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Lars Harms zu TOP 20 - Kinderförderung statt Ehegattensplitting
PresseinformationKiel, den 14.12.2006 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 20 Kinderförderung wichtiger als Ehegattensplitting 16/1138Ehegattensplitting ist eine Subventionierung von einkommensstarken Ehepaaren, dieüberwiegend in den alten Bundesländern wohnen: 93% der Mittel fließen in die altenBundesländer. 43% der Splitting-Profiteure haben überhaupt keine Kinder. Beide Daten stammenaus einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung aus 2005.Auf diese Ungerechtigkeiten hat der SSW wiederholt hingewiesen und für die Abschaffung desEhegattensplittings plädiert. Ehegattensplitting ist für Großverdiener nur ein zusätzlicherSteuerkniff. Haben Sie sich schon einmal die Mühe gemacht, wie viele Steuertipps es allein imInternet gibt für die Großverdiener, die mit einer Hausfrau verheiratet sind? Dutzende! DasEhegattensplitting ist ein grandioses Steuergeschenk für Großverdiener. Darum muss esabgeschafft werden.Ich plädiere dafür, innerhalb des Systems der Geldleistungen umzusteuern: weg mit demEhegattensplitting, her mit mehr Kindergeld! Wenn wir über Geldleistungen zur Unterstützungder Familien reden, dann kann es sich nur um gedeckeltes Kindergeld handeln. Der Staat stocktdas Familieneinkommen nach der Anzahl der Kinder auf, wobei eine Einkommensgrenze 2Mitnahmeeffekte bei Spitzenverdienern begrenzt. Kindergeld kommt Eltern zu Gute, deren Kindernoch nicht auf eigenen Beinen stehen.Der SSW steht für eine gerechte, moderne Familienpolitik, bei der jedes Kind, egal ob es aus derFlensburger Neustadt kommt oder in einer Villa mit Fördeblick wohnt, die gleichen Chancenbekommt. In Skandinavien wird die zweite Säule der Familienförderung, nämlich einflächendeckendes, Angebot an Kinderbetreuung und Familienunterstützung, seit vielen Jahrenden Geldleistungen vorgezogen. Die Vorteile liegen auf der Hand: leichte Erreichbarkeit für alleund gute Steuerungsmöglichkeiten. Ich denke, dass unserem Bildungssystem, inklusive derFrühförderung im Kindergarten die zusätzlichen Mittel gut bekommen würden.In Deutschland haben dagegen Großverdiener mehr Abschreibemöglichkeiten alseinkommensschwache Familien. Das ist ungerecht. Wenn wir über Geldleistungen sprechen, sindnicht Abschreibungsmodelle, sondern direkte Transferzahlungen das Gebot der Stunde.Eine Subventionierung der Ehe mag in den 1950er Jahren einem gesellschaftlichen Grundkonsensentsprochen haben, heute entscheiden sich immer weniger Eltern für die Ehe. Jede vierte Familiekann überhaupt nicht auf Splitting-Vorteile hoffen, weil die Eltern nicht verheiratet sind.Das vorgelegte Modell versucht sich in einem Spagat zwischen verfassungsrechtlichem Schutz derEhe und einer besseren Familienförderung. Die Verbände schlagen einen übertragbarenGrundbetrag für Jeden vor. Jeder Ehepartner erhält einen Grundfreibetrag, der dasExistenzminimum von der Einkommensteuer freistellt. Schöpft ein Partner den persönlichenFreibetrag nicht aus, kann er ihn auf den anderen übertragen. Die Ehe bliebe steuerlichprivilegiert, allerdings würde der Vorteil künftig geringer ausfallen. Das gilt vor allem beiEinverdienst-Ehen mit hohem Einkommen. Dem Staat würde die UmstellungSteuermehreinnahmen von 7,5 bis 8 Milliarden Euro einbringen. 3Warum der Spagat? Die Argumente gegen die Abschaffung des Ehegattensplittings sind bekannt:hohe Kosten und der verfassungsrechtliche Rang der Ehe. Im vorliegenden Modell wird derübertragbare Grundbetrag Verheiratete weiter privilegieren. Ich bin der Überzeugung, dass wirdarüber hinausgehen und unsere Unterstützung auf das Vorhandensein von Kindern koppelnsollten.Bleiben wir aber erst einmal bei dem Vorschlag. So, wie er auf dem Tisch liegt, ist er eineverkappte Reichensteuer, anstatt, wie die Überschrift des Antrags suggeriert, fehlgeleiteteFinanzströme zu korrigieren. Die GRÜNEN wollen nicht länger, dass der Staat das Verheiratetseinzweier Erwachsener finanziell unterstützt, sondern er soll infrastrukturellen Defizite z.B. bei derKinderbetreuung ausgleichen. Die freigesetzten Mittel mit der Abschaffung desEhegattensplittings müssten aber eher für diese Kinder direkt wieder eingesetzt werden.Ansonsten werden mit den gesparten Milliarden andere Steuerlöcher gestopft. Damit würde einegroße Chance vertan.Ich plädiere für eine systemimmanente Lösung: also ungerechte Abschreibungsmodelle durch eingerechteres Transfermodell zu ersetzen. Und das ist die Kindergeldlösung. Sie ist einfacher zuadministrieren und leichter nachzurechnen als eine institutionelle Förderung, die der Bund anLänder und Kommunen weiterreicht. Wie solchen Lösungen Geld verloren gehen kann, erlebenwir derzeit bei Hartz IV, wo Einsparungen der kommunalen Kinderbetreuung zu Gute kommensollten. Auch zwei Jahre nach Gesetzesverabschiedung warten viele Kommunen immer noch aufihr Geld. Der SSW setzt sich für direkte Kinderförderung ohne Umwege ein. Diese hilft allenKindern, egal, ob die Eltern einen Steuerberater brauchen oder nicht; egal ob die Eltern verheiratetsind oder nicht. Kinderbetreuung und Bildung ist eine andere Baustelle. Und auch hier gilt es dannPrioritäten zu setzen. Auf jeden Fall müssen wir aber sicherstellen, dass die Einsparungen durchden Wegfall des alten Splitting-Modells nicht einfach in den Haushalt fließen, sondern gezielt fürdie Förderung von Familien mit Kindern ausgegeben werden.