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Lars Harms zu TOP 23 - Schienenverkehrsleistungen auf dem Netz Ost ausschreiben
PresseinformationKiel, den 24.01.2007 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 23 Schienenverkehrsleistungen auf dem Netz Ost ausschreiben Drs. 16/1190Wir haben schon einige Male hier im Landtag das Thema „Ausschreibung von Schienenverkehrs-leistungen“ debattiert. Dabei wurde immer wieder deutlich gemacht, dass die Ausschreibungentrotz mancher Probleme, die entstanden sind, erfolgreich waren. Vergleicht man die Kosten fürden Schienenverkehr vor und nach den Ausschreibungen, so kann man feststellen, dass wir nacheiner Ausschreibung finanziell immer besser da gestanden haben als vor den Ausschreibungen.Das ist ein Fakt. Deshalb ist es verwunderlich, wenn nun von dieser für das Land so positivenPraxis abgewichen werden soll.Natürlich wird das Wirtschaftsministerium eine Vergabepraxis wählen, die weder ungesetzlichnoch irgendwie angreifbar ist. Aber trotzdem wird dieses neue Verfahren nicht mehr dieTransparenz haben, die wir alle bisher gewohnt waren. Deshalb begrüßt der SSW ausdrücklichden Antrag der FDP, weil dieser die bewährte Ausschreibungspraxis beibehalten will und darüberhinaus auch daran festhält eine detaillierte Ausschreibung durchzuführen. Genau so – nämlich 2wenn im Vornherein die Bedingungen der Ausschreibung klar festgelegt sind – schafft manTransparenz für den Bürger, die Politik und die betroffenen Unternehmen.Aber was wird nun immer gegen Ausschreibungen in diesem Bereich ins Feld geführt? Nehmenwir das Beispiel FLEX. Die Strecke Hamburg – Flensburg wurde ausgeschrieben und ein kleinesschleswig-holsteinisches Unternehmen machte das beste Angebot. Trotz der Tatsache, dass essich hier um ein kleines Unternehmen handelte, wollten wir diesem Anbieter eine Chance geben.Wir konnten aber feststellen, dass dieses Unternehmen nicht die finanzielle Leistungsfähigkeithatte, um mögliche Durststrecken unbeschadet überstehen zu können. Aber trotzdem hat unsdie Ausschreibung letztendlich nur Positives gebracht. Denn auch der Anbieter, der kurzfristigden FLEX übernommen hat, fuhr diese Strecke wesentlich preiswerter als die Regionalbahn, dieursprünglich hier fuhr. Und auch der Service ist wesentlich besser geworden. Auf dieser Streckehat also die Ausschreibung Einsparungen für das Land und Verbesserungen in der Qualität fürden Bürger gebracht.Schauen wir nun in den Westen, so kann man mit Recht feststellen, dass die NOB hierAnlaufschwierigkeiten hatte. Inzwischen sind diese Schwierigkeiten aber behoben und man hatan der Westküste eine zuverlässige Bahn bei deutlich höherer Qualität bekommen. Und auchhier sind die Kosten für das Land gesunken – auch wenn die NOB jetzt Nachforderungenaufgrund, ihrer Meinung nach, nicht beeinflussbarer Gegebenheiten gestellt hat. DassBahnhofsumbauten nicht wie geplant durchgeführt wurden und somit das Bahnfahren nichtattraktiver gemacht wurde, kann durchaus den Erlös schmälern. Und denkt man an die lange Zeitder Arbeiten an der Hochbrücke in Hochdonn und an die eine oder andere Gleisbauarbeit, kannman durchaus nachvollziehen, dass hier besondere Umstände zu Mindererlösen geführt haben.Aber auch, dass in 2006 999.000 Euro vom Land für die Freigabe von ICs an der Westküstegezahlt wurden, hat das Leben für die NOB nicht leichter gemacht. Schließlich konnten so ICs derDeutschen Bahn AG zum Schleswig-Holstein-Tarif genutzt werden – eine direkte Konkurrenzzum von Land mitbezahlten Angebot der NOB. Das Land wird sich also mit der NOB einigen 3müssen, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass das, was die NOB bietet, um ein Vielfachesbesser ist, als das, was wir an der Westküste über Jahrzehnte gewohnt waren.Die Ausschreibungen hatten aber gerade auch für die Westküste noch einen besonderenzusätzlichen Effekt. Hier wurden Arbeitsplätze geschaffen, die der Region gut tun. Zurzeit sindrund 250 Menschen bei der NOB am Standort Husum beschäftigt. Auch dies ist ein Effekt derAusschreibungen.Wenn man sich also die Sachlage ansieht, gibt es keinen Grund auf Ausschreibungen zuverzichten. Anlaufschwierigkeiten neuer Unternehmen wird es immer wieder geben; egal obman ausschreibt oder ein anderes Vergabeverfahren wählt.Die Ausschreibung ist und bleibt das beste Verfahren und jedem Unternehmen steht es ja frei,Nebenangebote abzugeben. Betrachtet man die Ereignisse der letzten Jahre, so kann maneigentlich nur hinterfragen, ob eine Ausschreibung des gesamten Netzes Ost die klügste Lösungist, oder ob man nicht besser das Netz Ost in Teilnetzen ausschreibt. Dann hätte man dieGewähr, dass kein Anbieter sich übernimmt und man wäre in der Lage, moderneTriebwagenverkehre einzurichten. Auf jeden Fall bieten sich die Strecken Hamburg – Lübeck undLübeck – Kiel für eine solche Lösung an. Deshalb sollten wir im Ausschuss nicht über das „Ob wirausschreiben“ diskutieren, sondern nur über das „Wie“ beraten. An einer Ausschreibungkommen wir aber nicht vorbei. Sie führen zu mehr Qualität, geringeren Kosten für das Land undmehr Transparenz für uns alle. Deshalb stimmen wir dem FDP-Antrag zu.