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Lars Harms zu TOP 14 - Rat für Klimafragen
PresseinformationKiel, den 13.12.2006 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 14 Rat für Klimafragen Drs. 16/1053Der 1987 vorgelegte Brundtland-Bericht ist der entscheidende Meilenstein in derNachhaltigkeitsdebatte und er gilt als Wegbereiter für die Agenda 21, die 1992 in Rio beschlossenwurde. Seitdem hat es insgesamt 12 Klimakonferenzen gegeben, wo sich dieWeltstaatengemeinschaft beraten hat, um geeignete Schritte zu erarbeiten, um eineKlimakatastrophe abzuwenden.Im Zusammenhang mit dem Klima hat es immer wieder globale Kalt- und Warmperiodengegeben, die nicht von Menschenhand gemacht wurden. Dies war immer die Argumentationderer, die den menschlichen Einfluss auf die globale Klimaerwärmung kleingeredet oderbestritten haben. Doch spätestens seit 1987 wissen wir doch, dass wir auf eine Klimakatastrophezusteuern, sofern wir nichts ändern. Und seit dieser Zeit ist es der Wissenschaft gelungen, immermehr über Ursachen und Wirkungen der globalen Klimaerwärmung zu erforschen.Eines der neueren Ergebnisse ist, dass sich die globale Klimaerwärmung schneller vollzieht, alsbisher angenommen. Die neuesten Szenarien, die sich aus der Klimaerwärmung ergeben,müssen uns dazu veranlassen, dass endlich noch mehr aktiv gehandelt wird. Das Abschmelzen 2der Gletscher und der Polkappen sowie der Anstieg des Meeresspiegels sind nur einige derAuswirkungen der Klimaerwärmung. Aus der Begründung des Antrages geht deutlich hervor,dass die Klimaerwärmung eine gravierende Veränderung der Lebensgrundlagen für Menschen,Tiere und Pflanzen bedeutet. Dies alles wissen wir seit langem.Doch wir müssen erkennen, dass es nicht einfach ist, die Ursachen der Klimaerwärmung zubeheben. Maßgeblich zur Verbesserung beitragen soll hierbei die Reduktion der Treibhausgase,wie es im Kyoto-Protokoll festgelegt ist. Jedoch wird durch die starre Haltung der USA diesesBestreben konterkariert. Solange der weltgrößte Emittent von Treibhausgasen, seinerVerantwortung nicht bewusst wird, laufen alle Bestrebungen ins Leere. Doch mittlerweile hatman auch in den USA die Notwendigkeit des Handelns erkannt. Dies lässt zumindest hoffen.Aber wir wissen auch, dass die enormen wirtschaftlichen Zuwächse gerade in China oder Indienerheblich zu einer weiteren Verschlechterung beitragen werden. Hier besteht dringenderHandlungsbedarf. Und ich bin der Meinung, dass gerade die westlichen Industriestaaten hiereinen entsprechenden Beitrag leisten müssen. Gerade die Förderung der dezentralen undregenerativen Energieversorgung wird dort eine große Rolle spielen müssen. Denn derEnergiehunger in diesen Ländern ist enorm und die Infrastruktur immer nochverbesserungswürdig.Ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen und Umwelt muss selbstverständlich sein.Wer das nicht begriffen hat, den muss man in schärfster Weise abmahnen. Denn ich kann dochnicht für etwas eintreten, das ich nicht selbst vorlebe. Daher bin ich der Auffassung, dass hierunsere Vorbildfunktion und Selbstverpflichtung anfängt. Wir brauchen eine rationellereEnergienutzung, eine effizientere Umwandlung der Primärenergie in Endenergie sowie dieverstärkte Nutzung erneuerbarer Energie. Nur so können wir unserer Vorbildfunktion gerechtwerden. Darüber hinaus haben wir die Möglichkeit unser Know-how auszubauen undentsprechend zu vermarkten. 3Wir wissen, dass das Thema globale Klimaerwärmung immer wieder aufs Neue in denpolitischen Focus gerückt werden muss. Jüngst mit der Klimakonferenz in Nairobi und demzeitgleich vorgelegten Bericht des früheren Weltbankökonomen Nicolas Stern, über diemonetären Auswirkungen des Klimawandels, ist dieses wieder gelungen.Als Küstenland muss es im ureigensten Interesse Schleswig-Holsteins sein, dass die Welt wachgerüttelt wird und erkennt, welche Dramatik in dem beschleunigten Klimawandel liegt.Natürlich wissen wir, dass bereits eine Menge auf nationaler Ebene läuft. Die Reduktion vonTreibhausgasen, der Einsatz erneuerbarer Energien und die Steigerung der Energieeffizienz. Diesalles sind Maßnahmen die bereits laufen. Hierzu gibt es bereits seit langem Ziele und Beschlüsse.Doch selbstkritisch müssen wir erkennen, dass die gesteckten Ziele im angestrebten Zeitraumnur teilweise erreichbar sind. Dass die Ursachen hierfür zum Teil an den in der Vergangenheitunterlassenen Reformen der energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen auf Bundesebene zusuchen sind, kann uns nicht zufrieden stellen. Die Signale hätten dort rechtzeitig erkannt werdenmüssen und dementsprechend hätten Handlungen folgen müssen. Diese Handlungsfeldermüssen weiter vorangebracht werden.Auf Deutschland kommt in diesem Zusammenhang im nächsten Jahr eine besondereVerantwortung zu. Denn unter deutscher Präsidentschaft sollen im kommenden Jahr dieTreibhausgas-Reduktionsziele für die EU festgelegt werden. Und im Juni findet der G8-Gipfel inHeiligendamm statt, wobei Klima auch eines der Themen sein wird.Die Handlungsweise Deutschlands im Hinblick auf Klimafragen wird also eine wichtige Rollespielen. Denn wir wissen, dass Handlungsbedarf besteht. Gerade von Seiten der Wirtschaft,wurde bisher nicht genügend hinsichtlich des Klimaschutzes geleistet. Immer mit derBegründung, dass die Umsetzung von Klima- und Umweltmaßnahmen zu teuer seinen.Derartige Ausreden halten aber nicht länger Stand. Denn diese Einstellung wurde durch den 700-seitigen Stern-Bericht widerlegt. 4Um es deutlich zu sagen, wir haben kein Informationsdefizit, wir haben ein nationales undinternationales Handlungsdefizit. Daher können wir den Ansatz der Grünen, wie es aus derBegründung hervorgeht, durchaus folgen. Jedoch möchte ich deutlich machen, dass wir einemsolchen Rat nicht ganz unkritisch gegenüberstehen. Natürlich muss solch ein Rat interdisziplinärbesetzt sein. Aber gerade darin liegt auch die Gefahr, dass dieser sich eher blockiert, als dass ernotwendige Maßnahmen erarbeitet. Darüber hinaus sollten wir – wenn es sich um einenorddeutsche Kooperation handeln soll – auch Mecklenburg-Vorpommern mit ins Boot nehmen.Denn als Küstenland hat man dort sicherlich auch ein Interesse, beteiligt zu werden. Daher binich der Auffassung, dass wir den Antrag im Ausschuss näher erörtern müssen.Was wir dringend benötigen ist ein nationaler Handlungsplan, der deutlich macht, auf was wiruns im Laufe der kommenden Jahrzehnte einstellen müssen und wie und wo Handlungsbedarfbesteht. Diese Zielsetzung geht auch aus dem Antrag der Grünen hervor und dies unterstützenwir voll und ganz. Ob dafür allerdings ein weiterer Rat notwendig ist, ist zumindest fraglich.Denn auch die Bundesregierung hat dies erkannt und jüngst ein „Kompetenzzentrum fürKlimafolgen und Anpassung“ im Umweltbundesamt eingerichtet. Hier wurde unterEinbeziehung deutscher Akteure und Institutionen ein nationales Konzept zur Anpassung an denKlimawandel entwickelt. Dort werden die prioritären Handlungsfelder aufgezeigt und dortwerden die Maßnahmen auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene koordiniert.Hier müssen wir unseren Beitrag leisten, damit es zu einer interdisziplinären Vernetzung derbestehenden nationalen, regionalen und lokalen Einrichtungen kommt. Und in diesemZusammenhang müssen wir uns als Küstenland in diese Vernetzung einbringen. Im Rahmen derAusschussbehandlung müssen wir diesen Punkt entsprechend berücksichtigen und dort beraten,wie wir dies am besten bewerkstelligen.