Diese Webseite verwendet ausschließlich für die Funktionen der Website zwingend erforderliche Cookies.

Datenschutzerklärung

14.12.06 , 17:43 Uhr
SSW

Lars Harms zu TOP 24 - Vorfart für Kinder: Ausbau von Frühförderung und Einführung einer verbindlichen Vorsorgeuntersuchung

Presseinformation
Kiel, den 14.12.2006 Es gilt das gesprochene Wort


Lars Harms
TOP 24 Ausbau von Frühförderung und Einführung einer verbindlichen Vorsorgeuntersuchung für Zweijährige Drs. 16/1087; 16/1089
Überforderte Eltern machen einen großen Bogen um alles, was ihnen weitere Probleme
beschert. Darum schließen sie auch die Augen vor Defiziten ihrer Kinder.
Dabei kann eine frühzeitige Förderung und Unterstützung viele Defizite ausgleichen. Wir haben
darüber schon oft gesprochen. Alle sind wir uns einig, dass wir im Interesse der Kinder
aufsuchende Sozialberatung verstärken sollten.
Niemand im Landtag wird dem widersprechen.


Aufsuchende Sozialberatung allein einem Projekt wie dem „Schutzengel“ zu überlassen, ist eine
Bankrotterklärung staatlicher Sozialpolitik. Die Jugendämter gehören in die Familien und dies
nicht nur als Sanktionsbehörde, sondern unterstützend und beratend. Die Zweiteilung zwischen
strafendem Jugendamt und beratendem Schutzengel ist falsch. Wer von aufsuchender
Sozialarbeit überzeugt ist, muss staatliche Institutionen stärken, damit diese genau das tun
können, unabhängig von der Laufzeit eines Projektes. 2
Doch eine Politik im Sinne der Kinder kommt manchmal nicht um Sanktionen herum. Über 1.700
Kinder und Jugendliche leben in Schleswig-Holstein einem Heim, weil sie in der eigenen Familie
nicht adäquat betreut werden können. Diese Zahl zeugt vom Engagement unserer Behörden.
Vielleicht läge die Zahl niedriger, hätten die Eltern früher um Unterstützung nachgesucht, oder,
noch besser, wäre ihnen früher Unterstützung angeboten worden.


Darum unterstützt der SSW die verpflichtende Untersuchung aller Zweijährigen. Die Idee, die
Untersuchung im Gesundheitsamt kostenpflichtig zu machen, damit die Eltern den für sie
kostenfreien Kinderarzt aufsuchen, findet unsere Unterstützung. Im vertrauensvollen Gespräch
mit dem Kinderarzt lässt sich vielleicht offener über Probleme sprechen als in einem Amt. Darum
sollte Schleswig-Holstein die Initiative des Landes Hessen unterstützen.
Ich verhehle nicht die Probleme. Erstens: wie gehen wir mit Eltern um, die sich weigern, ihre
Kinder untersuchen zu lassen. Weder Bußgeld noch staatliche Zwangsvorführung sind
erstrebenswerte Mittel und höchstens die allerletzte Konsequenz. Hier kommen wir wohl um
Hausbesuche nicht herum. Eine entsprechende Infrastruktur müsste aber erst geschaffen
werden.


Zweitens: die Ärzte beurteilen zwar die Gesamtentwicklung eines Kindes, sind aber keine
Sozialberatungsstellen. Dafür werden die Kinderärzte, übrigens die am schlechtesten
verdienende Facharztgruppe überhaupt, nicht bezahlt. Wenn wir uns für eine
Zwangsuntersuchung entscheiden, dann müssten die Kinderärzte unterstützt werden.
Ich denke aber, dass wir vor allem die Arbeit der Hebammen finanziell besser absichern können.
Während die Schwangerschaftsvorsorge dank ärztlicher Dominanz in Deutschland zur
europäischen Spitzenklasse gehört, hapert es an Unterstützung, wenn das Kind dann geboten
ist. Hier kommen die Hebammen ins Spiel: sie werden von den Krankenkassen bezahlt, machen
aber bei ihren nachgeburtlichen Hausbesuchen in der Regel aber eine komplette
Mütterberatung. 3
Der Staat muss sich an der Arbeit der Hebammen beteiligen, damit diese über das Finanzkorsett
der Krankenkassen hinaus tätig sein können. Entsprechendes gilt im Übrigen für
Mütterberatungsinitiativen vornehmlich an Krankenhausstandorten, die von Hebammen und
Sozialberaterinnen betreut werden. Auch hier lohnt sich eine feste Unterstützung seitens des
Landes und der Kommunen. Die Sozialministerin schreibt zwar in ihrer Antwort zur Großen
Anfrage der CDU zur Familienpolitik, dass die Einrichtung von Mütterzentren keine
Landesaufgabe sei, die Finanzierung von Mütterberatung allerdings schon. Wir sollten über eine
stärkere Förderung der Hebammenarbeit und der Mütterberatungsinitiativen nachdenken. Die
Hebammen kommen zu jeder Frau ins Haus. Darum muss keine Familie ihren Besuch
rechtfertigen. Das ist immens wichtig, um wirklich ein niedrigschwelliges Angebot zu etablieren.


Die Frühförderung braucht eine stabile, institutionelle Struktur. Anderenfalls sind werden ein
flächendeckende Angebot noch eine kontinuierliche Arbeit gewährleistet.

Download PDF

Pressefilter

Zurücksetzen