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Lars Harms zu TOP 24 - Veräußerung des Geheges "Christianslust"
PresseinformationKiel, den 29.11.2006 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 24 Veräußerung des Geheges „Christianslust“ Drs. 16/1069Die Diskussionen rund um den Verkauf des Waldes Christianslust sind ein einziges Trauerspielund können inzwischen als klassisches Beispiel dafür gelten, wie man Verdrossenheit produziertund ehrenamtliches Engagement abwürgt. Da kommt die Landesregierung auf die Idee denLandeswald zu verscherbeln und kann gerade noch durch öffentlichen Druck davon abgehaltenwerden und schon brennt es wieder an einer anderen Stelle.Nun wird der Landeswald nicht am Stück verscherbelt, sondern scheibchenweise. Und das Ganzegeschieht, ohne dass es wirklich notwendig wäre. Es gibt eigentlich nur einen Zwang, den manhier ins Feld führen könnte. Nämlich, dass im Landeshaushalt Einnahmen aus dem Verkauf vonChristianslust eingeplant sind und deshalb der Wald – koste es was es wolle – verkauft werdensoll. Allerdings sieht niemand auf die Einnahmesituation. Vielleicht hat sich ja die finanzielleLage in Bezug auf den Wald verbessert. Dann wäre ja ein Verkauf von Christianslust nichtnotwendig. 2Sehen wir uns die Lage doch einmal genauer an. Sieben Waldflächen wurden dieses Jahr schonfür insgesamt rund 209.000 Euro verkauft. Hinzu kommen noch nicht forstlich genutzte Flächen,die rund 62.000 Euro erbrachten. Das Bissen-Gehege erbrachte 720.000 Euro. Bei denHolzverkäufen wurden 500.000 Euro mehr Einnahmen erzielt als im Haushalt veranschlagt. Unddie gleiche Summe wurde noch einmal durch höhere Erlöse aus Pachten, Nutzungen, Erbschaftenund ähnlichem erzielt. Alles in allem rund 2 Millionen Euro Mehreinnahmen. So schlecht lief esdieses Jahr offensichtlich nicht. Einen Zwang zum Verkauf von Christianslust kann ich nichterkennen. Zumal die Zahlen, die ich eben genannt habe, sich vornehmlich auf nur ein dreiviertelJahr beziehen.Wie sieht es nun mit dem Preis aus? Vielleicht ist der ja so attraktiv, dass er einen Verkaufrechtfertigen könnte. Ein Gutachten vom April dieses Jahres schätzt den Verkehrswert vonChristianslust auf 4,7 bis 4,85 Millionen Euro. Im August erhielten wir dann ein zweitesGutachten, dass – oh Wunder – den Wert des Waldes nahezu um die Hälfte senkte. Nun sollteder Wald nur noch 2,7 Millionen Euro wert sein. Ich bezweifle diese Zahl. Aber selbst wenn siestimmen sollte, möchte ich an ein Versprechen der geschätzten Kollegen Buder und Magnussenhinweisen. Sie haben auf einer öffentlichen Diskussion im Gehege Christianslust gesagt, dassChristianslust nicht unter Wert verkauft werden solle. Dann möchte ich doch einmal wissen, ob2,5 Millionen Euro weniger als die 2,7 Millionen Euro Verkehrswert aus dem zweiten Gutachtensind. Natürlich ist das ein Verkauf unter Wert und erst recht, wenn man das Ursprungsgutachtenansieht. Der Verkaufserlös rechtfertigt in keiner Weise einen Verkauf.In der Beschlussvorlage wird nun darauf verwiesen, dass die 50 km Entfernung zum ForstamtRantzau ein Grund für den Verkauf sind. Die Entfernung sei eigentlich zu groß, um diesesGelände adäquat zu verwalten. Eine Kreisreform mit riesigen Entfernungen wollen Siedurchdrücken, aber einen Wald soll man nicht in einem vergleichsweise kurz entferntenForstamt verwalten können? Das ist barer Unsinn. Eine solche Argumentation öffnet Tür und Tor 3für weitere Verkäufe. Und das ist wohl auch Sinn und Zweck der Aktion. Hier wird der weitereAusverkauf des Landeswaldes Stück für Stück vorbereitet.Der zweite Punkt für den Verkauf, der in der Beschlussvorlage angeführt wird, muss sich für dieBetroffenen vor Ort aber wie eine schallende Ohrfeige anfühlen. Da wird gesagt, dass es für denWiederaufbau es abgebrannten Dienstgebäudes im Wald Christianslust keine realistischenFinanzierungsmöglichkeiten gibt. Das ist definitiv nicht richtig. Im Gegenteil, die Leute vor Orthaben angeboten, hier für einen Wiederaufbau zu sorgen, Sponsoren einzuwerben undehrenamtlich tätig zu werden, damit dem Land hier keine Kosten entstehen. Man ist aber hierebenso wenig auf die Dithmarscher zugekommen, wie bei den Verhandlungen zu einergemeinsamen Bewirtschaftung von Christianslust und der Kreisforsten. Hier hätte es eineLösung geben können, wenn man eine solche Lösung angestrebt hätte. Das war aberoffensichtlich nicht der Fall. Es sollte auf Biegen und Brechen verkauft werden und deshalbwaren Konsenslösungen mit den Leuten vor Ort der Landesregierung nur im Wege.Für uns als SSW ist es klar. Durch einen Verkauf von Christianslust verlieren wirEinflussmöglichkeiten auf die konkrete Waldbewirtschaftung. Natürlich wird der neue Besitzernichts Ungesetzliches tun. Aber die besonderen Leistungen, die nur in der Kombination ausstaatlicher Verantwortung und ehrenamtlichen Engagement entstehen, werden künftigwegfallen. Sparen werden wir nichts, weil die hoheitlichen Aufgaben immer noch erledigtwerden müssen – im Übrigen auch aus 50 Kilometer Entfernung. Und trotz guterEinnahmesituation für den Landeswald wird Christianslust unter Wert verscherbelt.Damit schaden die Landesregierung und die sie tragenden Fraktionen den Interessen des Landesund sind verantwortlich dafür, dass Ehrenamtler sich durch politisches Handeln wieder einmalan der Nase herumgeführt und verschaukelt fühlen.