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Olaf Schulze zu TOP 33: Nichts unversucht lassen, um die Ursachen zu finden
Sozialdemokratischer Informationsbrief Kiel, 25.01.2007 Landtag Es gilt das gesprochene Wort! Sperrfrist: Redebeginn aktuellTOP 33 - Leukämiefälle im Raum Geesthacht/Elbmarsch (Drucksachen 16/1030neu und 16/1165)Olaf Schulze:Nichts unversucht lassen, um die Ursachen zu findenDer Bericht des Ministeriums zeigt auf, dass die Häufung von Leukämieerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen in der Elbmarsch erschreckend hoch ist. 16 Leukämieerkrankun- gen in den letzten 16 Jahren bei Kindern unter 15 Jahren, das ist bedrückend. Wir alle müs- sen mit Betroffenheit zur Kenntnis nehmen, dass die Erkrankungen weiter zunehmen und wir trotz einer Vielzahl von Untersuchungen nach wie vor keine Erklärung für die Ur- sachen haben. Die Leukämierate in der Elbmarsch und in meiner Heimatstadt Geesthacht liegt bei Kindern unter 15 Jahren statistisch gesehen dreimal so hoch wie im Durchschnitt der Bundesrepublik. Es ist wohl die höchste Rate weltweit.Die Landesregierungen in Schleswig-Holstein und Niedersachsen haben sich frühzeitig mit der Ursachenforschung befasst. Es gab wissenschaftliche Fachkommissionen in Schles- wig-Holstein und Niedersachsen. In Niedersachsen wurden vor allem die Umwelteinflüsse wie Luft und Boden, Trinkwasser, Nahrungsmittel und Elbsedimente untersucht.Die schleswig-holsteinische Fachkommission befasste sich besonders mit Leukämieerkran- kungen durch radioaktive Strahlungen. Verschiedene radiologische Untersuchungen, Triti- ummessungen in Baumscheiben und epidemiologische Untersuchungen wurden durchge- führt. Das Ökoinstitut Darmstadt untersuchte auf unzulässige radioaktive Freisetzung im A- tomkraftwerk Krümmel sowie dem Forschungszentrum der GKSS in Geesthacht. Beide Un- Schleswig- HolsteinHerausgeber: SPD-Landtagsfraktion Verantwortlich: Petra Bräutigam Landeshaus Postfach 7121, 24171 Kiel Tel: 0431/ 988-1305/1307 Fax: 0431/ 988-1308 E-Mail: pressestelle@spd.ltsh.de Internet: www.spd.ltsh.de SPD -2-tersuchungskommissionen haben in ihren Abschlußberichten festgestellt, dass es keine beweisfesten Hinweise auf mögliche Ursachen der Leukämieerkrankungen gibt. Somit müsste von einer zufälligen Clusterbildung ausgegangen werden.Wir sind verpflichtet, die Ängste der Bevölkerung in ihrem Lebens- und Wohnumfeld ernst zu nehmen. Gerade nach der ZDF-Dokumentation „Und keiner weiß warum - Leukämietod in der Elbmarsch“, in dem von einer Explosion berichtet wird, bei der gesundheitsgefähr- dende „Kügelchen“ freigesetzt worden sein sollen, sind für mich nicht alle in der Dokumenta- tion aufgeworfenen Fragen abschließend beantwortet. Gerade die Frage, welchen Ursprung diese Kügelchen haben könnten und wie sie untersucht werden sollten, müssen wir ge- meinsam klären. Auch wenn wir die Ursache bisher nicht zweifelsfrei gefunden haben, dür- fen wir nichts unversucht lassen, weiter nach den Ursachen und ihren möglichen Ge- fahren zu forschen.An reine Zufälle kann ich bei den ungewöhnlich hohen Leukämieerkrankungen allerdings nicht glauben. Wenn über so einen langen Zeitraum eine so hohe Zahl von Leukämiefällen auftritt, muss man alle Möglichkeiten ausschöpfen, um die Ursachen zu finden. Deshalb un- terstütze ich ausdrücklich die Initiative des niedersächsischen Sozialausschusses, eine neue Anhörung durchzuführen und auf die aktuelle Situation einzugehen. Es ist des- halb auch nur folgerichtig, dass auf unsere Initiative der Sozialausschuss im schleswig- holsteinischen Landtag beschlossen hat, sich an der Anhörung zu beteiligen. Wir wollen a- ber auch die Hamburger Bürgerschaft einladen, sich dort einzubringen.Wir müssen offen, transparent und gemeinsam in allen drei Bundesländern zusam- menarbeiten, die Ergebnisse und Informationen austauschen und bewerten. Einen für die Menschen in den Elbmarschen gefühlten „closed shop“ dürfen wir nicht zulassen. Wir brau- chen in allen drei Bundesländern eine Verpflichtung, alle Krebsfälle in einem Krebsre- gister zu melden. In Hamburg ist diese Verpflichtung für Erkrankungen von Erwachsenen bislang noch nicht vorhanden. -3-Wir müssen gemeinsam und ohne Scheuklappen - Parlament, Regierung und die Bürgerini- tiative - zur Aufklärung beitragen und alles versuchen, um die Ursache zu finden. Sich heute schon auf dem bekannten Wissen auszuruhen und die weiteren Forschungen einzustellen, ist zu kurzsichtig. Wir suchen und forschen nur nach dem, was wir in unserem naturwissen- schaftlich geprägten Weltbild kennen. Die Welt ist aber viel komplexer und größer als das, was wir momentan messen können – das gilt auch für die Situation in der Elbmarsch und im Raum Geesthacht.