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Lars Harms zu TOP 40 - Ambulante Betreuung, ambulante Pflege
PresseinformationKiel, den 13.10.2006 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 40 Ambulante Betreuung, ambulante Pflege, „Selbstständig leben und wohnen bei Pflege und Betreuungsbedarf“ „Pflege stärken“ Drs. 16/936;16/945Die Landesregierung berichtet darüber, dass der weit überwiegende Teil der Pflegebedürftigenin Schleswig-Holstein zu Hause versorgt wird. Das liegt nicht daran, dass es keine ausreichendenstationären Betreuungsangebote gibt, sondern daran, dass Menschen auch im Falle derPflegebedürftigkeit lieber zu Hause bleiben wollen. Das 18. Altenparlament hat in seinemBeschlüssen kürzlich darauf hingewiesen, dass die Senioren den „eigenen vertrauten vierWänden“ einer Unterbringung im Heim vorziehen, solange dem keine größeren Risikenentgegenstehen. Das Altenparlament fordert eine angemessene Betreuung, um diesem Wunschder Pflegebedürftigen entsprechen zu können.Die Experten in eigener Sache haben die Pflegeberatungsstellen ausdrücklich gelobt. Das tut dieLandesregierung auch. Deren Fortbestand ist aber keineswegs gesichert, obwohl ihre Arbeit 2unbestritten wichtig ist. Keine Öffentlichkeitskampagne kann die solide Beratungsarbeit vor Ortersetzen. Schließlich geht es darum, die Fakten zu erfahren: wer kann mir, wie helfen? DieBeratungsstellen bieten individuelle Beratung im Einzelgespräch und geben den Angehörigendie nötigen Hilfsmittel an die Hand, ohne diese zu bevormunden.Die trägerunabhängige Beratung kann in enger Kooperation mit den bestehendenEinrichtungen den Wechsel in eine stationäre Einrichtung verhindern oder aufschieben.Informationen über Hilfen zu Hause, aber auch technische Hilfsmittel und finanzielleUnterstützung bilden den Grundstein für die häusliche Pflege. Die Pflegebratungsstellenmüssen erhalten werden und in eine institutionelle Förderung überführt werden. Sie bieteneinen guten Service und sparen darüber hinaus uns allen auch noch Geld.Es ist besonders ärgerlich, wenn in einem Bericht über ambulante Betreuung und Pflegebestimmte Angebote nicht aufgezählt werden, obwohl ausdrücklich nach den Angebotengefragt wurde. Weder die Senioren-WG noch das Service-Büro Fruerlund werden genannt. BeideIdeen stammen übrigens aus Flensburg und werden mitfinanziert vom Selbsthilfebauverein.Diese Wohnungsbaugesellschaft versucht, der steigenden Nachfrage nach möglichstselbständigem Leben im Stadtteilquartier gerecht zu werden. Direkt in einem Wohngebiet mithohem Anteil älterer Mieter wird eine qualifizierte Beratung angeboten und ein sozialesUnterstützungsnetzwerk geknüpft. Das kommt dem Mehrgenerationenhaus desAltenparlaments schon ziemlich nahe.Der SSW teilt den Enthusiasmus der Sozialministerin nicht, das Information der Schlüssel zumErfolg ist. Nicht für alle Fälle hilft eine umfassende Information. Wer sich nicht betroffen fühlt,wird nicht auf Vorrat Informationen sammeln. Weite Bevölkerungskreise bleiben also außen vor, 3wenn Infokampagnen gefahren werden. Nachhaltige Überzeugungsarbeit muss mit stabilenStrukturen verbunden sein und hierzu gehört eine entsprechend gesicherte Förderung.Wir lehnen Kampagnen nicht durchweg ab. Die sehr rührige „Landesagentur Demenz“ zeigt, wieInformationen nachhaltig an den Mann gebracht werden können. Die Agentur reist durchs Landund hat viele Mitstreiter für eine umfassende Infokampagne in diesem Herbst gefunden. Dabeigeht es durchaus nicht nur um Angehörige und Pflegebedürftige selbst, sondern auch um dasSchärfen des professionellen Blicks, wenn es um Demenz geht - die am wenigsten verstandeneVolkskrankheit überhaupt. Ein ganzes Bündel von Veranstaltungen werden diese Krankheit unddie damit verbundene Betreuung in den Blick rücken. Bedauerlichweise gibt es keine Termine derLandesagentur in Nordfriesland. Hier sollten wir klären, worin der Grund für diese einmaligeregionale Ausnahme liegt.Zum Alter gehört auch das Sterben. Wir haben vor kurzem hier im Landtag über dieHospizversorgung gesprochen. Würdevolles-Sterben-können in den eigenen vier Wänden istnach langer Krankheit nur möglich, wenn ein Netz ambulanter Betreuung existiert. Die Situationist noch lange nicht optimal; das gilt im Besonderen für den Kreis Nordfriesland. DassSterbenskranke für ein Sterben jenseits des Krankenhauses die Dienste des Katharinenhospizesin Flensburg in Anspruch nehmen müssen, wird in Nordfriesland oftmals beklagt. Auch derrührige Hospizverein Husum oder die Ehrenamtler auf Eiderstedt können kein gleichwertigesAngebot bieten. Die ehrenamtlichen Helfer stoßen an ihre Grenzen. Sie sind sehr engagiert inder Trauerarbeit und stehen Familien nach einem Trauerfall bei. Die Pflege einesSterbenskranken können sie aber nicht leisten.Wir brauchen deshalb ein flächendeckendes Hospizangebot und das wird mehr kosten, als die30.000 Euro jährliche Unterstützung. Da muss richtig vom Land und von der kommunalen Seitein Infrastruktur investiert werden. Das sollten wir nicht vergessen.