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Anke Spoorendonk zu TOP 37 - Fortentwicklung der Zusammenarbeit zwischen Schleswig-Holstein und der chinesischen Partnerregion Zhejiang
PresseinformationKiel, den 30.11.2006 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 37 Fortentwicklung der Zusammenarbeit zwischen Schleswig- Holstein und der chinesischen Partnerregion Zhejiang Drs. 16/922Dieser umfassende Bericht gibt einen guten Überblick über die Geschichte, den aktuellen Standund die zukünftigen Perspektiven der Zusammenarbeit zwischen Schleswig-Holstein und derchinesischen Partnerregion Zhejiang. Seit nun schon 20 Jahren bestehen Kontakte zu dieseraufstrebenden Region in China. Wenn man bedenkt, dass die Provinz Zhejiang in den letzten 15Jahren ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum zwischen 13 und 14 % zu verzeichnen hat,dann wird deutlich, welches wirtschaftliche Potential sich für unser Land aus dieserZusammenarbeit ergibt.China ist dabei auf dem Weg, eine wirtschaftliche und politische Großmacht zu werden. Dasliegt einmal an der enormen Bevölkerungsmasse dieses Landes, aber eben auch an demgeradezu unglaublichen wirtschaftlichen Aufschwung, den China seit Maos Zeiten genommenhat. Deshalb hat die Zusammenarbeit mit der Provinz Zhejiang natürlich einen wichtigenhandelspolitischen Stellenwert für Schleswig-Holstein. 2Die heutigen offiziellen guten Beziehungen zwischen Schleswig-Holstein und Zhejiang habenwir nicht zuletzt der ehemaligen Ministerpräsidentin Heide Simonis zu verdanken, die in den90´ziger Jahren den entscheidenden Durchbruch zur Weiterentwicklung der wirtschaftlichen,aber auch der kulturellen und politischen Beziehungen zu unserem chinesischen Partnergetroffen hat. Wir alle wissen, dass es gerade in China mit der dort herrschendenkommunistischen Partei insbesondere auf die politischen Kontakte ankommt, wenn man indiesem großen Land irgendetwas erreichen will.Das haben alle Landesregierungen seit 1986 erkannt und auch die jetzige führt diese Politikerfolgreich fort. So zeigt der Bericht, dass die Beziehungen zwischen den beiden Partnerregionenauf politischer Ebene schon relativ intensiv sind. Zuletzt wurde dieses mit den seit 2001gepflegten Beziehungen und dem Besuchsaustausches des Schleswig-Holsteinischen Landtagesund des Ständischen Ausschusses des Volkskongresses der Provinz Zhejiang unterstrichen.Das Schleswig-Holstein Büro der WTSH - das Schleswig-Holstein Business Center - in Hangzhouist das greifbarste Ergebnis dieser politischen Kooperation. Die Repräsentanz der WTSH ist derwichtigste Türöffner für die schleswig-holsteinische Wirtschaft, um auf dem chinesischen MarktFuß zu fassen. Mit seinen chinesischen Mitarbeitern verfügt Schleswig-Holstein über das größteund erfolgreichste Firmengemeinschaftsbüro aller Bundesländer in China.Der schleswig-holsteinische Export nach China ist dann auch in den letzten Jahren starkangestiegen, das konnten wir ja im Frühjahr dem Außenhandelsbericht der Landesregierungentnehmen. Das zukünftige Potential für einen noch stärkeren Anstieg des Exports derschleswig-holsteinischen Unternehmen ist ohne Zweifel vorhanden. China - und auch dieProvinz Zhejiang - ist ein Zukunftsmarkt. Im Bericht der Landesregierung wird ja sowohl aufverschiedene Arten der Zusammenarbeit unserer Hochschulen mit dem chinesischen Partnerhingewiesen wie auch auf Exportmöglichkeiten unterschiedlicher Branchen im Detaileingegangen. 3Leider konnten wir im Außenhandelsbericht aber auch lesen, dass der chinesische Import nachSchleswig-Holstein weitaus höher ist als unser Export. Wir haben also ein großesHandelsbilanzdefizit mit China - wie übrigens die meisten Bundesländer und die meisteneuropäischen Ländern auch. Das liegt zum einen daran, dass wir immer noch nicht genugunternommen haben, um unsere Wirtschaft – gerade auch die kleineren und mittleren Firmen –fitt für die Globalisierung zu machen. Trotz vieler guter Beispiele fehlt es in zu vielenUnternehmen immer noch am Know -how und damit verbunden insbesondere auch anqualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um weltweit oder auch in Chinawirtschaftlichen Erfolg zu haben. Aber das ist ein anderes Thema.Zum anderen können wir in diesem Zusammenhang natürlich auch nicht drum herumkommen,darauf hinzuweisen, dass die chinesischen Firmen einen enormen Wettbewerbsvorteil durchniedrigere Umweltstandards, zu niedrige Löhne und durch die oftmals sehr schlechtenArbeitsbedingungen der Beschäftigten haben. Auch wenn wir sehr gerne mit China Handelbetreiben, müssen wir dennoch von unserem Selbstverständnis her darauf dringen, dass Chinadie internationalen Werte und Standards z.B. der WTO anerkennt. Ansonsten haben unsereUnternehmen keine Chance, in so einem ungleichen Wettbewerb zu bestehen.Diese Diskussion führt uns natürlich auch zum sensiblen Thema der Menschenrechte in China.Die Landesregierung macht in ihrem Bericht deutlich, dass sie dieses Thema mit demchinesischen Partner öffentlich nicht anspricht, sondern unsere rechtstaatlichen Prinzipien iminternen Gespräch vertritt. Als Begründung wird angegeben, dass Schleswig-Holstein schließlichkeine Außenpolitik führen kann und dass die chinesischen Partner immer sehr empfindlich aufvon außen vorgetragene Kritik reagieren.Dazu unterstreicht die Regierung, dass gerade der in den letzten Jahren vertiefte Austauschzwischen Schleswig-Holstein und Zhejiang auf politischem Niveau und auf Behördenebene 4dafür sorgt, dass man den chinesischen Partner unsere europäischen rechtsstaatlichen Normenund Verhaltensweisen erklären und somit indirekt eine Verbesserung der Menschenrechteerreichen kann. Aus Sicht des SSW ist diese Frage für Schleswig-Holstein weiterhin eineschwierige Gratwanderung bei unseren Bemühungen, die Beziehungen zu der PartnerregionZhejiang auszubauen und zu verbessern.Allerdings ist auch klar: es gibt in diesem sensiblen Bereich keine leichten Wege und es muss vonunserer Seite eine entscheidende Forderung sein, dass wir in China neben dem wirtschaftlichenAufschwung endlich auch einen greifbaren Fortschritt in Fragen der demokratischen Prinzipienund bei den Menschenrechten bekommen. Die schleswig-holsteinische Partnerschaft mit derProvinz Zhejiang kann dazu vielleicht einen kleinen bescheidenen Beitrag leisten..