollständig auf die Länder. Bei dem Zustand der öffentlichen Kassen keineeinfache Aufgabe! Lindernd wird sich jedoch auswirken, dass der Bund bis 2013 nochzweckgebundene Kompensationszahlungen zur Fortsetzung einer investivenWohnraumförderungspolitik zur Verfügung stellt.Wichtig für uns ist und bleibt aber, dass die Bedürfnisse des sozialen Wohnungsmarktes auch inZukunft gedeckt werden und dass die Städteplanung dahingehend entwickelt wird, dass guteLebensgrundlagen für die Menschen geschaffen werden. Wir brauchen bezahlbaren Wohnraumgerade für jene Mitbürger, die aus eigener Kraft nicht in der Lage sind, am Markt für sichangemessenen Wohnraum zu finden. Daher begrüßen wir die Aussage der Landesregierung,dass sie auch künftig die Wohnraumförderpolitik fortsetzen wird - im Sinne einer sozialen,ökologischen und wirtschaftlichen Stadtentwicklungspolitik.Neben der Neubauförderung ist natürlich auch die Modernisierung von Wohneinheitenweiterhin ein wichtiger Faktor der Wohnungsbaupolitik. Denn mit dem Abschmelzprozesssozialer Bindungen bei Wohneinheiten wird es künftig weiter darauf ankommen an andererStelle entsprechenden Wohnraum vorhalten zu können, so dass es nicht zu Engpässen beiWohneinheiten mit Belegrecht kommt.Ein wichtiger Aspekt bei der Modernisierung von Wohneinheiten ist weiterhin die energetischeErneuerung der Bestände. Gerade angesichts steigender Energiepreise – energiebedingteWohnnebenkosten sind im letzten Jahr je nach Energieträger um mindestens 25% gestiegen –kommt der Energieeinsparung künftig mehr Bedeutung zu. Denn Nebenkosten werdenzunehmend zum Auswahlkriterium für Wohnungen werden. Bei Wohneinheiten mit Belegrechtwerden durch die Verbesserung des Energieverbrauchs auch die öffentlichen Kassen auf langeSicht entlastet. 3Hier muss die Landesregierung noch erhebliche Anstrengungen unternehmen, um bei Investorenden Investitionswillen hinsichtlich der Modernisierung und Sanierung von Wohneinheitenanzustoßen. Daher begrüßen wir, dass sie ihre Bemühungen in diesem Bereich künftigverstärken will, um Geld-Anreize zu schaffen.Neben der sozialen Komponente beinhaltet die Wohnraumförderung aber auch einen wichtigenwirtschaftlichen Faktor. Gerade in Zeiten schwacher Konjunkturphasen in der Bauwirtschaftsorgt die Wohnraumförderung für zusätzliche Investitionen. So hat die I-Bank im Jahr 2005 mit64 Mio. • aus Mitteln der Sozialen Wohnraumförderung insgesamt Objektkosten fürEigentumsmaßnahmen und Mietwohnungen in Höhe von rund 223 Mio. • finanziert und damitgeschätzte Gesamtinvestitionen in Höhe von rund 400 Mio. • ausgelöst. Und es wärewünschenswert, wenn die Landesregierung die erhofften Effekte auch für die Programmjahre2005/2006 generieren kann. Denn schließlich hat die Förderung von Wohnraum nicht nurpositive Auswirkungen auf den Bausektor, ebenso erfolgreich wirkt sich dies auch auf denDienstleistungssektor im Bereich Wohnungs-, Grundstücks- und Immobilienwirtschaft aus.Angesicht der demografischen und sozialen Entwicklung in der Bevölkerung kommt neben derObjektförderung künftig mehr als bisher die gezielte Städtebauförderung zum Tragen.Insbesondere mit dem Bund-Länder-Kommunen-Programm „Soziale Stadt“ wird der Versuchunternommen, ganze Stadtteile, in denen Armut und Arbeitslosigkeit vorherrschen, wiederaufzuwerten. Diese Quartiere sollen wieder auf die Höhe der Zeit gebracht werden. Sanierung,Wohnraumaufwertung, Stadtteilzentren, Begrünung und Bürgerbeteiligung sollen ausProblembereichen wieder lebenswerte Lebensräume machen und so auch soziale Problemebekämpfen. So lautet zumindest die Theorie.Aus der Antwort der Landesregierung geht hervor, dass das übergeordnete Ergebnis derZwischenevaluierung des Programms „Soziale Stadt“ zu dem Schluss kommt, dass dasProgramm ein geeignetes Instrument ist, um den Folgen der wachsenden Segregation 4entgegenzuwirken. Die Gesamtbewertung macht aber deutlich, dass nach vier Jahren derProgrammumsetzung noch keine wesentlichen Verbesserungen der Gesamtsituation in denbetroffenen Stadtteilen festzustellen ist.Soll heißen: Die Soziale Stadt ist vor allem ein Bauprogramm. Aber wenn es um sozialeBenachteiligung geht, reden wir nicht nur von Infrastruktur und Wohnumfeldern. Dann geht esauch um Arbeit, um Bildung, um Soziales, um Integration von Einwanderern und umGesundheitsförderung, um nur die wichtigsten Punkte zu nennen. Ohne einen gezielten Einsatzvon Mitteln für bestimmte soziale Gruppen werden die Probleme der Stadtteile mit besonderemEntwicklungsbedarf nicht gelöst. Nicht zuletzt die Kinder und Jugendlichen brauchenUnterstützung, um sich von einem belastenden sozialen Erbe zu lösen. Dafür müssen auchFördermittel zur Verfügung stehen.Diesen Fehler hat auch die Bundesregierung erkannt und die Förderung nicht-investiver Projektezugelassen. Insgesamt wurden bundesweit für das Programmjahr 2006 40 Mio. • , Bundesmittelfreigesetzt - für Schleswig-Holstein wurden insgesamt 1,3 Mio. • zugelassen.Angesichts der Probleme, die wir in den genannten Stadtteilen haben, fällt diese Summe aufeinen extrem heißen Stein. Dass damit nur Modellvorhaben gefördert werden, kommterschwerend hinzu. Daher müssen die Förderrichtlinien breiter gestaltet werden, und es müssennoch weitere Förderprogramme erschlossen werden, wenn man hier Erfolge verzeichnen will.Angesicht der Tatsache, dass immer mehr Wohnungsunternehmen und damit auch öffentlichgeförderter Wohnungsbestand in Schleswig-Holstein von der öffentlichen Hand oder vonprivaten Eigentümern an national und international tätige Großanleger verkauft wird, ergebensich Risiken, die derzeit nicht vollends abschätzbar sind. Der Antwort der Landesregierung ist zuentnehmen, dass Schleswig-Holstein unter den Ländern in Deutschland bei den Verkäufen mitmehr als 800 Wohneinheiten - ohne Berücksichtigung der kleineren Verkäufe - eineherausragende Position einnimmt. Kiel ist vor Berlin und dem Rhein-Main-Gebiet die relativ amstärksten vom Handel größerer Portfolios betroffene Region in Deutschland. 5Aus meiner Sicht ist diese Entwicklung sehr beunruhigend. Denn die Gefahr besteht darin, dassdurch die Ablösung der sozialen Darlehen in Zukunft sozialer Wohnraum verloren gehen kannoder andere Probleme auftauchen. Der Mieterbund macht deutlich, dass sich in den betroffenenRegionen in Kiel die Versorgung sowie das Mietermanagement problematisch darstellen undSegregationstendenzen bereits zu beobachten sind.Da sich diese Entwicklung scheinbar nicht ohne weiteres abwenden lässt, ist es wichtig, dassStrategien entwickelt werden, die den sozialen Wohnraum weiter schützen.Ebenso sehen wir eine bundesgesetzliche Regelung zu Real Estate Investment Trusts – kurz REIT –mit Besorgnis. Diese zumeist börsennotierten Immobilien-Gesellschaften, die sich mit dem Besitzund der Bewirtschaftung von Immobilien beschäftigen, bergen die Gefahr, dass kurzfristigeRenditeziele an die Stelle einer nachhaltigen und sozial verantwortlichenBestandsbewirtschaftung treten.Natürlich kann das Land den Verkauf von Wohnbeständen nicht verhindern. Die Frage ist aber,welche Alternativen es zum Verkauf gibt. Hier weist die Landesregierung auf verschiedeneModelle hin. Hervorheben möchte ich hierbei das Beispiel der genossenschaftlichen Lösungen.Hier nimmt Schleswig-Holstein eine bundesweite Vorreiterrolle ein. Insbesondere möchte ich indiesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass der Selbsthilfebauverein Flensburg e.V., der dieWoBau Flensburg in diesem Jahr übernommen hat, erfolgreich am Markt agiert.Genossenschaften haben gegenüber Kapitalgesellschaften den Vorteil, dass sie satzungsgemäßan den Erhalt ihrer Bestände und an dementsprechend geringe Eigenkapitalrenditen gebundensind. Dies ist eindeutig im Sinne unserer Kommunen, da sie mit den Genossenschaften einenlangfristigen Partner an ihrer Seite haben.