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01.12.06 , 13:54 Uhr
SSW

Lars Harms zu TOP 39 - Forst- und Holzwirtschaft

Presseinformation

Kiel, den 01.12.2006 Es gilt das gesprochene Wort



Lars Harms


TOP 39 Forst- Forst- und Holzwirtschaft Drs. 16/1071

Leider gibt der uns vorliegende Bericht der Landesregierung heute keine aktuellen Zahlen über
die Situation in der Forstwirtschaft. Statt dessen wird eingangs auf den 6. Forstbericht
verwiesen, der die Entwicklung des Waldes sowie der Forst- und Holzwirtschaft im Zeitraum
1998 bis 2002 beschreibt oder es werden die Ergebnisse der zweiten Bundeswaldinventur (BWI)
aus dem Jahr 2002 herangezogen. Auch wenn im Bereich der Forstwirtschaft eher in Jahrzehnten
gerechnet wird, hätte ich mir angesichts der derzeitigen Situation - gerade wenn es um unseren
Landeswald geht - aktuelle Zahlen gewünscht.


Aber nichts desto trotz möchte ich auf den vorliegenden Bericht eingehen. Wir müssen immer
noch erkennen, dass wir noch Meilenweit von dem großen Ziel - 12% Waldfläche in Schleswig-
Holstein – entfernt sind. Dies ist bedauerlich. Aber dennoch gibt es gute Gründe uns auf die
Schulter zu klopfen für die bisherige Forstpolitik des Landes in den vergangenen Wahlperioden .
Hierbei denke ich an die Ergebnisse der Bundeswaldinventur von 2002. Demnach weisen unsere
Wälder einen positiven Trend aus, beispielsweise beim Mischwaldanteil, bei der Naturnähe 2
unserer Wälder und des Biotopschutzes. Insbesondere ist dies auf die Erhöhung des
Laubbaumanteils in den letzten 20 Jahren und der Zertifizierung nach FSC zurück zuführen. Und
der Schlussbericht der BWI macht deutlich, welche Potentiale unsere Wälder gerade für die
Zukunft aufweisen. Demnach wird
• die Einschlagmenge bis 2017 pro Jahr bis zu 20% über dem Stand von 2002 liegen,
• die jährliche Nutzungsmenge in den nächsten 30 bis 40 Jahren um über 30% zunehmen,
• die wachsende Holznachfrage bessere Betriebsergebnisse erwarten und
• die naturnahe und multifunktionale Forstwirtschaft in Schleswig-Holstein sowohl den
ökonomischen als auch den ökologischen und sozialen Anforderungen gerecht.


Dies ist ein durchaus gutes Zeugnis für unsere Wälder und für unsere Forstwirtschaft. Es ist ein
Ergebnis einer vorausschauenden und nachhaltigen Forstpolitik der letzten Jahrzehnte.
Daher ist es bedauerlich, dass die Förderrichtlinien des Landes jetzt an den GAK-Rahmenplan des
Bundes angepasst und dahingehend geändert wurden, dass die Mindestlaubbaumanteile
zuwendungsfähiger Erstaufforstungen nur noch 40% anstatt zuvor 60% betragen müssen.
Außerdem wird künftig auch bei Mischkulturen die volle Erstaufforstungsprämie gezahlt. Damit
wird die Attraktivität für die Neuanpflanzung von Fichten deutlich erhöht. Dies ist forstpolitisch
und naturschutzfachlich ein Rückschritt und er ist nicht im Sinne der Waldbiotopkartierungen
der 90’er Jahre.


Erschreckend macht der Bericht deutlich, wie es derzeit um die Situation der Forstbaumschulen
und Forstpflanzen in Schleswig-Holstein steht. Hier hat es seit Mitte der 90’er Jahre erhebliche
Einbrüche gegeben. Die Landesregierung begründet dies mit knappen Investitionsmitteln sowie
der zunehmenden Bedeutung der Naturverjüngung des Waldes. Welcher der beiden Faktoren
hierbei den maßgeblicheren Anteil hat, geht aus dem Bericht leider nicht hervor.


Was nun die Personalstruktur und -entwicklung in den Forstämtern angeht, wird deutlich, dass
es dort seit Beginn der 90’er Jahre erhebliche Veränderungen und Rückläufe gegeben hat. Und 3
durch die Strukturänderungen hierbei auch Schließungen von Forstämtern mit sich gezogen
haben. Dies wurde von der Forstverwaltung stets konstruktiv begleitet. Daher ist es verständlich,
dass die Betroffenen seit nunmehr 5 Jahren immer noch im Unklaren darüber gelassen werden,
wie die künftige Organisations- und Rechtsform der Landesforstverwaltung aussehen soll. In
dem Bericht wird auf einen Umdruck vom September verwiesen, aus dem hervorgeht, dass sich
eine Arbeitsgruppe aus dem Finanz- und Forstministerium mögliche Rechtsformalternativen mit
dem Status quo verglichen haben und zu dem Ergebnis gekommen sind, dass sich eine
Vollprivatisierung, eine Anstalt des öffentlichen Rechts und eine Betriebs-GmbH als
diskussionswürdig herausgestellt haben. Dass dies so nicht mehr aktuell ist, wissen wir, aber aus
dem Bericht geht leider nur hervor, dass die endgültige Entscheidung über die künftige
Rechtsform der Forstverwaltung nach Abschluss von Detailprüfungen zeitnah getroffen werden
soll. Natürlich ist es nicht einfach, eine solche Entscheidung für die Zukunft zu treffen, aber ich
möchte zu Bedenken geben, dass die Landesregierung sich bereits seit nunmehr fünf Jahren mit
mehreren Modellen der Rechtsformänderung befasst. Allerdings muss ich sagen, dass es
aufgrund des forstpolitischen Kahlschlages der letzten Wochen und Monate wichtig ist, dass
jetzt Ruhe einkehrt und dass die politischen Einflussmöglichkeiten für uns weiterhin erhalten
bleiben. Wir sollten den Minister mit dem Wald nicht allein lassen.

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