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Lars Harms zu TOP 17 - Trennung von Stromerzeugung und Leitungsnetz
PresseinformationKiel, den 12.10.2006 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 17 Trennung von Stromerzeugung und Leitungsnetz Drs. 16/986In den letzten Jahren mussten wir machtlos zusehen, wie die Strompreise immer wieder erhöhtwurden. Obwohl der Strom zu über 30 Prozent aus abgeschriebenen Kernkraftwerken kommtund rund 40 Prozent aus Kohlekraftwerken die heimische Braunkohle oder gar subventionierteSteinkohle nutzen, wird immer wieder behauptet, der Weltmarkt zwinge die Unternehmen zusaftigen Preiserhöhungen. Raus kommen dabei Milliardengewinne, die eigentlich nur daraufberuhen, dass der Kunde keine Wahl hat. Wir können feststellen, dass die so genannteLiberalisierung des Strommarktes gescheitert ist und der Kunde draufzahlen muss.Nun hat man versucht, dem Treiben der Stromkonzerne Herr zu werden, in dem man einePreisaufsicht für Tarifkunden und eine für Strom-Großhandelspreise eingerichtet hat. AufBundes- und auf Landesebene sollen das Kartellamt, die Bundesnetzagentur und dieBundesländer, die vier Großkonzerne kontrollieren. Dass dies nicht funktioniert, konnten wir vorkurzem sehen. Während in anderen Bundesländern der Preis für Strom geringfügig sinken wird, 2weil die Behörden festgestellt haben, dass die Leitungsgebühren zu hoch sind, hat derLandeswirtschaftsminister Schiffbruch erlitten. Bei uns werden die Preise nicht sinken, weil sichHerr Austermann mit der Begründung zufrieden gibt, dass angeblich alle Preissenkungen, dieerst kürzlich andernorts durchgesetzt wurden, schon immer in den E.ON-Durchleitungspreisenenthalten waren. Einen Beweis dafür, haben die Kunden aber nicht. Zahlen dürfen sie aber Dankdieser Landesregierung trotzdem.Die vier größten Stromkonzerne haben eine Monopolstellung. Sie produzieren den Strom und siehaben die Infrastruktur in Form von Tochterunternehmen in ihrem Besitz. Das ist definitiv keineBasis auf der sich marktwirtschaftliche Strukturen entwickeln können. Und wenn dieseStrukturen sich nicht entwickeln können – also, wenn der Markt nicht funktioniert – dann mussder Staat eingreifen. Allerdings darf er dieses nicht dirigistisch tun und Preisvorschriften machenoder durch Aufsichtsbehörden in die Preisbildung eingreifen, sondern er muss die Grundlagendafür schaffen, dass der Markt wieder funktionieren kann. Deshalb ist eine Vielfalt derStromanbieter so wichtig und deshalb ist es noch wichtiger, dass die Infrastruktur nicht in denHänden einiger weniger ist, die dann den Zugang selbst regeln und die Preise nach eigenemGutdünken ohne Wettbewerb festlegen können. Nach meiner Auffassung ist es kein Zufall, dassder von E.ON, Vattenfall und EWE zu betreibende Offshore-Windpark vor Borkum jetztangeschlossen werden soll und dies offensichtlich keine Schwierigkeiten macht, aber dieWindparks vor unserer Westküste, die nicht von den eben genannten Firmen betrieben werden,hier vor riesigen finanziellen Hürden stehen. Deshalb muss das Leitungsnetz aus den großenKonzernen heraus gelöst werden.Dabei meine ich nicht, dass diese Netze verstaatlicht oder enteignet werden sollen. Vielmehrmüssen die Netze eigentumsrechtlich von den Energiekonzernen getrennt werden. Es muss alsoeine bundesgesetzliche Regelung geschaffen werden, dass diese Netze verkauft werden müssenund sie so unabhängig von den Konzernen betrieben werden. Erst dann hätte man die Chance, 3dass sich die Durchleitungsgebühren an den wirklichen marktgerechten Preisen orientieren.Hierzu fordern wir die Landesregierung auf.Zweitens wollen wir in einem weiteren Schritt die Netzbetreiber verpflichten, die Kosten für denAnschluss von Windparks im Offshore-Bereich zu tragen. Was an Land gilt, muss auch auf Seegelten, damit beide Erzeugungsformen - landgestützte und seegestützte - die gleichenBedingungen im Wettbewerb haben. Dies würde zur Folge haben, dass die Investitionskosten fürOffshore-Windparks vor unserer Küste auf Schlag um 25 Prozent sinken würden. Mit einersolchen Regelung würde man daher nicht nur potentielle Investoren glücklich machen, sondernvor allem einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass sich hier eine Industrie entwickeln kann undso Arbeitsplätze in einer Hochtechnologie in unserem Land entstehen würden. Es ist dasureigenste Landesinteresse eine solche Regelung zu bekommen.Zu guter Letzt fordern wir in unserem Antrag, dass bei Investitionen ins Leistungsnetz eineBetrachtung über den gesamten Lebenszyklus einer Investition erfolgt. Mit einer solchenVorschrift würde man in der Diskussion über Freileitungen und Erdkabel zu einer für alletragbaren Lösung kommen. Da dies aber nach unserer Auffassung gesetzlich festgelegt werdenmuss, haben wir eine Formulierung genutzt, die an eine entsprechende Formulierung derLandesregierung aus ihrem Vorschlag für ein ÖPP-Gesetz entnommen ist.Wir wollen mit unserem Vorschlag die Grundlage für eine funktionierende Marktwirtschaft imStromsektor schaffen und dafür sorgen, dass die Stromkunden in Zukunft nicht überfordertwerden und marktgerechte und nachvollziehbare Preise zahlen. Hierfür bitten wir um IhreUnterstützung.